Warum Schokolade so teuer ist

Illustration: Felipe Gonzalez

Schneller Schlau

Warum die Schokolade so teuer ist – und wir sie trotzdem kaufen

Von SABINE BALK, Grafiken: FELIPE GONZALEZ, Datenrecherche: MATTHIAS JANSON (Statista)

9. Februar 2026 · Die Kakaopreise sind stark gestiegen und wieder gefallen, doch bei den Kleinbauern kommt wenig an. Für viele Deutsche bleibt die Süßigkeit trotz höherer Preise unwiderstehlich.

Nanu, schon wieder weg?! Was wie eine rein subjektive Feststellung am Ende des Genusses einer Tafel Schokolade klingt, hat nun einen realen Grund. Die Milka-Schokolade ist geschrumpft von 100 auf 90 Gramm, sieht aber genauso aus wie vorher. Dies brachte Milka in einer Wahl von Verbrauchern den ersten Platz als „Mogelpackung des Jahres 2025“ ein. Der Hersteller Mondelez hat die Tafel nicht nur kleiner gemacht, sondern auch teurer – statt 1,49 Euro nun 1,99 Euro. Das entspricht einer Preiserhöhung von fast 50 Prozent. Mondelez begründet diese neudeutsch genannte „Shrinkflation“ vor allem damit, dass die Kakaopreise extrem gestiegen seien.

In der Tat hatten die Preise des Rohstoffs Anfang Januar 2025 Rekordstände von über 10.000 Euro pro Tonne erreicht. Hauptgrund dafür waren Missernten in Westafrika, wo 60 Prozent des internationalen Kakaos   angebaut wird. Im Laufe des Jahres hat sich die Lage aber beruhigt, die Bohnenpreise sind wieder um die Hälfte gefallen. Mit rund 5000 Euro je Tonne liegen die Preise derzeit zwar immer noch über dem Niveau der vergangenen Jahre. Fraglich ist aber, ob sie einen derart hohen Preisanstieg  der meisten Schokoladenprodukte rechtfertigen.

Den Umsätzen der Hersteller haben die hohen Schokoladenpreise keinen Einbruch beschert. Die Süßwarenkonzerne Mondalez, Nestlé und Mars sind die größten Abnehmer von Kakao. Sie konnten ihre Umsätze in den vergangenen zehn Jahren steigern genauso wie Lindt und Sprüngli, ein Unternehmen, das alleine Schokoladenprodukte herstellt. Die Schweizer, die ebenso die Preise für Tafeln und Pralinen in den vergangenen Monaten signifikant angehoben haben, haben ihren Umsatz fast verdoppelt.

Ein Großteil des Kakaos für den Weltmarkt kommt aus der Elfenbeinküste und Ghana. Die beiden Länder bieten der Kakaopflanze im tropischen Regenwald perfekte Anbaubedingungen. Der kommerzielle Kakaoanbau wurde in der Kolonialzeit begonnen. Traditionell wird die Nutzpflanze dort dezentral von kleinbäuerlichen Familienbetrieben angebaut, obwohl die Menschen selbst dort kaum Schokolade essen. 
Das Einkommen der Kleinbauern ist seit jeher gering. Die Situation hat sich aber durch die steigenden Weltmarktpreise noch verschärft. In der Elfenbeinküste und in Ghana wird der Kakao – anders als etwa in Ecuador, Brasilien oder Peru – vorab zu einem festen Preis verkauft.
Als die Preise zu steigen begannen, hatten die Kleinbauern ihre Ernten schon zu einem niedrigeren Preis verkauft, der weit unter dem Weltmarktpreis zum Zeitpunkt der Ernte lag. Hinzu kam, dass sich die Erntemengen signifikant reduzierten, da das Wetterphänomen El Niño zu extremen Regenfällen führte. Die Erzeugerpreise gingen demzufolge zurück.

Bauern verdienten 2025 nur einen Anteil von 22 Prozent am Weltmarktpreis, während sie 2023 anteilig noch 55 Prozent bekamen. Ein weit verbreitetes Phänomen in der Landwirtschaft in Subsahara-Afrika ist Kinderarbeit. Das Forum Nachhaltiger Kakao geht davon aus, dass mindestens die Hälfte der Kinder aus Kakaobauernhaushalten in Ghana und der Elfenbeinküste kräftig mitarbeiten müssen. 
Konzerne wie Nestlé oder Mars haben das Armutsproblem ihrer Produzenten erkannt und suchen nach Lösungen. Nestlé bietet ein Programm an, bei dem Bauern gezeigt wird, wie sie ihre Erträge steigern können, etwa indem sie die Pflanzen richtig beschneiden. Nestlé betont, dass es auch im Interesse des Unternehmens sei, dass die Landwirte eine existenzsichernde Lebensgrundlage durch ihre Arbeit bekommen.
Hohe Preise und schlechte Bedingungen im Anbauland schrecken Konsumenten kaum ab – zu lecker ist der Rohstoff, wenn er erstmal durch die Zugabe von Zucker süß schmeckt.

Am meisten Schokolade essen die Amerikaner, die unangefochten auf Platz eins in der Welt stehen. Dort sind die Verkaufsumsätze doppelt so hoch wie in Großbritannien und Deutschland, die auf Platz zwei und drei folgen. Interessanterweise konsumieren die Russen auf Platz vier mittlerweile fast so viel Schokolade wie die Briten und Deutschen. Nach Russland folgt China auf niedrigerem Niveau, das aber im Vergleich eine riesige Bevölkerung aufweist. Die Lateinamerikaner und Asiaten scheinen keine großen Schokoliebhaber zu sein, ebenso die Afrikaner, die verschwindend wenig Kakaoprodukte kaufen. 
Warum uns Schokolade so gut schmeckt, dafür gibt es einfache und komplexere Antworten. Die einfache lautet, die Kombination aus Süße und Fett ist die angeborene, liebste Nährstoffkombination des Menschen. An  tiefgreifenderen Antworten arbeiten Wissenschaftler. Sie haben Stoffe in der Schokolade gefunden, die das Belohnungszentrum im Gehirn ansprechen. Auch die Textur der Süßigkeit, die ein einzigartiges Schmelzgefühl im Mund auslöst, kann süchtig machen. In der Tat gibt es Wissenschaftler, die Schokolade als Suchtmittel bezeichnen. 
Dies würden wahrscheinlich viele Menschen sofort unterschreiben. Dabei hat jeder seine eigenen Vorlieben.

Laut einer Umfrage essen die Deutschen aus dem Süßwarenregal am liebsten Toffife, Ferrero Küsschen und Lindt-Pralinen. In einer anderen Befragung aus dem Jahr 2025 gaben 55 Prozent der Deutschen an, in den vergangenen zwölf Monaten Kinder-Schokolade gegessen zu haben, 53 Prozent Duplo und 47 Prozent Milka-Schokolade, was beweist, die konkreten Vorlieben sind verschieden. 
Eine Geschmacksfrage ist wohl auch das Produkt des britischen Unternehmens Win-Win. Es stellt kakaofreie Schokolade her, um die ethischen und ökologischen Probleme der Kakaoproduktion zu vermeiden. Der Geschmack wird durch Fermentation von pflanzlichen Zutaten wie Gerste und Johannisbrot nachgebildet. Laut Herstellerangaben schmeckt und schmilzt das Nachahmerprodukt wie echte Schokolade. In Deutschland gibt es ein vergleichbares Produkt: „ChoViva“ einer Münchener Firma, die kakaofreie Schokolade aus Hafer und Sonnenkernen herstellt und die bereits im Handel erhältlich ist.