Zeitweise über 100-Dollar-MarkeÖlpreis wegen Nahost-Krieg so hoch wie zuletzt 2022
09.03.2026, 01:12 Uhr
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Die Eskalation im Iran erreicht die Weltwirtschaft: Massive Kurssprünge an den Energiebörsen in Chicago und Europa führen zeitweise zu Ölpreisen jenseits der 100-Dollar-Marke. Die drohende Blockade der Straße von Hormus verschärft die Sorge vor einem Engpass bei Öl und Gas.
Der Ölpreis ist infolge des Iran-Krieges erstmals seit Jahren zeitweise wieder auf über 100 US-Dollar angestiegen. Der Preis für die in Europa maßgebliche Nordseesorte Brent stieg um knapp 19 Prozent auf fast 110 US-Dollar je Barrel, umgerechnet 159 Liter. Unmittelbar zuvor war zum Handelsbeginn in Chicago die in den USA bestimmende Sorte West Texas Intermediate (WTI) über die Marke von 100 Dollar gesprungen – ein Preisniveau, das es zuletzt 2022 gegeben hatte.
Am Freitagnachmittag war Brent-Rohöl zur Lieferung im Mai noch erstmals seit April 2024 mit über 90 US-Dollar gehandelt worden. Vor Beginn des Iran-Krieges vor gut einer Woche lag der Preis noch um die 70 Dollar pro Barrel. Auch die Spritpreise sind seither deutlich angestiegen. An einigen Tankstellen in Deutschland kletterte der Benzinpreis für einen Liter Super in der vergangenen Woche bereits zeitweise über die Marke von 2,50 Euro.
Die Angst vor einer längeren Sperrung der Straße von Hormus bleibt ein bestimmendes Thema auf dem Ölmarkt. Seit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran passieren kaum noch Schiffe die Meerenge am Persischen Golf. Durch diese wird in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Sie ist auch sehr wichtig für den Transport von Flüssiggas, etwa aus Katar.
US-Präsident Donald Trump spielt den starken Preisanstieg herunter: „Kurzfristige Ölpreise, die schnell wieder sinken werden, wenn die Zerstörung des iranischen Atomprogramms beendet ist, sind einer sehr kleiner Preis, der für Sicherheit und Frieden in den USA und auf der Welt zu zahlen ist“, schrieb Trump bei Truth Social. „Nur Narren würden anders denken“, fügte er hinzu.
Ende vergangener Woche hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi in einem Interview der „Financial Times“ vor schwerwiegenden Folgen des Konflikts im Nahen Osten für Lieferungen von Energierohstoffen aus der Region gewarnt. Es sei zu befürchten, dass alle Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen könnten. Dann sei nach Einschätzung des Ministers ein Anstieg des Ölpreises bis auf 150 US-Dollar möglich. Aufgrund der de facto Blockade der Meerenge von Hormus gehen den Produzenten teils die Lagerkapazitäten aus.
