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Der Iran-Krieg hat weltweite Folgen. Auch norddeutsche Schifffahrts- und Logistikunternehmen sind von Auswirkungen betroffen. Der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammern Nord, André Grobien, sagte, die Störungen im Schiffsverkehr führten zu steigenden Transportkosten und längeren Lieferzeiten. „Für die stark exportorientierte und logistikgeprägte Wirtschaft im Norden ist das unmittelbar spürbar.“
Bisher hat die Iran-Krise laut dem Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) wenig Auswirkungen auf diesen Bereich. Eine zunehmende Verdichtung internationaler Krisen und geopolitischer Spannungen betreffe grundsätzlich auch globale Lieferketten und könne kurzfristig Auswirkungen auf Warenverfügbarkeiten haben, so der Präsident des Bundesverbandes, Dirk Jandura.
„Mit Blick auf die aktuelle Krise im Iran sehen wir jedoch, dass die deutsche Wirtschaft bislang noch nicht in gravierendem Maße betroffen ist.“ Weitere Einschränkungen zentraler Handelsrouten wie der Straße von Hormus sieht der Verband allerdings mit Besorgnis.
Einzelne punktuelle Auswirkungen hat der Verband laut Jandura im Blick: „So kann es beispielsweise im Blumen-Großhandel durch die Unterbrechung wichtiger Flugrouten aus Afrika über Dubai zu Verknappungen und in der Folge zu möglichen Preisanstiegen, besonders im Bereich der Rosen, kommen. Nach derzeitigem Stand bleiben solche Effekte jedoch auf einzelne Segmente begrenzt“, so der Großhändler.
Der Groß- und Außenhandel habe in den vergangenen Jahren seine Strukturen konsequent diversifiziert und flexibilisiert. Diese Anpassungsfähigkeit sorge dafür, dass Waren auch unter schwierigen geopolitischen Rahmenbedingungen dorthin gelangen, wo sie benötigt werden. „Unabhängig von der wirtschaftlichen Bewertung sind unsere Gedanken bei den Menschen vor Ort. Wir hoffen sehr, dass die Krise bald beendet werden kann und sich die Lage nachhaltig stabilisiert.“
Der internationale Seehandel ist derzeit gestört. Am Persischen Golf ist die Straße von Hormus praktisch gesperrt. Tanker kehren an der Meerenge um, wie die Schifffahrts-Analysefirma Windward berichtet.
Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Straße von Hormus. Jede Störung kann Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.
In der Nähe des Konfliktgebiets befinden sich weitere wichtige Seehandelsrouten. Besonders wichtig für die Containerschifffahrt ist das Rote Meer, durch das in Friedenszeiten Containerschiffe fahren, um Waren von Europa nach Asien zu bringen – und zurück.
Windward zufolge haben Anhänger der Huthi-Miliz angekündigt, Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer wieder aufzunehmen. Ist das Rote Meer nicht sicher, müssen Reedereien den weiten Umweg um die Südspitze Afrikas nehmen.
Die Schifffahrtsunternehmen stellen Fahrten ein und ändern Routen.
Die nach Transportmenge weltgrößte Containerreederei Mediterranean Shipping Company informierte Kunden darüber, dass sie Buchungen in der Region aussetze. Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd und die dänische Reederei Maersk haben mitgeteilt, die Straße von Hormus nicht länger zu durchfahren.
Maersk fährt demnach auch nicht länger durch die Meerenge am südlichen Ende des Roten Meeres. Maersk schickt seine Schiffe wie die französische Reederei CMA CGM stattdessen um die Südspitze Afrikas.
Die Auswirkungen des Krieges auf die norddeutschen Seehäfen sind schwer abzusehen. Die Deutsche Presse-Agentur hat mehrere Umschlagsunternehmen kontaktiert. Keines der befragten Unternehmen teilte mit, dass es akute Auswirkungen auf den Umschlag gebe.
Der Hamburger Hafenlogistiker HHLA teilte mit, das Unternehmen stehe im ständigen Austausch mit den Kunden. Ähnlich äußert sich der Hafenlogistiker Eurogate, der Terminals in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven betreibt. Ein Eurogate-Sprecher sagte, Auswirkungen auf den Umschlag ließen sich derzeit nicht bestimmen. Eurogate selbst unterhalte keine Geschäftsbeziehungen mit dem Iran und den Staaten der Golfregion.
Deutschlands einziger Tiefwasserhafen für den Containerumschlag, der JadeWeserPort in Wilhelmshaven, rechnet auch vorerst nicht mit Einschränkungen. „Die relevanten Containerreedereien umfahren die Region schon seit mehreren Monaten weiträumig“, teilte eine Sprecherin mit.
Der Krieg bereitet dem Sektor aber Sorgen. Die Branche rechne mit verschobenen Aufträgen, Stornierungen, Umwegen und dadurch höheren Transportkosten, sagte Eduard Dubbers-Albrecht vom Präsidium der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung.
Wie der Krieg den Ölumschlag in den deutschen Häfen beeinflussen wird, ist noch kaum absehbar. Als einer der größten Mineralölverbraucher weltweit ist Deutschland fast vollständig auf den Import angewiesen. Das Erdöl stammte zuletzt laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle vor allem aus den USA, Kasachstan, Großbritannien und Norwegen.
Wilhelmshaven ist Deutschlands wichtigster Importhafen für Rohöl. Allein an der Umschlagsanlage des Unternehmens Nord-West Oelleitung wurden 2024 rund 22 Prozent der Gesamtimporte des deutschen Rohöls angelandet – das entsprach einer Menge von rund 18,4 Millionen Tonnen.
Derzeit würden keine Ölmengen aus der Region am Persischen Golf umgeschlagen, teilte ein NWO-Sprecher auf Anfrage mit. Das sei auch nicht geplant. „Sollte es zu Versorgungsengpässen kommen, hält die Bundesrepublik Deutschland ausreichend Reserven vor“, teilte der NWO-Sprecher weiter mit.
Die Öllieferungen über den Rostocker Ölhafen sind nach Angaben des zuständigen Unternehmens aktuell nicht vom Iran-Krieg betroffen. Derzeit gebe es keine Auswirkungen, teilte der Geschäftsführer von Euroports Germany, Karsten Lentz, auf Anfrage mit.
Auch der Umschlag anderer Güter ist demnach nicht betroffen. Im Zusammenhang mit dem Umschlagsunternehmen bestehe kein Schiffsverkehr zwischen der betroffenen Region und Rostock.
Allerdings träfen auch sein Unternehmen Energiekostensteigerungen infolge der militärischen Eskalation mittelbar und unmittelbar. „Wir beobachten die Lage“, so Lentz.
