Weltcup in Tarvisio: Weidle-Winkelmann bei Abfahrt schneller als Vonn

Kira Weidle-Winkelmann bei der Abfahrt in Tarvisio in Aktion.

Stand: 17.01.2026 12:52 Uhr

Im Nebel von Tarvisio, auf einer für die allermeisten Rennläuferinnen völlig neuen Strecke, ist Kira Weidle-Winkelmann auf den zweiten Platz gerast. Geschlagen geben musste sie sich nur von der Premierensiegerin Nicol Delago aus Italien. Dritte wurde Lindsey Vonn (+0,26 Sekunden). Auch Emma Aicher (+0,80s) zeigte mit dem fünften Platz eine starke Leistung.

Trotz der sensationellen Leistung schüttelte Weidle-Winkelmann im Ziel zunächst den Kopf. Dass sich die 29-Jährige unzufrieden zeigte, lag wohl am Schlussteil: Bis zur allerletzten Kurve hatte die Speed-Spezialistin in Führung gelegen. Doch dann kam die Starnbergerin kurz vor dem Ziel von der Ideallinie ab, musste einen Umweg fahren und büßte Zeit ein: Mit zwei Zehntelsekunden Rückstand schwang sie am Ende ab. „Es ist ein bisschen ärgerlich mit der Zielkurve“, sagte Weidle-Winkelmann nach dem Rennen im ORF und fügte hinzu: „Das schmerzt natürlich ein bisschen.“

Delago-Schwestern feiern Fabelleistung

In dem Sektor habe sie 26 Hundertstelsekunden verloren, sagte Weidle-Winkelmann. „Ich habe schon während der Fahrt geflucht“, so die Starnbergerin im ORF-Interview. Der Patzer hatte ihr den Sieg gekostet und Delago hingegen jubeln lassen. Für die Italienerin war es der allererste Weltcup-Triumph. Schon im Training hatte sich Delago mit einer Bestzeit in die Topfavoritinnen-Rolle begeben, die 30-Jährige fühlt sich auf der Strecke sichtlich wohl.

Auch ihre Schwester Nadia konnte mit ähnlichem Fahrstil und Startnummer 29 beweisen, wie wohl sich die Geschwister in Italien fühlen. Sie wurde überraschend Zehnte – 1,15 Sekunden hinter ihrer älteren Schwester. Im Ziel fielen sich die Delago-Schwestern in die Arme und feierten ihr grandioses Familienergebnis.

Weidle-Winkelmann in Top-Form

Trotz des ärgerlichen Fehlers am Samstag zeigte Weidle-Winkelmann, wie stark ihre Form wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo ist. Weidle-Winkelmann hatte schon im Dezember in Val D’Isere ihre erste Podiumsplatzierung nach fast drei Jahren gefeiert. Sie zeigt grandiose Trainingsläufe und schafft es nun diese Leistung auch im Wettkampf abzurufen. „Ich bin happy, dass der Speed wieder da ist, dass mein Skifahren wieder so ist, wie ich es mir vorstelle“, zeigte sich Weidle-Winkelmann im ORF zufrieden mit ihrer aktuellen Form.

Auch Emma Aicher bewies in Tarvis, dass mit der Allrounderin immer zu rechnen ist: Der DSV-Youngster spielte ihre Gleit-Künste aus und landete am Ende auf dem fünften Platz. „Es ist ganz okay“, sagte Aicher zum Ergebnis auf der Strecke. „Ich weiß es geht besser. Aber ich bin zufrieden.“

Tarvis ist Neuland für die Speed-Fahrerinnen

Nach 15 Jahren ist der Frauen-Weltcup wieder für Speed-Rennen nach Tarvis zurückgekehrt. Für viele der Athletinnen, die am Samstag am Start waren, war die Strecke im italienisch-österreichisch-slowenischen Dreiländereck komplettes Neuland. Nur Routinierin und Comeback-Queen Lindsey Vonn und die Italienerin Elena Curtoni kennen die Speed-Strecke schon von den Rennen in den Nuller-Jahren.

Tarvis stellte sich als Paradies für Gleiterinnen heraus – wer die Stöcke unter die Achseln klemmte und in die tiefe Hockeposition ging, wer die Ski flachstellte, war hier schnell. Am Sonntag findet auf der gleichen Strecke noch ein Super-G statt, bei dem auch Weidle-Winkelmann und Aicher wieder am Start stehen.