Wehrdienst: Wenn sich das eigene Kind freiwillig verpflichtet – Gesellschaft

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen Ihr Kind sagt, dass es freiwillig zur Bundeswehr will? Als mir mein Sohn vor zwei Jahren offenbarte, er wolle den Wehrdienst leisten und sich anschließend als Zeitsoldat verpflichten, war ich erstmal schockiert. Damit hatte ich nicht gerechnet. Er war damals 19 Jahre alt, hatte ein Studium begonnen, die Welt stand ihm offen. Ich fragte mich: Wieso Soldat? In diesen Zeiten! Die Vorstellung, er müsste eines Tages in einen Krieg ziehen, machte mir schrecklich Angst. In diesem Text teile ich meine Gefühle und Erfahrungen als Soldatenmutter (SZ Plus).

Seit der Artikel vergangene Woche erschienen ist, bekomme ich so viele Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern wie noch nie. Es sind mitunter sehr bewegende Briefe, die in meinem Postfach landen. Viele von Müttern in ähnlichen Situationen. Aber auch Männer haben mir geschrieben – Väter, Erzieher, Reservisten, Offiziere, ein Professor für Straf- und Völkerrecht. Mit Ausnahme eines ehemaligen Offiziers, der mir in sehr forschem Ton eine „tendenziös negative Art und Weise der Berichterstattung über die Bundeswehr“ vorwirft, äußern sich alle freundlich und recht emotional. Das freut und bewegt mich sehr. Doch noch mehr berührt mich ein Satz, der sich in nahezu allen Zuschriften mehr oder weniger gleich formuliert findet: „Vielen Dank an Ihren Sohn! Dass er bereit ist, sich für uns einzusetzen.“

Als Mutter habe ich mich inzwischen mit der Berufswahl meines Sohnes arrangiert und bin stolz darauf, dass er seinen Weg geht. Kinder entwickeln sich eben nicht immer so, wie wir Eltern uns das vorstellen und wünschen, wie in diesem Text (SZ Plus) – ebenfalls aus der Sicht einer Mutter – treffend beschrieben. Dass aber wildfremde Menschen das Engagement meines Sohnes derart wertschätzen – damit habe ich nicht gerechnet. Das nimmt die Sorgen nicht, aber sie fühlen sich ein kleines bisschen leichter an. Ich habe all den Dank selbstverständlich direkt weitergeleitet…

Falls auch Sie sich Gedanken machen zum neuen Wehrdienst: In diesem Artikel finden Sie alle wichtigen Informationen. Ans Herz legen möchte Ihnen außerdem diesen Text zweier SZ-Volontäre, die sich mit einem Gesellschaftsjahr als Alternative zum Wehrdienst auseinandergesetzt haben.

Ein schönes Wochenende wünscht,

Carolin Fries