ZDF-Intendant Norbert Himmler wiedergewählt – Medien

ZDF-Intendant Norbert Himmler ist am Freitag vom Fernsehrat für weitere fünf Jahre wiedergewählt worden. Er erhielt 48 Stimmen der anwesenden 53 Fernsehräte. Zwei Gremienmitglieder enthielten sich, drei stimmten gegen ihn. Himmlers neue, zweite Amtszeit beginnt am 15. März 2027, einen Gegenkandidaten hatte er bei der Wahl nicht. Von den sieben Einreichungen auf die Stellenausschreibung für den Intendantenposten erfüllten sieben die formalen Kriterien. Davon erhielt dann lediglich die Bewerbung der Journalistin Floria Fee Fassihi die Unterstützung eines Fernsehratsmitglieds, die erforderlich ist für eine Kandidatur. Fassihi zog ihre Bewerbung anschließend aber wieder zurück.

Für den Kandidaten Himmler und seine Geschäftsführung war es kein ganz wolkenfreier Termin. Vor Beginn der Wahl hatte das Aufsichtsgremium eine gute Stunde lang über den Fall diskutiert, durch den das ZDF seit Wochen in der Kritik steht und den es derzeit intern aufarbeitet. Für einen Beitrag im „Heute-Journal“ vom 15. Februar über die Einsätze der amerikanischen Behörde ICE hatte die Autorin KI-generierte Szenen verwendet, ohne sie zu kennzeichnen, eine andere Szene war veraltet und stammte aus einem anderen Zusammenhang. Auch die Kontrollmechanismen in der Senderzentrale entdeckten vor Ausstrahlung nicht, dass etwas nicht stimmte. Die KI-Regeln des ZDF erlauben keinen Einsatz von künstlich erzeugtem Material in Nachrichtensendungen, sofern es in einem Beitrag nicht ausdrücklich um das Thema KI selbst geht. Nach einer zunächst irreführenden Kommunikation zu dem Fehler zog das ZDF die Autorin von ihrem Posten als Leiterin des New-York-Studios ab und prüft derzeit weitere arbeitsrechtliche Schritte.

„Es gibt viele Menschen da draußen, die sich durch diesen Vorgang in ihrem falschen Vorurteil bestätigt fühlen, dass im ZDF Tendenz- und Haltungsjournalismus betrieben wird.“

Die Gremienvorsitzende Gerda Hasselfeldt, CSU, sagte am Freitag, der Sachverhalt sei „gravierend“ und müsse aufgearbeitet werden, bis hin zu Konsequenzen. „Das, was da vorgefallen ist, darf nicht wieder passieren.“ Die Ausschüsse des Fernsehrats hätten darüber bereits intensiv auf Grundlage von „lückenlosen Informationen“ des ZDF diskutiert. Himmler sagte, dem ZDF sei „die Tragweite dessen, was passiert ist, bewusst“.

Chefredakteurin Bettina Schausten will als Folge einen Maßnahmenkatalog etablieren, erklärte sie. Dazu gehöre ein Schulungsprogramm für Mitarbeiter zu den Themen KI und Verifikation von Material an. Die Benutzung von Quellen müsse künftig schriftlich fixiert werden, „bei jedem Frame, den wir senden, muss klar sein, woher kommt das Material“. Das ZDF wolle als Positiv-Auswahl auch stärker auf selbst gedrehtes Material zurückgreifen, sagte Schausten, in diesen Zeiten könne man „ansonsten hundertprozentige Verifikation nicht mehr versprechen“. Man werde in Zukunft die „Frühwarnsysteme“ bei der Abnahme stärken und Fehlerhinweise aus dem Netz im Nachgang besser scannen. Dafür sei eine „Lernkultur, in der Fehler schneller zugegeben werden“ nötig. Im aktuellen Fall habe sich jeder auf den anderen verlassen – „wir müssen in diesen Zeiten mit mehr Skepsis unterwegs sein“.

