

Der kurze, aber äußerst wirkungsvolle amerikanische Einsatz in Venezuela war in jeder Hinsicht eine kühne Aktion. Militärisch war die Ergreifung Maduros in dessen Residenz eine bemerkenswerte Leistung. Trump und der US-Generalstabschef hatten recht, als sie auf ihrer Pressekonferenz in Florida darauf hinwiesen, dass kein anderes Land auf der Welt einen solchen Einsatz zustande gebracht hätte. Dass sie erkennbar froh waren, dass keine US-Soldaten getötet wurden, zeigt, dass ihnen das operationelle Risiko bewusst war.
Politisch ist der Sturz eines amtierenden Präsidenten ein noch größeres Wagnis, nicht zuletzt für einen Politiker wie Trump, der früher gegen Regimewechsel und „nation building“ wetterte. Er will nun sogar, dass Venezuela von den USA geführt wird, wenn auch nur für eine unspezifizierte Übergangszeit. Die amerikanische Geschichte ist reich an missglückten Versuchen dieser Art.
Also doch Bodentruppen?
Vor allem aber ist es wenige Stunden nach Maduros Sturz eine völlig offene Frage, wie Trump diesen Anspruch überhaupt durchsetzen will. Ein Telefonat seines Außenministers mit der neuen Präsidentin in Caracas dürfte jedenfalls nicht reichen, um das Regime von der Macht zu vertreiben. Es sitzt ja immer noch im Land.
Also doch Bodentruppen? Es fällt auf, dass Trump in dieser Frage ungenau blieb. Er wird wissen, was erhebliche Teile seiner MAGA-Bewegung davon halten würden. Dass er die Oppositionsführerin Machado nicht für geeignet hält, das Land zu übernehmen, spricht auch nicht dafür, dass man im Weißen Haus einen durchdachten Plan für Venezuelas Zukunft hat.
Die Monroe-Doktrin
Trotz alledem handelte es sich hier aus Trump Sicht offenbar um eine notwendige Demonstration US-amerikanischer Macht. Drogen, Öl und Gangs spielten eine wichtige Rolle im Vorgehen Trumps gegen Maduro. Aber in Europa unterschätzt man bis heute, wie stark der Präsident und seine Administration von dem Gefühl getrieben werden, dass die USA in den vergangenen Jahren rund um den Globus als geschwächte Macht wahrgenommen wurden.
Das gilt nicht zuletzt für den Hinterhof der Weltmacht. Die Wiederbelebung der Monroe-Doktrin, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, mag vielen Europäern merkwürdig vorkommen, aber Trump ist beileibe nicht der erste Präsident, der den Dominanzanspruch der USA in Lateinamerika mit Gewalt durchzusetzen versucht. Hier geht es nicht zuletzt um eine Botschaft an China, Russland und Iran, die mit Maduro zusammengearbeitet haben.
Maduro muss man keine Träne nachweinen. Er war ein Despot, der Venezuela heruntergewirtschaftet hat, Wahlen fälschte und für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich war. Auch in der EU hat man seine Herrschaft nicht anerkannt. Das Regime hat Millionen von Venezolanern in die Flucht getrieben, viele über Spanien auch nach Europa. Es wäre also auch im Interesse der EU, dass Venezuela tatsächlich ein freies und blühendes Land wird, wie Trump es verspricht.
