Wie war der Abend?, fragt man manchmal Freunde, wenn sie einem von einer Einladung erzählen. „Nett“. Und man denkt heimlich: „,Nett’ ist die kleine Schwester von ,Scheiße’.“
Auch in Sönke Wortmanns „Ältern“ sind wir als Zuschauer eingeladen wie zu Freunden: in ein etwas zu geldiges, aber geschmackvolles Einfamilienhaus – mit Vater, Mutter, zwei Kindern: Tochter (Kya-Celina Barucki), 21, und Sohn (Philip Müller), keine Hunde.
Kleinbürgerliche Rituale oder Beständigkeit?
Vater Hannes (Sebastian Bezzel) wird hier innerhalb kürzester Zeit in eine Midlife-Crisis getrieben: Gerade war er noch der Held der „Kleinen“, konnte mit einem täglichen Superfrühstück punkten, das jetzt als „kleinbürgerliches Morgenritual“ niedergemacht wird.

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Überhaupt war er mehr für die Kinder da als seine Frau (Anna Schudt), die vielbeschäftigte Richterin. Jetzt meint sie, er sei schwerhörig. Beim Essengehen, hatte er „Weihnachtsgeschenk“ statt „Wein nachgeschenkt“ verstanden. Und da, wo er dachte, man würde sich überall verstehen – Ehe Haushalt, Kinder – kündigt seine Frau an, mit der Tochter in eine WG zu ziehen. Er sei ja Hausmann (ein Schriftsteller sei das ja quasi) und könne sich wunderbar um das Abitur des Sohnes kümmern.
Episodisch amüsant
Die Verfilmung des Buches des Erfolgskolumnisten Jan Weiler („Das Pubertier“) überrascht den Zuschauer nicht.

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Sebastian Bezzel spielt einen wattiert aus allen Wolken Fallenden, der – immer etwas komödiantisch langsam – nicht gleich kapiert, was da eigentlich abgeht: die Abnabelung der Kinder und und leider in dessen Zuge auch der Frau. Bezzel gelingt es, Hannes’ Eingefahrenheit auch physisch präsent zu machen. Und Wortmann passt sich dem Erkenntnistempo von Hannes entspannt an. Beide scheinen Stoiker zu sein, eine aktuelle populär-philosophische Modeerscheinung in unruhigen Zeiten. Dazu passen auch die vielen bremsend eingeworfenen Hamburg-Luftaufnahmen oder die Off-Kommentare von Hannes/Bezzel.

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Das spürbar Episodische (Elternschulsprechstunde, Lesereise) wird vom Frage-Bogen überspannt, ob Hannes einen Neuanfang wagt – auch beruflich, nachdem die vier Fortsetzungsbände seines ursprünglichen Erfolgsromans „Im Dunstkreis der Möwe“ ein Auslaufmodell sind, wie ihm sein Literaturagent (Thomas Loibl) unsanft mitteilt.
Sympathische Konservativität
Jan Weiler hat selbst das Drehbuch mitverfasst, und so ist es vor allem der lässig-kunstvolle Sprachwitz („Ehrgeiz ist die Zuflucht der Versager“, „Veränderung ist nur die Angst vor der Beständigkeit“), der den Film trägt. Und über allem liegt sympathische Konservativität, ein leichtes Augenzwinkern Richtung Wokeness, und familiär gelebte Liberalität.
So ist es, wie nach einem wirklich „netten“ Abend mit guten Freunden, der – bei aller Behaglichkeit – eben doch auch geistreich, lebensweise und amüsant war. Und das ist bestimmt nicht „Sch…“.
K: Leopold, Cadillac, Cincinnati, Solln, Mathäser, Gloria
R: Sönke Wortmann
(D, 104 Min.)
