Die europäische Verbraucherorganisation Euroconsumers hat mit dem Fanbündnis Football Supporters Europe bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die FIFA wegen hoher WM-Ticketpreise eingelegt.
Die FIFA missbrauche ihre Monopol-Stellung, um Fans überhöhte Preise und unfaire Bedingungen aufzuzwingen, hieß es in einer Pressemitteilung. „Die FIFA hat ein vollständiges Monopol auf den Ticketverkauf für die Weltmeisterschaft“, sagte Romane Armangau als Sprecherin von Euroconsumers.
„Sie nutzt diese Marktmacht, um Preise zu verlangen, die in einem normalen Wettbewerbsmarkt nicht existieren würden, während sie gleichzeitig Informationen vor den Käufern zurückhält und sie zu überstürzten Entscheidungen drängt.“ Eine Kommissionssprecherin bestätigte, dass die Beschwerde eingegangen ist.
FIFA nutzt „Dynamic Pricing“
Die Preisstruktur für das Turnier ist intransparent, die FIFA nutzt das Prinzip „Dynamic Pricing“, bei dem sich der Preis an der Nachfrage ausrichtet. Fans können also in derselben Runde auf denselben Plätzen unterschiedliche Preise bezahlen. Zudem sind die Preise deutlich höher als zuletzt. Für das deutsche Gruppenspiel gegen Curacao gibt es einige wenige Tickets für 60 US-Dollar, danach geht es schnell hinauf bis 500 US-Dollar. Beim WM-Finale sollte es zu Verkaufsbeginn reguläre Preise fernab der VIP-Bereiche bis zu 9.000 US-Dollar geben.
Infantino hatte die hohen Preise verteidigt und darauf verwiesen, dass die daraus generierten Einnahmen dem Fußballsport zugutekämen. Die FIFA erwartet eine Verdreifachung der Einnahmen aus Tickets und VIP-Paketen im Vergleich zur WM in Katar. Die Zahl der Spiele durch den neuen Modus mit 48 Teams steigt aber im Vergleich nur um 70 Prozent.
Weitere Kritikpunkte ist die Preispolitik für Fans mit Behinderungen sowie der Umgang mit den Fans, die ihre Karten über die Verbände bekommen, wie in Deutschland beim Fanclub Nationalmannschaft. Diese Fans waren zunächst von den Karten zu 60 US-Dollar ausgenommen, erst nach breiter Kritik lenkte die FIFA etwas ein. Nun gibt es pro Team und Spiel einige hundert Karten für 60 US-Dollar.
Trotz aller Kritik ist die Nachfrage hoch. Insgesamt gab es nach Angaben der FIFA mehr als eine halbe Milliarde Ticketanfragen. Das bedeutet keine halbe Milliarde Menschen, die zur WM wollen, dokumentiert aber ein großes Interesse.
Ungedeckelter Weiterverkauf möglich
Hinzu kommt, dass Ticketinhaber ihre Karten zu jedem Preis weiterverkaufen können. Die FIFA hat dafür selbst eine Plattform eingerichtet. Wer eine 60-Dollar-Karte fürs Finale hat, kann sie mit Unterstützung der FIFA auf einer Plattform des Weltverbands beispielsweise für 10.000 Dollar weiterverkaufen – man muss nur einen Käufer finden.
„Die FIFA behauptet, das diene der Verhinderung des Schwarzmarkts“, sagte Martin Endemann von Football Supporters Europe im WDR-Podcast „Sport inside“. „Aber in Wirklichkeit schafft sie damit nur einen eigenen legalisierten Schwarzmarkt. Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der WM-Tickets von Schwarzhändlern aufgekauft wurde, um sie auf der Plattform der FIFA legal zu einem nach oben völlig beliebigen Preis wieder zu verkaufen.“
Die FIFA argumentiert, dass ein solcher „Zweitmarkt“ in den USA legal ist und ihre Plattform eine sichere Variante sei, Tickets zu kaufen und zu verkaufen. Die FIFA verdient dabei doppelt mit: Sie zieht dem Verkäufer 15 Prozent des Erlöses ab und schlägt beim Käufer 15 Prozent drauf.
Beschwerde nun in Prüfung
Die Beschwerde werde nun nach den üblichen Verfahren geprüft, teilte die EU-Kommission mit. Falls bei der Prüfung ein Verstoß gegen Wettbewerbsrecht festgestellt wird, kann die Kommission die Betroffenen – in diesem Fall also die FIFA – auffordern, den Verstoß abzustellen und dafür auch bestimmte Vorgaben machen. Eine zeitliche Vorgabe für die Prüfung gibt es nicht.
