

Manchmal braucht es einen mutigen Menschen, um andere stärker zu machen. Das erlebte Geena Davis bei der Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin Susan Sarandon am Set von Ridley Scotts Roadmovie „Thelma & Louise“. Davis war damals schon ein gefeierter Hollywoodstar: In David Cronenbergs Horrorfilm „Die Fliege“ (1986) spielte sie an der Seite Jeff Goldblums eine Reporterin, durch Tim Burtons „Beetlejuice“ (1988) spukte sie neben Alec Baldwin als verzweifelter Geist, und ein Jahr darauf erhielt sie den Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in „Die Reisen des Mr. Leary“, in dem sie als einfühlsame Hundedresseurin William Hurt aus seiner Depression holt.
Selbstbewusstsein lernte sie von Susan Sarandon
Auf der Leinwand konnte sie mühelos Männern Paroli bieten, im Berufsleben gelang ihr das nicht immer – dann traf sie Sarandon: „Bis dahin hatte ich einfach versucht, mich anzupassen und keinen Ärger zu machen. Susan hingegen setzte sich für sich selbst ein. Wenn ihr eine Dialogzeile nicht gefiel, änderte sie sie. Das gab mir mehr Selbstvertrauen, für mich selbst einzutreten“, erinnerte sich Davis später in einem Interview. Auch die Arbeit mit Regisseur Ridley Scott habe zum neuen Selbstbewusstsein beigetragen, denn er bestärkte seine Hauptdarstellerinnen in ihrer künstlerischen Autonomie, aus gesundem Eigeninteresse: So wurde nämlich der Film glaubhafter, in dem zwei Frauen, die im roten Cabrio vor ihren Männern flüchten, einen Vergewaltiger erschießen, eine Bank ausrauben und der Polizei am Ende über eine Klippe des Grand Canyons entkommen. Er zählt heute zu den feministischen Klassikern. Und als hätte Davis von ihrer Filmfigur Thelma alles gelernt, nur nicht das Ende, nahm sie danach die Dinge selbst in die Hand, nicht nur bei Rollenverhandlungen: Sie gründete eine eigene Produktionsgesellschaft.
Die Wirkung des neuen Auftretens: 1992 übernahm Davis eine Hauptrolle in Penny Marshalls „Eine Klasse für sich“ über das erste professionelle Frauen-Baseballteam in den Vierzigerjahren, in der Actionkomödie „Tödliche Weihnachten“ (1996) erfüllte sie sich den Schauspielertraum von der Doppelrolle, spielte eine ehemalige CIA-Killerin, die nach einer Amnesie ein neues Leben als Lehrerin an der beschaulichen Ostküste beginnt. Natürlich holt ihre Vergangenheit sie ein. Davis gelingt es dabei zwischen der weichen, fürsorglichen Samantha und ihrem Alter Ego „Charlie“, der weiblichen James-Bond-Variante, zu wechseln – und obendrein den stachligen Wortwitz des Filmpartners Samuel L. Jackson zu parieren.
Seit der Jahrtausendwende steht sie seltener vor der Kamera und konzentriert sich stattdessen darauf, dem Schauspielnachwuchs Mut zu machen. Ihr „Geena Davis Institute on Gender in Media“ forscht zu Geschlechterdiskriminierung im Filmgeschäft; 2015 gründete Davis zudem das Bentonville Film Festival, um filmische Vielfalt zu fördern. Heute wird sie siebzig Jahre alt.
