

Der Rekord an Aktionären in Deutschland ist eine gute Nachricht. 14 Millionen investieren ihr Geld mittlerweile in Aktien, Fonds und ETF. Die Kehrseite der Meldung des Deutschen Aktieninstituts: 56 Millionen Menschen über 14 Jahren tun es nicht. Selbst in der stärksten Aktienaltersgruppe der 30 bis 39 Jahre alten Menschen ist nur ein Viertel investiert. Drei Viertel fehlen, in der Gesamtbevölkerung gar vier Fünftel. Geht es nach Einkommen, wird die Lücke größer, je niedriger das Einkommen ist. Aber selbst in der bestverdienenden Gruppe legt nicht einmal die Hälfte in Aktien und Fonds an. Finanzdienstleister haben es sich zum Geschäft gemacht, hier auf die besonders große Lücke zwischen gewohntem Lebensstandard und Einkommen im Alter zu verweisen, wenn nicht aktiv vorgesorgt wird.
Natürlich kann der Lebensstandard im Alter angepasst werden, aber jeder sollte für sich selbst rechnen, was er zu einem guten Leben im Alter braucht und was sein Einkommen erwarten lässt. Der Staat hilft bisher nicht, hier eine ordentliche Übersicht zu schaffen zwischen gesetzlicher Rente, Riester, betrieblicher Altersvorsorge und privaten Ersparnissen. Er setzt nach wie vor auf die Maßgabe, dass die gesetzliche Rente den Lebensstandard sichern sollte. Dass das angesichts der demografischen und wirtschaftlichen Herausforderungen eine kühne Annahme ist, hat sich herumgesprochen. Die Zahl der ETF-Sparpläne geht in die Millionen.
Menschen mit geringem Einkommen bleiben außen vor
Doch rund neunzig Prozent der Menschen mit Einkommen unter 2000 Euro netto im Monat bleiben außen vor. Sie sorgen nicht privat vor. Sie haben damit nicht teil an den globalen Wohlstandsgewinnen, die es fast in jedem Jahr seit Jahrzehnten gab und an denen sich mittels Aktien und damit Eigentümerschaft an großen Unternehmen und deren Geschäftserfolgen partizipieren lässt, weit mehr als mit Sparkonten. Dass sich das lohnt, lässt sich nicht nur an den regelmäßigen Dax-Rekorden ablesen.
Die Gewinne der Dax-Unternehmen fließen bisher aber mehrheitlich an Pensionsfonds in den USA, Großbritannien oder Kanada, die ihre Altersvorsorge stärker am Kapitalmarkt ausrichten. Vorbilder, wie sich die Erträge des Kapitalmarkts in die Breite der Bevölkerung tragen lassen, gibt es viele. Warum fließen hundert Prozent der Beiträge zur Rentenversicherung direkt an die Rentner? Warum nicht mit einem kleinen Anteil anfangen, der am Kapitalmarkt angespart wird? Warum nicht sehr langfristige Aktien- und ETF-Anlage mit größeren Steuerfreibeträgen für die Altersvorsorge ausstatten, wie es für Immobilien, Gold und Bitcoin schon üblich ist. Warum nicht Versicherern und für Betriebsrenten mehr Wahlfreiheit in der Anlage lassen? Politisches Ziel sollten nicht die aktuell 14 Millionen Aktionäre sein, sondern möglichst alle 84 Millionen in Deutschland lebenden Menschen an den überdurchschnittlichen Erträgen des Aktienmarkts partizipieren zu lassen.
