Kann schon sein, dass es in der Schule beginnt. Und dass es letztlich damit zu tun hat, dass Philosophie in Frankreich ein Pflichtfach ist. Dass also nahezu jeder französische Teenager, ganz gleich ob er Gärtner, Weinbauer oder Außenministerin werden möchte, im letzten Schuljahr verpflichtend drei Stunden pro Woche Texte von Aristoteles, Spinoza, Rousseau, Freud, Bergson, Kant und Simone de Beauvoir lesen muss. Natürlich nur in Auszügen und natürlich nimmt an diesen Stunden nicht jeder mit demselben Elan teil. Aber man kommt eben auch nicht drum herum. Man hat, bevor man in die Arbeitswelt entlassen wird, den Klang, den Ernst, die gedankliche Kühnheit dieser Texte im Ohr, während es in Deutschland jederzeit möglich ist, an die Spitze eines Dax-Konzerns aufzusteigen, ohne dass man je eine Zeile Philosophie gelesen hat, sodass man aus französischer Sicht als Deutscher quasi blind durchs Leben läuft.
