
Auch in der neunten Woche im Mannequinolymp Germany’s Next Topmodel sucht der modebrancheninteressierte Edelfan Laufstegjobs vergebens. Während in den vergangenen Jahren Auftritte auf der Berliner Fashion Week zum Stamminventar gehörten und es gelegentlich sogar jemand auf die Fashion Week Paris schaffte, bleibt die Modewochenküche dieses Jahr kalt.
Dafür steht die Junkfood-Küche in Flammen: Los GNTM-Wochos bei McDonald’s! In der Juniormodel-Tüte gibt es heute den McCasting. Allerdings, da ist der Rindfleischscheibengriller knallhart, nicht für alle 16 verbliebenen Kandidaten. Fast Food relevant sind offenbar nur Marlene, Ibo, Tony, Daphne, Anna, Alexavius, Yannick und Anika.
Auf dem 12-Stunden-Flug von Los Angeles nach München sprudelt erwartungsgemäß die Vorfreude aus den auserwählten HappyMeal-Kandidaten. Daphne beispielsweise ist Groupie der ersten Stunde: „Ich habe tatsächlich meinen ersten Geburtstag bei McDonald’s gefeiert!“ Auch Fan, eher jedoch auf unerfüllter Basis, ist Anna: „Ich habe ein Trauma, weil meine Mama früher immer gesagt hat, wir gehen nicht zu McDonald’s, wir haben Burger zu Hause!“

Ganz andere Erinnerungen bringt Alexavius mit: „Ich war mal feiern mit 16 und habe danach nackt einen Filet-o-Fish im Bett gegessen. Das war eine Out-of-this-World Experience!“ Natürlich. Wer würde sich nicht in eine andere Welt wünschen, wenn er nackt mit Kater in seinem Schlafzimmer aufwacht – und alles stinkt nach Alaska-Seelachs?
Im „Wirtshaus zum Goldenen M“, wie Ü50 Borkum-Urlauber den Burger-Giganten gerne nennen, müssen die acht Ritter der Schnelltafelrunde ihren eigenen McDonald’s Moment als Werbe-Reel inszenieren. Für Daphne kein Problem: „Die Aufgabe fand ich easy, die ist mir sehr natürlich vorgefallen!“ Gut so, denn das Nacktshooting zuvor war ihr eher sehr unnatürlich vorgefallen.
„Ich habe die Kamera gut gehalten!“
In den USA leben 50 Prozent der Bewohner keine drei Autominuten von der nächsten McDonald’s-Filiale entfernt. Deutlich weiter weg befindet sich Yanneck. Sein Talent für kreative, spontane Kurzvideos ist etwa vergleichbar mit dem von Markus Söder als Foodblogger. Bereits sein Spirit Animal Angela Merkel wusste: Das Internet ist für uns Neuland. So auch für Yanneck. Er präsentiert schließlich ein beinahe drei Minuten langes Video. Darin ist hauptsächlich zu sehen, wie er schweigend über einen Parkplatz läuft, während aus dem Hintergrund jemand panisch Regieanweisungen gibt. Ich habe auf einer Nachtzug-Fahrt von Berlin nach Paris mal versehentlich acht Stunden lang das Innere meiner Handtasche gefilmt. Das war spannender.
Entsprechend unzufrieden ist die dreiköpfige Kundenjury. Entsetzter hätte das Fast-Food-Marketingtrio nur geguckt, wenn plötzlich Ralf Schumacher neben Yanneck gestanden und ihn gefragt hätte, ob er wissen will, wie viel sein Auto wert ist. Dieses Fremdscham-Level ist selbst ProSieben peinlich – und da liefen schon Formate wie „Die Alm“ oder „Forsthaus Rampensau“. Reflexartig rettet sich der Quoten-Sitzriese in einen Werbeblock. Da sprechen D-Promis mit sonorer Stimme zusammenhanglose Sätze in ein leeres Studio. Eine Baumarkt-Werbung, die vermutlich von Yanneck konzipiert wurde. Der zeigt sich selbstkritisch: „Ich bin kein guter Team-Partner, aber ich habe die Kamera gut gehalten!“

