Warum ist die Politik von Trump & Co. so erfolgreich?

Gastbeitrag von Steffen Martus

9. Februar 2026 | Lesezeit: 5 Min.

Öffentliche Diskussionen tendieren seit einiger Zeit auffällig stark dazu, Politik ästhetisch zu beurteilen. Große Aufmerksamkeit liegt auf Phänomenen, die die Folge von formalen und nicht von inhaltlichen Entscheidungen sind. Den Stand der Dinge am „Tonfall“, an Ausdrucks- oder Verhaltensformen ablesen – aus ihrer traditionellen Heimat in Zeitungsfeuilletons ist diese Art der Beobachtung auch in den Politikteil gewandert. Dort wie in der gesamten gesellschaftlichen Debatte über Politik wird darüber nachgedacht, ob sich Parlamentarier „fein“ oder „unfein“ benehmen, ob in Bundestagsfraktionen während der Plenarsitzungen viel gelacht wird, ob Politiker es darauf anlegen, sich „anständig“ zu äußern, oder ob schlechter Benimm zum politischen Programm zählt. Entsprechend werden Stimmengewinne oder -verluste nicht mehr in erster Linie als Folge konkreter politischer Entscheidungen, sondern als Folge der „Tonlage“ und des „Regierungsstils“ von Politikern gedeutet. Die alte Idee, dass es sich bei Politisierung und Ästhetisierung um Alternativen handelt, hat ihre Plausibilität weitgehend eingebüßt.