Weiterhin bei zwei Prozent: EZB lässt Leitzins trotz Inflationssorgen unangetastet

Weiterhin bei zwei ProzentEZB lässt Leitzins trotz Inflationssorgen unangetastet

19.03.2026, 14:51 Uhr

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Die Europäische Zentralbank hält an ihrem abwartenden Kurs fest. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Durch den Iran-Konflikt und die Sperrung der Straße von Hormus für die meisten Schiffe steigen die Ölpreise massiv und lösen starken Inflationsdruck aus. Die Europäische Zentralbank ändert den Leitzins jedoch nicht.

Trotz Ölpreisschock und drohender Inflationsgefahr hält die EZB ihr zinspolitisches Pulver trocken. Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beließ den Einlagensatz bei 2,0 Prozent. Über diesen Leitzins steuert die Europäische Zentralbank (EZB) maßgeblich ihre Geldpolitik. Es ist bereits die sechste Zinspause in Serie.

Angesichts gesunkener Inflationsgefahr hatte die EZB den Schlüsselsatz von Mitte 2024 bis Mitte 2025 von vier auf zwei Prozent halbiert. Obwohl die Teuerungsrate zuletzt noch knapp unter der Zielmarke der EZB lag, sind die Notenbanker auf der Hut: „Der EZB-Rat ist bereit, alle seine Instrumente im Rahmen seines Mandats anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert“, teilten die Währungshüter mit. Dabei lege man sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.

Der Ende Februar ausgebrochene Irankrieg hat die Energiekosten in die Höhe getrieben und schürt die Angst vor einer neuen Inflationswelle. EZB-Chefin Lagarde machte bereits klar, dass man alles Nötige tun werde, um die Teuerung im Zaum zu halten. Auch Bundesbankchef Joachim Nagel betonte jüngst, dass die EZB keine neue Inflationswelle zulassen werde.

Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut sagte: „Die EZB hat beim letzten vergleichbaren Angebotsschock 2021/2022 zu lange abgewartet und dafür viel Kritik einstecken müssen. Der EZB-Rat wird diesen Fehler kein zweites Mal begehen wollen. Auch wenn heute noch kein Zinsschritt erfolgt ist, wird das Trauma von 2022 nachwirken und ein frühes Einschreiten gegen den Inflationsanstieg begünstigen. Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch.“

Höhere Inflation erwartet

Die Ökonomen der EZB erwarten angesichts der mit dem Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise eine deutlich höhere Inflation in diesem Jahr. Die Verbraucherpreise in der Währungsunion dürften um durchschnittlich 2,6 Prozent zulegen, heißt es in den veröffentlichten vierteljährlichen Berechnungen. Damit wurde die Dezember-Prognose von 1,9 Prozent deutlich angehoben.

„Ursächlich dafür ist, dass die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden“, hieß es zur Begründung. Im kommenden Jahr soll die Teuerungsrate mit 2,0 (bisher: 1,8) Prozent dem Zielwert der EZB entsprechen, für 2028 werden nun 2,1 Prozent erwartet.

Die Ökonomen senkten zugleich ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Im laufenden Jahr soll es nur noch zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen. Bislang war mit 1,2 Prozent gerechnet worden. Im kommenden Jahr soll dann ein Wachstum von 1,3 Prozent herauskommen, 2028 von 1,4 Prozent. „Dies bedeutet, insbesondere für 2026, eine Abwärtsrevision, in der sich die globalen Auswirkungen des Krieges auf die Rohstoffmärkte, die Realeinkommen und das Vertrauen widerspiegeln“, hieß es.

Quelle: ntv.de, rog/rts