Zwei brutale Morde entfachen landesweite Proteste

Die Ermordung zweier junger Frauen binnen weniger Tage durch deren ehemalige Partner hat in Italien die Debatte über mögliche weitere Maßnahmen gegen den Femizid neu befeuert. In Messina auf Sizilien war am Montag die 22 Jahre alte Studentin Sara C. von ihrem früheren Partner, dem 27 Jahre alten Stefano A., am helllichten Tag erstochen worden. Die Tat ereignete sich an einer Bushaltestelle vor den Augen Dutzender Zeugen. Nach Medienberichten hat Stefano A., der nach der Bluttat zunächst mit seinem Auto hatten fliehen können, aber wenige Stunden später in seiner Heimatstadt Noto festgenommen wurde, den Mord an seiner ehemaligen Kommilitonin gestanden.

Das Opfer hatte gegenüber Freunden und Bekannten immer wieder die wachsende Sorge zum Ausdruck gebracht, „dass dieser kranke Mensch mir weiter nachstellt“. Wie italienische Medien berichteten, hatte Sara C. ihren früheren Partner immer wieder zurückgewiesen, was Stefano A. aber nicht davon abhielt, der Biomedizin-Studentin weiter nachzustellen. Die junge Frau erlitt bei dem Angriff eine tiefe Stichwunde im Hals und erlag kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus ihrer Verletzung. Nach Medienberichten erstattete die Studentin trotz des obsessiven Stalkings durch ihren späteren Mörder keine Anzeige bei der Polizei.

Ihr Ex-Partner benutzte nach ihrem Tod ihr Handy

Nahe Rom wurde am Dienstag in einem als illegaler Müllabladeplatz genutzten Waldstück die Leiche der ebenfalls 22 Jahre alten Studentin Ilaria S. gefunden. Nach Medienberichten wies der Leichnam mehrere Messerstiche an Hals und Genick auf. Die ursprünglich aus der mittelitalienischen Region Umbrien stammende Studentin war am 25. März als vermisst gemeldet worden. Ihr ehemaliger Partner, ein 23 Jahre alter Kommilitone, hatte noch tagelang mit dem Smartphone seiner ehemaligen Partnerin Nachrichten verschickt und Posts in den sozialen Medien veröffentlicht, um den Anschein zu erwecken, diese sei noch am Leben. Nach Medienberichten hat der aus den Philippinen stammende Mark S. die Tat inzwischen gestanden und den Ermittlern gegenüber mitgeteilt, er habe im Affekt und nicht in Tötungsabsicht gehandelt.

Am Eingang der Fakultät für Statistik an der La Sapienza in Rom, an der Ilaria S. studierte, liegen zahlreiche Blumen.
Am Eingang der Fakultät für Statistik an der La Sapienza in Rom, an der Ilaria S. studierte, liegen zahlreiche Blumen.Picture Alliance

Die Bluttaten haben in Italien ein großes Medienecho gefunden und weithin Entsetzen ausgelöst. In Messina, Rom und anderen Städten kam es zu spontanen Kundgebungen, bei denen der jungen Opfer gedacht und ein besserer Schutz von Frauen gefordert wurde. „Eine andere Welt ist möglich“, hieß es am Mittwoch bei einer Protestkundgebung Hunderter Studenten in Rom. Bei einem Protest- und Trauerzug in Messina am Dienstagabend war auf einem Transparent zu lesen: „Sie sollte die Letzte sein. Für Sara, für alle.“

Nach Angaben des Innenministeriums wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres in Italien zehn Frauen von ihrem Partner oder ehemaligen Partner getötet. Im vergangenen Jahr wurden 61 solcher Morde an Frauen registriert. Berücksichtigt man nicht nur Partner oder ehemalige Partner als Täter, sondern auch Familienmitglieder, dann betrug die Zahl der Femizide im vergangenen Jahr in Italien 99.