Was Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr verdienen

Mit einem groß angelegten Streiktag hat die Gewerkschaft Verdi am Montag den öffentlichen Nahverkehr in fast allen Bundesländern lahmgelegt. Trotz unterschiedlicher Tarif­for­de­run­gen und Verhandlungsstände in den Regionen wollte sie damit „ein klares Signal der Entschlossenheit“ senden, erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. Die Arbeitgeber „gefährdeten“ den Nahverkehr, da sie sich den Forderungen verweigerten.

Dass so ein Konflikt nötig sei, um mit besseren Bedingungen genügend Personal für den Nahverkehr zu finden, bestreiten die Arbeitgeber. „Bei der aktuellen Arbeitsmarktlage gelingt es – entgegen den Aussagen der Gewerkschaft Verdi –, mit den vorhandenen Entgeltstrukturen offene Stellen zu besetzen“, teilte etwa der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Bayern am Montag mit. Im Freistaat verlangt Verdi unter anderem 668,75 Euro mehr Monatslohn für alle Nahverkehrsbeschäftigten sowie eine Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 35 Stunden je Woche. Nach Berechnung der Arbeitgeber summiert die Forderung sich auf gut 26 Prozent. In den unteren Tarifgruppen mache die Lohnforderung 28 Prozent aus.

Grundgehalt, Zulagen, Zusatzrente

In anderen Regionen wie etwa Berlin erhob Verdi diesmal keine Lohnforderung, weil das noch nicht wieder geht: Der Tarifabschluss mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) von April 2025 mit Lohnerhöhungen von bis zu 20 Prozent läuft noch bis Ende 2026. Um dennoch an der Kampagne mitzuwirken, erhebt die Gewerkschaft daher andere Forderungen, darunter eine Arbeits­zeit­ver­kürz­ung von 37,5 auf 35 Stunden, mehr Urlaub, längere Pausen, höhere Zulagen und Verdoppelung des Urlaubs­gelds. Laut BVG würde all das etwas mehr kosten als der „historisch hohe“ Tarifabschluss von 2025. Die dafür nötigen 140 Millionen Euro pro Jahr seien mit zusätzlichen Mitteln aus dem Landeshaushalt aufgefangen worden. Doch nun gebe es für solche Wege „kaum Spielraum“ mehr.

Einen Eindruck von den Bedingungen für betroffene Beschäftigte gibt eine Anzeige, mit der die BVG derzeit um Straßenbahnfahrer wirbt: 3180 Euro Grundgehalt plus 225 Euro Verkehrsdienstzulage und Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit; zudem 2100 Euro Jahr­essonderzahlung, 500 Euro Urlaubs­geld und 80 Euro Dienstkleidungs­pauschale; die Zusatzrente des öffent­lichen Dienstes, ein Mit­arbeiter­fahr­ausweis und einige weitere Ver­gün­sti­gungen. Die Regel­wo­chen­arbeits­zeit beträgt 37,5 Stunden, der Urlaubsanspruch 30 Tage.

270 Euro München-Zulage

Eine ähnliche Grundstruktur hat das Angebot der Stadtwerke München für Tramfahrer in der Landeshauptstadt. Einschließlich einer München-Zulage von 270 Euro ergibt sich dort zusammen mit Schicht- und weiteren Zulagen ein Bruttomonatsgehalt von 3786 Euro vom dritten Dienstjahr an. Die jährliche Sonderzuwendung entspricht in Bayern jeweils dem Oktobergehalt. Mit der von Verdi nun geforderten Erhöhung käme dieser Tramfahrer von 2026 an auf 4450 Euro im Monat.

Wie auch in anderen Tarifbezirken folgte der Streik in Bayern unmittelbar auf das erste Treffen der Tarifparteien. Die KAV betont, dass sie gleich ein Angebot unterbreitet habe. Es umfasse ein Lohnplus von „mindestens fünf Prozent sowie zahlreiche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen“. Damit entspreche es den derzeitigen Tarifabschlüssen anderer Branchen. Verdi habe es „ohne inhaltlichen Austausch als nicht verhandlungsfähig abgelehnt“.

Etwas moderater gibt die Gewerkschaft sich in der Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder, auch wenn sie auch diese vor der entschei­den­den Verhandlung am 11. Februar mit Warnstreiks begleitet: Dort geht es um Lohnerhöhungen zwischen sieben und zwölf Prozent. In der Tarifrunde für Beschäftigte der krisengeplagten Chemieindustrie wäre die Gewerkschaft IG BCE schon mit einem Plus knapp über der Teuerungsrate zufrieden.