Bei der Aussprache im Fernsehrat bekam sie dafür Zuspruch, es wurde jedoch auch der „Fehler“ im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall kritisch hinterfragt. Von „vorsätzlichem Fehlverhalten“ sprach Steffen Kampeter, Vertreter der Arbeitgeberverbände, wichtig sei „wir sind ja nicht diejenigen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen wollen, sondern wir wollen ihn besser machen.“ NRW-Medienminister Nathanael Liminski, CDU, sagte, er habe bei der Aufarbeitung anfangs „ein ziemlich großes Störgefühl mit dem Begriff Fehler“ gehabt, das Material sei ja nicht „irgendwie reingeschlittert“, sondern „KI-Bildmaterial muss man suchen, wenn man es nicht selber herstellt“. Bei der Aufarbeitung sei es für ihn anfangs zu sehr um Erklärungen gegangen „und weniger, wie konnte das passieren und wie kann man das für die Zukunft verhindern“. Das sei dann zum Glück korrigiert worden. Den Maßnahmenkatalog von Schausten finde er überzeugend, es stelle sich aber auch die Frage, „in welcher Umgebung kann es zu so einem Fehlgriff kommen“. Es würde ihm Sorgen machen, „wenn die Qualität nicht mehr so viel zählt, solange die Botschaft stimmt“. Sei genug „Binnenhygiene“ in den redaktionellen Abläufen gegeben, „dass jemand das mal gegen den Strich bürstet und fragt, wo hast du denn das her? Hast du zu einer Botschaft das passende Bild gesucht oder haben wir Bilder und ordnen die ein?“ Auf Einwände präzisierte Liminski, er wolle den Sender nach außen verteidigen, es sei aber wichtig, dass Kontrolle im Fernsehrat funktioniere. „Es gibt viele Menschen da draußen, die sich durch diesen Vorgang in ihrem falschen Vorurteil bestätigt fühlen, dass im ZDF Tendenz- und Haltungsjournalismus betrieben wird.“ Schausten stimmt zu, das Fatale an dem Fall sei, dass er „Futter gibt für all diejenigen, die uns das unterstellen wollen“. Die Diskussion im Gremium sehe sie auch „als Rückenstärkung für unsere Arbeit“.

Kritik kommt auch zu Grafiken am Wahlabend in Baden-Württemberg

Die Berliner Senatssprecherin Christine Richter kritisierte bei der Aussprache auch Fehler in der ZDF-Berichterstattung zur Wahl in Baden-Württemberg. So sei bei der Visualisierung der rein rechnerisch möglichen Koalitionen in Stuttgart neben Grün-Schwarz lediglich ein mögliches Bündnis zwischen Union und AfD gezeigt worden, und nicht auch die Option aus Grünen und AfD, das die Sitzverteilung ebenso hergab. In einer anderen Grafik zur Wahl sei die Zahl der Sitze von AfD proportional viel zu klein dargestellt worden im Vergleich zu dem Raum für die sehr viel kleinere Zahl der SPD-Mandate, stellte Richter fest. Chefredakteurin Schausten stimmte zu, man hätte bei der Darstellung der rechnerisch möglichen BW-Bündnisse „beide darstellen müssen oder man lässt es einfach“. Die falsch gewichtete Tortengrafik der Sitzverteilung sei in der Heute-Sendung morgens nach der Wahl aufgefallen und im Rest der Nachrichten mit einer Ausnahme richtig gewesen. „Wir sind da jetzt sehr alert und viele andere mit uns auch.“ Bei einem anderen in der Diskussion aufgebrachten Kritikpunkt konnte sie beruhigen: Die Journalistin, die Kritik dafür bekam, dass sie am Wahlabend bei den Grünen zu euphorisch wirkte, wie Richter moniert hatte, sei nicht die Mitarbeiterin des ZDF gewesen, sondern von der ARD. „Ich bin sehr bereit zur Selbstkritik, aber ich bin froh, dass ich einmal sagen kann, das waren wir nicht.“