„Wir sind keine Ersatzteile für die Bundeswehr“ – Tausende Teilnehmer bei Ostermärschen

Wie in jedem Jahr marschieren Demonstranten am Karsamstag für den Frieden, teils sind Tausende auf den Straßen. Ein Teilnehmer sagt, in 40 Jahren habe er „noch nie erlebt, dass es zu Ostern so eine große Fülle an Krisen auf der Welt gibt“.

Demos im Zeichen der Friedenstaube: In zahlreichen Städten sind am Karsamstag Menschen zu den traditionellen Ostermärschen auf die Straße gegangen. Kundgebungen mit Forderungen nach Frieden und Abrüstung fanden unter anderem in Berlin, München, Köln und Leipzig statt. Im Ruhrgebiet startete der dreitägige Ostermarsch von Duisburg nach Dortmund. Das Netzwerk Friedenskooperative erwartete an rund 70 Orten bundesweit mehrere Tausend Teilnehmer.

In Stuttgart zählte die Polizei rund 3000 Teilnehmer, in Freiburg 400 und in Mannheim etwa 400 bis 500. Ein Sprecher des Netzwerks Friedenskooperative ging von 800 Menschen in Mannheim aus.

In Berlin kamen laut Polizeiangaben etwa 1000 Teilnehmer. Neben der weißen Taube auf blauem Grund waren auch viele iranische Flaggen zu sehen sowie einige pro-palästinensische Demonstranten.

Zu sehen waren ebenfalls Dutzende Flaggen der Islamischen Republik Iran und von Kuba neben Fahnen von DKP, BSW, Linke und Gewerkschaften wie Verdi, GEW und Eisenbahnergewerkschaft. Einen großen Block stellten zudem Palästina-Aktivisten, die Israel vorwarfen, im Gaza-Streifen einen Völkermord zu begehen.

„Wir sind keine Ersatzteile für die Bundeswehr“, sagte ein Wiesbadener Schüler von der Streikbewegung gegen die Wehrpflicht auf der Abschlusskundgebung. „Wir wollen selbst entscheiden, was wir mit unserem Leben anstellen.“

Der Ostermarsch Rhein-Ruhr unter dem Motto „Friedensfähig statt kriegstüchtig“ ist traditionell der größte Ostermarsch in Nordrhein-Westfalen. Zum Start kamen in Duisburg laut Polizei bis zum Mittag rund 300 Menschen zusammen. Die Route führt weiter über Essen, Wattenscheid und Bochum nach Dortmund, wo der Marsch am Montag endet.

Erste Kundgebungen hatte es schon am Gründonnerstag und Karfreitag gegeben. Bis Ostermontag sind insgesamt rund 100 Märsche geplant. Hauptaktionstag ist allerdings in jedem Jahr der Karsamstag.

Veranstalter der Märsche sind Gewerkschaften, linke und christliche Gruppen sowie Friedensgruppen. Die regional organisierten Kundgebungen sind heute deutlich kleiner als zu Hochzeiten der Friedensbewegung in den frühen 1980er-Jahren. Zentrale Themen sind in diesem Jahr die Kriege in der Ukraine und in Nahost, wie das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn angekündigt hatte.

Die Friedensbewegung setzt sich für diplomatische Initiativen zur Beendigung von Kriegen, eine Stärkung des Völkerrechts und den Einsatz für die Leidtragenden ein. Von der Bundesregierung wird ein Ende der Aufrüstung und eine Ablehnung der Wehrpflicht gefordert.

„In bald 40 Jahren Ostermarscharbeit habe ich es noch nie erlebt, dass es zu Ostern so eine große Fülle an Krisen auf der Welt gibt“, sagte Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative. „Das stimmt mich sehr nachdenklich, aber es zeigt auch, wie wichtig das Engagement für Frieden ist.“

dpa/epd/säd