Wichtige FaktenHeute ist Tag des Notrufs: Das sollte jeder über die 112 wissen
11.02.2026, 12:08 Uhr
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Zweimal die Eins, einmal die Zwei – im Notfall zählt jede Sekunde. Die Telefonnummer 112 verbindet europaweit mit der Rettungsleitstelle – kostenlos und ohne Vorwahl. Worauf es im Ernstfall bei dem Anruf ankommt.
Der Tag des Notrufs am 11. Februar – passend zum Datum 11.2. – rückt eine Telefonnummer in das Bewusstsein, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheidet. Obwohl die 112 jedem Kind bekannt ist, herrscht im Moment höchster Anspannung oft Unsicherheit darüber, wie ein Notruf effizient abgesetzt wird und was im Hintergrund passiert. Um im Krisenfall besonnen handeln zu können, ist es wichtig, die zentralen Fakten und Funktionsweisen dieses lebensrettenden Systems zu kennen.
Europaweit gültig ohne Vorwahl
Einer der größten Vorteile der 112 ist ihre grenzüberschreitende Erreichbarkeit. Die Nummer funktioniert in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie in vielen weiteren Ländern wie der Schweiz, Island oder der Türkei völlig kostenfrei.
Reisende müssen sich keine lokalen Notrufnummern merken, sondern können sich darauf verlassen, dass sie unter der 112 direkt mit der zuständigen Notrufzentrale verbunden werden. Dies gilt sowohl für das Festnetz als auch für alle Mobilfunknetze, wobei das Handy sich im Notfall automatisch in das am stärksten verfügbare Netz einwählt, auch wenn der eigene Anbieter keine Abdeckung hat.
Standortortung durch moderne Technik
Ein häufiges Hindernis bei Notrufen ist die Unkenntnis über den genauen Standort, besonders bei Unfällen in abgelegenen Gebieten oder auf Autobahnen. Moderne Smartphones nutzen heute das System AML (Advanced Mobile Location). Sobald die 112 gewählt wird, aktiviert das Handy automatisch GPS und WLAN, um den exakten Standort zu ermitteln und diese Daten noch während des Gesprächs verschlüsselt an die Leitstelle zu senden.
Dennoch sollten Anrufer versuchen, ihren Standort so präzise wie möglich zu beschreiben, da technische Systeme als Unterstützung dienen, aber die menschliche Kommunikation nicht vollständig ersetzen.
So laufen Gespräche mit der 112 ab
Lange Zeit wurde gelehrt, eine feste Liste von fünf W-Fragen starr abzuarbeiten. Heute verfolgen moderne Leitstellen einen dialogorientierten Ansatz. Die wichtigste Regel lautet: die Nummer wählen und auf die Fragen des Disponenten warten. Dieser führt den Anrufer gezielt durch das Gespräch, beginnend mit der Frage „Wo ist der Notfallort?“. Es ist entscheidend, das Gespräch niemals von sich aus zu beenden, da die Leitstelle eventuell telefonische Anweisungen zur Ersten Hilfe gibt, bis die Rettungskräfte eintreffen.
Vorrang für Notrufe im Mobilfunknetz
In Situationen, in denen das Mobilfunknetz überlastet ist, genießt die 112 eine absolute Sonderstellung. Das System erkennt den Notruf und räumt ihm eine Priorität ein, was im Zweifelsfall bedeutet, dass eine bestehende andere Verbindung getrennt wird, um die Leitung für den Notruf frei zu machen.
Wichtig zu wissen ist jedoch, dass ein Notruf seit einigen Jahren in Deutschland nicht mehr ohne eine aktive SIM-Karte abgesetzt werden kann. Diese Maßnahme wurde eingeführt, um den Missbrauch der Nummer durch Scherzanrufe zu reduzieren und die Leitungen für echte Notfälle freizuhalten.
Hilfe auch bei Sprachbarrieren und Gehörlosigkeit
Das System der 112 ist auf Inklusion ausgelegt. In den Leitstellen sitzen oft Mitarbeiter, die mehrere Sprachen beherrschen oder bei Bedarf Dolmetscher hinzuschalten können. Für Menschen mit Hör- oder Sprachbehinderung gibt es zudem die Möglichkeit, Hilfe per Notruf-Fax oder über spezielle Notruf-Apps wie „nora“ anzufordern. Diese Apps übermitteln nicht nur den Standort, sondern ermöglichen eine Kommunikation per Text-Chat, sodass barrierefreie Hilfe in jeder Situation gewährleistet ist.
