Zurück im Kalten Krieg | FAZ

Was ist nicht alles auf dem Prager Wenzelsplatz passiert: Panzer rollten darüber, um den Wunsch nach Freiheit und Demokratie zu zerstören. Zwei Studenten verbrannten sich aus Protest. Und Václav Havel rief dort zwanzig Jahre später vor 100.000 Menschen: „Wahrheit und Liebe siegen über Lüge und Hass!“ Es ist der bedeutendste politische Versammlungsort Tschechiens und bis heute Schauplatz von Massendemonstrationen und Großkundgebungen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich dort ein ganz besonderer Ausstellungsort findet: das Museum des Kalten Kriegs.

In der Lobby des „Hotel Jalta“, einem Gebäude des sozialistischen Realismus, umgangssprachlich auch stalinistischer Barock genannt, treffen wir David Patak, der uns auf eine Zeitreise in den Kalten Krieg mitnimmt. David trägt die grün-beige Uniform eines Unterfeldwebels und geht mit uns gute zehn Meter in den Untergrund, in den Bunker der Macht von damals: Dieser Atombunker wurde erst 1989 im Jalta entdeckt: Er erstreckt sich über zwei Etagen und bot Platz für 150 Personen.

„Wahrscheinlich wurde das Hotel nur als Verkleidung gebaut, um im Notfall unscheinbar als Hauptquartier für die Regierung zu dienen“, sagt der junge David, der noch nicht geboren war, als die damalige CSSR unter dem Diktat der Sowjetunion litt. „Keine Frage“, sagt David, „fast alle Tschechen verübeln den Russen diese jahrzehntelange Unterdrückung. Und die wenigen, die es nicht tun, die wählen bis heute die KP.“

Es ist stickig, eng, und man fühlt sich wie an einem Filmset: Gasmasken sind zu sehen, ein rotes Telefon, Gewehre, eine kleine Klinik, Abhöranlagen, ein Verhörraum sowie Dokumente über Dokumente. „Als Atombunker wurde er nie benutzt“, sagt der Museums-Unterfeldwebel. „Allerdings war die Staatssicherheit da, um ausländische Gäste, die von der KP im Jalta einquartiert wurden, bequem und effektiv abhören zu können.“ Heute erlebt man ein unwirkliches Szenario aus der Vergangenheit, das durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine jedoch den Gedanken aufkommen lässt, dass diese Situation auch wieder real werden könnte.