WHO und UNICEF: Zahl der Masernfälle um 75 Prozent gesunken

Die Zahlen sind noch vorläufig, doch spiegeln sie einen klaren Trend: Im vergangenen Jahr wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) wesentlich weniger Masernfälle in Europa und Zentralasien gemeldet als im Jahr zuvor. Demnach sank die Zahl von 127.412 im Jahr 2024 auf 33.998 Fälle. Zur europäischen Region der WHO zählen 53 Länder, darunter Russland und Staaten wie Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan und Kirgistan.

Den insgesamt rückläufigen Trend führt die WHO auf zweierlei zurück: Zum einen werde auf Ausbrüche schneller reagiert, zum anderen sei die Zahl der Menschen, die für eine Maserninfektion anfällig sind, rückläufig. Dass sich nicht noch mehr Menschen impfen ließen, liege auch an der Verbreitung von Fehlinformationen. Dadurch seien Kinder weiterhin von Tod oder schweren Krankheiten durch Masern und andere impfvermeidbare Krankheiten bedroht, teilte die UNICEF-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien, Regina De Dominicis, am Mittwoch mit.

Schon vor der Corona-Pandemie stiegen die Fallzahlen

Zuletzt hatte es 1997 mehr Masernfälle in der Region gegeben als 2024. Damals waren es gut 216.000. Danach sank die Zahl allerdings bis 2016 auf rund 4400 Fälle. Schon vor der Corona-Pandemie stiegen sie aber wieder stark an, 2018 auf 89.000 und 2019 auf 106.000 Masernfälle. Während der Pandemie sanken die Impfzahlen noch einmal, die Impfquoten sind in einigen Ländern noch immer niedriger als vor Corona.

Im Jahr 2024 wurde ein Drittel aller Masernfälle auf der ganzen Welt in der europäischen Region gezählt. Ein Grund laut WHO war, dass gut eine halbe Million Kinder im Jahr davor schon die erste Dosis des Masernimpfstoffs verpassten, da sie nicht zu einem der routinemäßigen Impfdienste erschienen. Grund dafür ist nach Angaben der Experten unter anderem auch die Corona-Pandemie.

Keine Entwarnung vonseiten der WHO

Auch wenn die Zahlen nun um 75 Prozent zurückgegangen sind, gibt es von der Weltgesundheitsorganisation keine Entwarnung. „Masern sind zurück, und es ist ein Weckruf“, teilte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri P. Kluge, am Mittwoch in Kopenhagen mit. „Ohne hohe Impfquoten gibt es keine Gesundheitssicherheit.“ Jedes Land müsse die Bemühungen verstärken, um untergeimpfte Gemeinschaften zu erreichen, so Kluge.

Tatsächlich ist die Zahl der Länder in Europa und Zentralasien, in denen es zu anhaltenden Masernübertragungen kommt, von zwölf auf 19 im vergangenen Jahr gestiegen. Die höchste Zahl an Fällen hatte 2024 Rumänien gemeldet. Dort waren es allein 30.692, gefolgt von Kasachstan mit 28.147.

Die Zahlen für 2025 liegen im Einzelnen noch nicht vor, die Entwicklung in Deutschland entspricht aber dem Trend in der Gesamtregion: 2024 wurden 653 Masernfälle über das WHO-Impfinformationssystem gemeldet. Von Januar bis November 2025 waren es nur 226 Fälle, im Vergleich zum Jahr 2020 trotzdem ein Vielfaches: Damals wurden 73 Fälle gezählt.

Das Masernvirus ist für den Menschen besonders ansteckend und kann durch Komplikationen wie Lungenentzündung, Enzephalitis, Durchfall und Dehydrierung tödlich sein. Masern können das Immunsystem auch langfristig schädigen und zum Beispiel Blindheit verursachen. Nur wenn mindestens 95 Prozent aller Personen in einer Region geimpft sind, sind diese aufgrund von Herdenimmunität vor dem Virus geschützt.

In Montenegro lag die Deckungsquote zuletzt bei unter 50 Prozent, in Bosnien-Hercegovina bei unter 70. Weltweit wurden 2024 rund 360.000 Masernfälle gezählt, allein in der Region Europa und Zentralasien gab es 38 Todesfälle.