Den Job ergattern Anna und Ibo. Ibo verrät: „Meine Geschwister essen jeden zweiten Tag bei McDonald’s“. Kein Wunder. Gesunde Ernährung wird auch zeitgeistharmonisch immer relevanter. Anna fühlt sich nun zu Höherem berufen: „Es fühlt sich supergut an, es macht mega viel Spaß – ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass das vielleicht meine Zukunft ist!“ Leider gibt es nur sehr wenige Jobprofile, für die man professionell paniertes Presshuhn verspeisen muss.
„Hast du an der Tankstelle schon mal negative Erfahrungen gemacht?“
Um die Zusatzkalorien gleich wieder abzuarbeiten, heißt es im Anschluss: Schwitzen. Nicht auf Fitnessgeräten, sondern vor der versammelten Boulevard-Elite. Ein Tratsch-Quintett aus leitenden Angestellten von Gala, taff, Bunte, Bild und einem Podcast will kontrollieren, was Christian Düren den Neumodels beigebracht hat. Frauke Ludowig hatte wohl keine Zeit. Ihre Outfits aufeinander abgestimmt haben die fünf Chefreporterinnen von der Zankstelle nicht. Es dominieren hartpinke Oversized-Sakkos, die zuletzt im Sommer 2011 en vogue waren.
Es folgen einige indiskrete Fragen zum Unfalltod von Julias Freund und zu Boureimas Arbeitsplatz: „Du arbeitest ja an der Tankstelle, hast du da mal negative Erfahrungen gemacht?“ Selbst bei GNTM wird also in der Spritpreiswunde gebohrt. Hätte man sich auch nicht träumen lassen, dass man sich mal Christian Düren zurückwünschen würde.
Antonia hat sich für die Pressekonferenz viel vorgenommen: „Ich komme aus Deutschland und Australien, also zwei verschiedene Kulturen, die in mich eine Personality herausbringen.“ Und einen eigenen Grammatikaufbau. Für Exklusivinterviews wählt die Bunte am Ende Julia. Die findet, das passt: „Die Bunte steht ja auch für Frauenpower“. Und da hat sie recht. Wenn ein Magazin für feministische Aufbauarbeit steht, dann die Bunte. Das Magazin, in dem es weitestgehend ausschließlich um die Outfits, das Aussehen, die Frisuren und die Affairen berühmter Frauen geht.

Die Bild und die Gala entscheiden sich hingegen für Anna. Die fällt aus allen Wolken, denn eigentlich dachte sie: „Ich habe keine interessante Geschichte und ich kann mir auch keine aus dem Arsch ziehen!“ Obwohl das zumindest ein Alleinstellungsmerkmal wäre. Im anschließenden Elimination-Walk zeigt sich darüber hinaus: Neben ihrem McDonald’s-Trauma schleppt Anna auch noch ein Konfetti-Trauma mit sich herum: „Konfetti könnte ablenken, ich könnte Konfetti ins Auge kriegen, auf Konfetti ausrutschen, also Konfetti kann schon gefährlich sein!“ Ich wäre gerne mal dabei, wenn sie abends aus Angst vor Abschminkpads ihr Badezimmer abriegelt.
Nach den Laufstegauftritten ist Anna die Favoritin der Gastjurorin Amelia Gray: „Sie ist einer der schönsten Menschen, die ich je gesehen habe!“ Na gut, sie kennt natürlich auch das McDonald’s-Video von Yanneck nicht. Heidi Klum schon, dennoch darf er bleiben. An seiner Stelle fliegt Nacktshooting-Versagerin Nana. Die verbliebenen 15 Kandidaten dürfen zur Belohnung endlich in eine echte Modelvilla ziehen. Von da melde ich mich dann kommende Woche. Bis dann!
