

Alle Länder sind dazu verpflichtet, diesen Mindestanforderungen nachzukommen. Darin heißt es: „Die Schülerinnen und Schüler verstehen mündliche und halbschriftliche Rechenstrategien zu den vier Grundrechenarten und setzen diese flexibel ein“ und „verstehen schriftliche Verfahren der Addition, Subtraktion und Multiplikation, beschreiben den Algorithmus, führen diesen geläufig aus und wenden ihn bei geeigneten Aufgaben an“.
Die Division wird bei den schriftlichen Verfahren nicht erwähnt und in der Regel halbschriftlich gelehrt. Das bedeutet, dass die größere Zahl in Hunderter, Zehner oder Einer zerlegt und in Teilschritten dividiert wird. Am Ende werden die Ergebnisse der Teilschritte addiert.
Eine schräge Debatte
Dass Hamburg nicht von vornherein auf die Vorgabe der Standards verwiesen hat, sondern bemerkte, „die schriftliche Division stellt das komplexeste aller schriftlichen Rechenverfahren dar“ und dann noch davor warnte, dass die zu früh eingeführte schriftliche Division dazu führen könne, dass Kinder nur einer Rechenanleitung folgten, hat einer schrägen Debatte Vorschub geleistet, die seit mehr als einer Woche in der Öffentlichkeit geführt wird.
Der Mathematikdidaktiker Andreas Obersteiner von der TU München hält das halbschriftliche Dividieren für ein sinnvolles Verfahren, weil auf diese Weise beim Rechnen der flexible Umgang mit Zahlen trainiert wird und Schüler sich Gedanken machen müssen, welche Strategie die günstigste für den Rechenvorgang ist. Obersteiner hat sich auch in seiner Dissertation mit Zahlenvorstellungen bei Grundschülern befasst. Lehrer und Schulleiter in der Primarstufe berichten, dass Schulanfänger immer weniger klare Vorstellungen von Zahlen haben.
Mathematikdidaktiker legen schon seit langem Wert auf Zahlenverständnis und auf das Verstehen von Rechenoperationen und wollen sich nicht auf das schematisierte, auswendig gelernte Ausführen der Grundrechenarten verlassen. In der Pisa-Studie stimmte ein Drittel der 15 Jahre alten Schüler der Feststellung zu, „ich fühle mich beim Lösen mathematischer Probleme hilflos“.
Angstfach Mathematik
Mathematik ist für viele ein Angstfach, was auch damit zusammenhängt, dass sie in der Grundschule noch viel zu oft fachfremd unterrichtet wird und manche Mathematiklehrer nicht in der Lage sind, das Verständnis für mathematische Operationen zu vermitteln.
Die Autoren des jüngsten Bildungstrends des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) verweisen deshalb auf einen Zusammenhang zwischen Mathematikangst und Unterrichtsqualität. Je anspruchsvoller und besser der Mathematikunterricht ist, desto geringer ausgeprägt ist die Angst davor, weil Verstehen ermöglicht wird.
Die schriftliche Division wird in allen Ländern weiter gelehrt, in vielen aber später. So steht sie in Berlin und Brandenburg, wo die Grundschule ohnehin sechs Jahre dauert, für die fünfte Klasse auf dem Lehrplan. Auch in Niedersachsen soll sie zum Lehrstoff der weiterführenden Schulen werden. Doch die Standards der KMK beschreiben Mindestanforderungen, kein Land wird daran gehindert, mehr zu verlangen und sie zu überschreiten.
Bayern, Hamburg, Sachsen und auch Schleswig-Holstein gehören zu den Ländern, die weiterhin schriftliche Division in der Grundschule lehren. So heißt es im bayerischen Lehrplan bei den Lernzielen für die dritte Jahrgangsstufe, dass die Grundschüler Aufgaben im Zahlenraum bis zur Million zu allen vier Grundrechenarten lösen können sollen. Sie sollen entscheiden, welche Art der Berechnung angemessen ist „im Kopf, halbschriftlich, schriftlich“.
Auch Hamburgs früherer Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat die schriftliche Division nach einer kurzen Phase der Angleichung an die Standards wieder verbindlich eingeführt. Und Schleswig-Holstein ist beim schriftlichen Dividieren in der Grundschule geblieben. So heißt es in den Fachanforderungen für Mathematik für die Grundschule: „Die schriftlichen Algorithmen der Addition, Subtraktion und Multiplikation müssen verstehensorientiert erarbeitet werden, während die schriftliche Division durch direkte Instruktion vermittelt wird“. Eine Vertiefung soll es dann in der weiterführenden Schule geben.
Niedersachsen unterschreitet die KMK-Standards mit den neuen Lehrplänen für die Grundschule also nicht. Wenn die Oberstufe allerdings so reformiert wird, wie das Kultusministerium es gegenwärtig plant, müsste nur noch eine Fremdsprache ab Klasse 11 bis zum Abitur belegt werden, was KMK-Vorgaben widerspricht.
Einen Rechtsanspruch soll es nur noch auf Englisch als Fremdsprache geben. Das bedeutet, dass in der Mittelstufe begonnene Sprachen in der Oberstufe des Gymnasiums unter Umständen nicht fortgeführt werden können. Vertreter der alten und neuen Sprachen befürchten, dass es schon in der 11. Klasse kein breites Sprachangebot mehr geben wird und viele Sprachzertifikate wie ein B1-Niveau in Spanisch oder ein Latinum nicht mehr erworben werden können.
