Zu viele Kranke? Nicht bei BMW

Der Bundeskanzler selbst hat die Debatte wieder neu angeheizt: „Können wir uns bitte mal darüber unterhalten, wie wir es schaffen, die besseren Anreize zu setzen, zur Beschäftigung zu gehen?“, fragte Friedrich Merz auf einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg. Fast drei Wochen im Jahr meldeten sich die Deutschen im Schnitt krank. „Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, ärgerte sich der CDU-Politiker.

Sind die Deutschen also ein Volk von arbeitsscheuen Simulanten, wie der Kanzler suggeriert? Für Markus Söder (CSU) scheint das längst klar: „Blaumachen muss reduziert werden“, forderte der bayerische Ministerpräsident kürzlich.

Allerdings gibt es nun wenige Kilometer von Söders Münchner Staatskanzlei ein bayerisches Großunternehmen, das mit dem Thema betont gelassen umgeht und nach eigener Auskunft kein Problem wegen überhoher Krankenstände hat: der Autobauer BMW, der deutschlandweit fast 90.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage liege „seit über zehn Jahren sowohl deutlich unter dem Niveau des Bundes als auch unter dem Vergleichswert der Branche“, teilt der Dax-Konzern auf Anfrage mit.

BMW sieht sich gut aufgestellt

Und BMW nennt auch eine Zahl: 2025 betrug im eigenen Unternehmen die Krankenquote in Deutschland, also der Anteil der Fehltage an der Gesamtarbeitszeit, 3,6 Prozent. Enthalten sind darin auch die ersten Krankheitstage, für die kein ärztliches Attest erforderlich ist. Im Vergleich zu den Fehltagen in der deutschen Wirtschaft insgesamt und den Durchschnittswerten in der Metall- und Elektroindustrie stehe man mit der eigenen Quote gut da, heißt es von BMW.

Arbeitnehmervertreter heben BMW explizit als Positivbeispiel hervor. Zwar gebe es teilweise zweistellige Krankenquoten in deutschen Unternehmen, sagte Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, im November im F.A.S.-Interview. „Da stimmt offensichtlich etwas nicht.“ Aber der Grund sei oft, dass Führungskräfte versagten.

„Eine Kultur des Hinschauens“

Anders bei dem Münchner Autokonzern: „Wenn Sie bei BMW öfter montags oder freitags fehlen, dann wird dem nachgegangen. Ich finde, das gehört auch zur Führung: sich Mühe machen, zu schauen, was nicht in Ordnung ist“, sagte Benner. Bei BMW gebe es „eine Kultur des Hinschauens“, lobte die Gewerkschaftschefin: „Man wird gefragt: Was war denn da los am Freitag? Brauchst du Unterstützung? Das ist eine andere Nummer, als wenn das kommentarlos hingenommen wird.“

Der Stuttgarter BMW-Wettbewerber Mercedes hadert dagegen mit zu hohen Krankenquoten. „Es darf nicht so einfach sein, sich krankzumelden“, forderte Vorstandschef Ola Källenius schon 2024. Er finde es nicht in Ordnung, dass der Krankenstand in Deutschland teilweise mehr als doppelt so hoch sei wie an Mercedes-Standorten in anderen Ländern. Auch Allianz-Chef Oliver Bäte sieht Handlungsbedarf.