Was hat es mit dem Trend zum Balabonnet auf sich?

In ihrer langen Geschichte hat die Hutmode einige phantastisch klingende Begriffe hervorgebracht – Fedora, Trilby, Melone. Irgendwann waren diese Hutmodelle – so wie viele andere – dann selbst Geschichte. Der Hut auf dem Kopf als gesellschaftliche Gepflogenheit hat schon im vergangenen Jahrhundert ausgedient. Heute gilt: Wenn Kopfbedeckung, dann mit Funktion. Da wäre die Cap, die vor den ersten Sonnenstrahlen schützt und allein deshalb immer beliebter wird – am besten mit welterklärendem Begriff vorne drauf. Der Suhrkamp-Verlag hat passenderweise zu seiner Theaterbuchreihe soeben eine kleine farblich passende Kappenkollektion herausgebracht. Auf einer steht „Komödie“, auf einer „Tragödie“, auf einer dritten „Drama“.

In einigen Teilen Deutschlands konnte man solche Kappen in den vergangenen vorfrühlingshaften Tagen schon aufsetzen, ohne dass die Ohren kalt wurden. In anderen herrscht Eiszeit. Dieser Winter verschont die einen und ist mit den anderen unbarmherzig. Statt Cap braucht es da einen Bonnet, die schlichte Strickmütze. Hält warm, ist kein Fehler.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Der Trendentwurf dieser Tage ist allerdings ein wenig verfeinert. Es handelt sich um eine Haube, die im Nacken zu knoten ist. Das Vorbild ist Rotkäppchen, auch an die Nachtkappe der Großmutter in dem Märchen kann man sich beim Anblick mancher dieser Strickhauben erinnert fühlen.

Einen Fachausdruck gibt es auch schon, Balabonnet. Bei dem Teil handelt sich um eine modische Kreuzung aus der Balaclava-Sturmhaube, die seit einigen Jahren winters auch aus feinem Kaschmir zu haben ist, und dem Bonnet, eben der schlichten Strickmütze. Das Balabonnet passt in diesen Winter, in dem Schals so winzig wie Halstücher sind und entsprechend viel geknotet wird. Und gestrickt. Auch zum Balabonnet existieren, ähnlich wie zum Foulardschal, diverse Strickanleitungen online. Fertigmodelle haben Zalando, Asos und Urban Outfitters und die junge Marke Zellweger Warmwear aus Berlin, die bei Minusgraden ihren Anspruch mit Produkten aus 100 Prozent Kaschmirwolle einzulösen versucht.

Ein Plus dieser Trendmodelle: Im Gegensatz zum klassischen Bonnet verrutscht beim Balabonnet nichts. Dieses Mützenmodell hält warm und macht was her, der Schleife unterm Kinn sei Dank. Damit hat das Balabonnet im Vergleich zur klassischen Strickmütze und zur Kappe nur einen Nachteil: Die meisten Männer wird es winters nicht weiterbringen. Es sei denn, sie wollen aussehen wie der böse Wolf, der sich in dem Märchen als Großmutter verkleidete.