WM-Play-offs: Alle schlechten Dinge sind drei

Wer darf noch hoffen?

Die Gruppenauslosung zur zumindest vom Umfang her größten WM der Geschichte fand schon im Dezember statt. Aber wer genau auf den Spielplan schaut, stellt fest, dass da noch Platzhalter wie „Uefa A“ oder „Fifa B“ zu sehen sind. Sechs der 48 Startplätze sind nämlich noch zu vergeben. 22 Nationen würden gerne noch. Diese hier: Wales, Bosnien-Herzegowina, Italien, Nordirland, Ukraine, Schweden, Polen, Albanien, Slowakei, Kosovo, Türkei, Rumänien, Tschechien, Irland, Dänemark, Nordmazedonien, Jamaika, Neukaledonien, Kongo, Bolivien, Suriname, Irak.

Wie werden die letzten Plätze genau vergeben?

In zwei verschiedenen Formaten: den europäischen Play-offs und den interkontinentalen Play-offs. Die 16 Teams aus Europa treffen in vier Viererkonstellationen, sogenannten Pfaden, aufeinander. Jedes Team wurde für ein Halbfinale gegen ein anderes gelost. Wer verliert, ist raus. Der Gewinner trifft auf den Sieger des parallel laufenden Halbfinals. Wer diese Finals gewinnt, fährt zur WM. Das sind die Ansetzungen:

  • Pfad A: Sieger Wales/Bosnien-Herzegowina – Sieger Italien/Nordirland
  • Pfad B: Sieger Ukraine/Schweden – Sieger Polen/Albanien
  • Pfad C: Sieger Slowakei/Kosovo – Sieger Türkei/Rumänien
  • Pfad D: Sieger Tschechien/Irland – Sieger Dänemark/Nordmazedonien

Heimrecht hat das Team mit der besseren Bilanz in der Qualifikation. Für die Finals wurde das Heimrecht bereits im November ausgelost. Der Sieger von Pfad D kommt in die WM-Gruppe A, von Pfad A geht es in die Gruppe B. Der Gewinner von Pfad C kommt in die Gruppe D und Pfad B führt, logisch, in die Gruppe F.

Bei den interkontinentalen Play-offs sind sechs Teams aus fast der ganzen Welt unterwegs. Sie spielen um zwei Startplätze. Genauer:

  • Pfad A (Guadalajara): Sieger Neukaledonien/Jamaika – Kongo
  • Pfad B (Monterrey): Sieger Bolivien/Suriname – Irak

Der Sieger aus Guadalajara spielt bei der WM in der Gruppe K. Wer sich in Monterrey durchsetzt, kommt in die ziemlich gut besetzte Gruppe I.

Wann wird gespielt?

Sowohl die europäischen als auch die interkontinentalen Halbfinals finden am Donnerstag statt. Die Finals am Montag, dann werden die WM-Spielpläne endlich komplett sein.

Wer könnte die WM verpassen?

Italien, schon wieder. Es wäre das dritte Mal in Serie. Ein Hattrick, den wirklich niemand gebrauchen kann. Entsprechend groß ist die Nervosität im Fußballland. Und die Selbstzweifel. Weil eben auch der italienische Vereinsfußball aufpassen muss, nicht den Anschluss zu verlieren. Das Viertelfinale der Champions League jedenfalls findet ohne italienische Beteiligung statt. Wie groß die Sorgen sind, zeigt sich sogar an der Wahl des Heimstadions für das Spiel gegen Nordirland. Keine der großen Arenen in Rom oder Mailand ist das, sondern das 25.000-Zuschauer-Stadion in Bergamo, damit eventuelle Unmutsbekundungen der Zuschauer sich nicht zu sehr potenzieren. „In Bergamo, in meinem ersten Spiel als Trainer, haben sie uns zur Halbzeit applaudiert – obwohl es 0:0 stand“, wird Italiens Nationaltrainer Gennaro Gattuso zitiert. Wer sagt ihm, dass ein 0:0 nicht reichen wird?

Wer wäre zum ersten Mal dabei?

Klar, dass sich für die bisher größte WM auch Debütanten qualifiziert haben. Jordanien, Usbekistan, Kap Verde und Curacao sind zum ersten Mal dabei. Chancen auf eine erste Teilnahme haben auch noch: Albanien, Kosovo, Nordmazedonien, Neukaledonien und Suriname. Wobei Neukaledonien sicher zu den Teams gehört, deren Fußball man jetzt nicht sofort in die Kategorie WM-tauglich eingeordnet hätte. Die Inselgruppe im Südpazifik hat 270.000 Einwohner und wäre damit der kleinste WM-Teilnehmer aller Zeiten. Etwa die Hälfte der Mannschaft steht bei französischen Amateurklubs unter Vertrag. Das reichte für Siege gegen die Salomonen (3:2), Papua-Neuguinea (3:1) und im Kokosnussderby gegen den Erzrivalen aus Tahiti (3:0). Erst seit 2004 ist Neukaledonien Fifa-Mitglied, es ist politisch als eigener Staat anerkannt, verbleibt aber innerhalb der französischen Republik. Das Team nennt sich „Kagus“, nach einem entengroßen, flugunfähigen Vogel.

Was ist noch besonders an den interkontinentalen Play-offs?

Sie finden in Mexiko statt, nur gut einen Monat nachdem in dem Land mehr als 70 Menschen bei Gewaltexzessen ums Leben kamen. Die Spiele in den WM-Stadien von Guadalajara und Monterrey sind deshalb eine Generalprobe für das große Turnier. Inzwischen hat sich die Sicherheitslage im Land wieder normalisiert. Und für die WM soll vorgesorgt sein: Mehr als 100.000 Soldaten, Polizisten und private Sicherheitskräfte sowie Drohnen, Militärflugzeuge und Sprengstoffspürhunde sollen im Sommer für einen sicheren Ablauf sorgen.

Was macht der Irankrieg mit den Play-offs?

Während der Iran selbst bereits für die WM qualifiziert ist und, Stand jetzt, teilnehmen wird, hat der Krieg Auswirkungen auf andere Länder. Die irakische Nationalmannschaft musste unter erschwerenden Umständen zu den entscheidenden Spielen nach Mexiko reisen. Im Irak kommt es im Zuge des Kriegs in Nahost inzwischen täglich zu Angriffen mit Drohnen und Raketen. Und weil der irakische Luftraum seit rund drei Wochen gesperrt ist, reiste das Team auf dem Landweg ins Nachbarland Jordanien, nach Mexiko ging es im Privatflieger.

Adnan Dardschal, der Präsident des irakischen Fußballverbands Ifa, hatte die Fifa eigentlich gebeten, die Termine der Play-offs zu verlegen. Schließlich sind die Spiele für den Irak etwas Besonderes, das letzte Mal qualifizierte sich das Land 1986 für eine WM. Die Fifa lehnte ab, der Terminkalender sei zu eng.