Wie sich Kommunen auf Winterradler einstellen – Panorama

Es soll Leute geben, die bei Freiburg zuallererst an ein Lied der deutschen Band Tocotronic denken. „Ich weiß nicht, wieso ich euch so hasse, Fahrradfahrer dieser Stadt“, heißt es dort gleich in der ersten Zeile. Und auch wenn die Botschaft nicht unbedingt positiv verpackt ist, kann man daraus ablesen: Fahrräder spielen in der Studentenstadt eine wichtige Rolle. Das gilt selbst im Winter.

Wegen des milden Klimas am Oberrhein schneit es in Freiburg zwar selten. Für den Fall, dass der Winter einbricht, hat das Rathaus aber einen Plan veröffentlicht: Zu sehen ist ein Netz aus Hauptverkehrsrouten, die mit Priorität geräumt werden.

Das funktioniere im Prinzip gut, sagt Frank Brosch von der Freiburger Gruppe des Fahrradklubs ADFC. Wobei jeder Radfahrer immer die eine oder andere Stelle nennen könne, auf der es dann doch gefährlich sei. Abseits der Hauptrouten habe man ohne Spikes manchmal keine Chance. Insgesamt stellt Brosch aber fest: „Wir haben das große Glück, dass in Freiburg wirklich Politik fürs Rad gemacht wird.“

Nicht überall treffen Winterradfahrer auf einen gut vorbereiteten Räumdienst. So wurde in Berlin und Hamburg schon über den Zustand der Radwege geklagt, als das Sturmtief Elli noch gar nicht vorbeigeschaut hatte. Und doch hat sich einiges getan. Bundesweit haben Kommunen begonnen, sich auf die wachsende Zahl der Winterradler einzustellen. Rechtlich sind Städte und Gemeinden verpflichtet, „verkehrswichtige und gefährliche“ Radwege zu räumen. Das übernehmen sie in der Regel selbst, nur bei kombinierten Geh- und Radwegen geben manche die Räumpflicht an die Anlieger ab.

Deutschlands schneereichste Großstadt München hat sogar den Anspruch, all ihre Radwege zu räumen, wenn es viel schneit. Bedeutende Strecken innerhalb von zwei Stunden, andere innerhalb von drei. Bei Bedarf rückt der Winterdienst dafür schon um zwei Uhr morgens aus. In der Regel hinterlässt er eine platt gedrückte Schneeschicht, die er mit Splitt bestreut.

Solange Radwege rutschig sind, bleibt Radfahrern oft nichts anderes übrig, als auf die Straße auszuweichen

Das klappe einigermaßen zuverlässig, sagt der Münchner ADFC-Vorsitzende Andreas Schön. Dennoch ergibt eine Blitzumfrage unter seinen Mitgliedern ein „differenziertes Bild“ zum Winterdienst. Nur einer der Gründe: Bei eisiger Witterung können sich auf dem platt gewalzten Schnee gefährliche Spurrinnen bilden.

Ganz anders sieht es auf einigen ausgewählten Strecken aus, wo nun schon im dritten Winter in Folge ein „Pilotversuch“ stattfindet: Dort ist ein kleiner Traktor im Einsatz, der den Schnee nicht nur wegschiebt. Er bürstet anschließend auch noch den Asphalt frei und trägt bei Frostgefahr eine Salz-Wasser-Lösung auf, damit der Weg eisfrei bleibt. „Dort fährt man einfach richtig gut, wie auf der Fahrbahn“, sagt Andreas Schön. Wenn es nach dem ADFC ginge, würde der Versuch so ausgeweitet, dass ein sicheres Wegenetz durch die Stadt entsteht. Doch dafür müsste München zusätzliche Fahrzeuge kaufen, was dem Stadtrat bisher zu teuer war.

Solange Radwege glatt und rutschig sind, bleibt Winterradlern oft nichts anderes übrig, als auf die Straßen ausweichen. Der ADFC appelliert an Autofahrer, dann geduldiger zu sein und Abstand zu halten.