Zölle: EU und Australien einigen sich auf Freihandelsabkommen

Die Europäische Union und Australien haben sich rund acht Jahre nach dem Beginn erster Verhandlungen auf ein Freihandelsabkommen verständigt. Das teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Premierminister Anthony Albanese in der australischen Hauptstadt Canberra mit.

Nach Australien werden aus der EU unter anderem Industrieerzeugnisse
exportiert, während in die andere Richtung vor allem mineralische
Rohstoffe und Landwirtschaftsprodukte gehen. Die EU-Kommission teilte mit, das Abkommen werde 99 Prozent der bisher bestehenden Zölle auf EU-Waren abschaffen. Zölle auf Wein, Sekt, Obst, Gemüse und Schokolade aus der EU entfallen ganz; die Zölle auf Käse werden binnen drei Jahren abgeschafft.

Australien wiederum darf insgesamt 30.600 Tonnen Rindfleisch in die EU liefern, wobei davon etwa 55 Prozent zollfrei eingeführt werden können. Im Dienstleistungsbereich erhält die EU einen besseren Zugang zu Telekommunikations- und Finanzdienstleistungen aus Australien.

Insgesamt entfielen damit laut EU-Kommission für Unternehmen in der EU eine Milliarde Euro an Zöllen pro Jahr. Man rechne damit, dass die EU ihre Exporte nach Australien in den kommenden zehn Jahren um ein Drittel steigern könne. Auch Zölle bei Importen kritischer Mineralien in die EU würden gesenkt, teilte die EU-Kommission mit.

Zusammenarbeit bei Verteidigung

Von der Leyen und Albanese kündigten außerdem eine neue Verteidigungspartnerschaft an. Sie sieht eine engere militärische Zusammenarbeit sowie den Beginn von Verhandlungen über Australiens Beitritt als assoziiertes Mitglied des Forschungs- und Innovationsförderprogramms Horizon Europe vor.

„Die EU und Australien sind geografisch zwar weit voneinander entfernt“, sagte von der Leyen. „Sie könnten sich jedoch nicht näher sein in Bezug darauf, wie wir die Welt sehen.“ Mit den neuen Partnerschaften in Sicherheits- und Verteidigungsfragen sowie beim Handel rückten die EU und Australien noch näher zusammen.

Von der Leyen hob hervor, wie wichtig die Partnerschaft bei kritischen Mineralien für die EU sei. „Wir dürfen bei solchen wichtigen Rohstoffen nicht zu stark von einem einzelnen Lieferanten abhängig sein“, sagte sie. Sie verwies dabei auf China. Sowohl die Bedrohung der Lieferkettensicherheit der EU als auch der Schock für die industrielle Basis erforderten dringende Maßnahmen.

„Heute ist ein entscheidender Moment in der Beziehung zwischen Australien und der Europäischen Union“, sagte Albanese. Das Abkommen sei „wegweisend“. Das Abkommen muss noch von den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament gebilligt und anschließend offiziell mit Australien unterzeichnet werden.

Inmitten internationaler Spannungen gingen die Verhandlungen voran

Im Jahr 2023 waren die Verhandlungen zwischen Australien und der EU zunächst zum
Stillstand gekommen, vor allem aufgrund von Meinungsverschiedenheiten
über EU-Quoten für Fleischimporte und Schutzmaßnahmen für den
Agrarsektor. In jüngster Zeit kam jedoch wieder Bewegung in die Verhandlungen – gerade wegen internationaler Spannungen und weltweiter Zollstreitigkeiten. Im Januar hatte die EU bereits ein Freihandelsabkommen mit Indien unterzeichnet.

Offiziellen Daten zufolge war die EU im Jahr 2024 Australiens drittgrößter Handelspartner. Zudem war die EU Australiens zweitgrößte Quelle ausländischer Investitionen.