Warten auf die E-Auto-Förderung: Händler beklagen zu langsame Auszahlung

Ab Mai sollen Kunden die neue E-Auto-Prämie von bis zu 6000 Euro beantragen können, sie gilt aber schon seit Jahresanfang. Das sorgt nicht für die erwartete Euphorie, sondern für Skepsis, beklagen Händler. Verbraucher seien misstrauisch, ob sie das Geld auch wirklich bekommen.

Autohändler blicken pessimistisch in das Jahr 2026 – und das trotz der zum Jahreswechsel angelaufenen E-Auto-Prämie der Bundesregierung von bis zu 6000 Euro. 42 Prozent der Betriebe rechnen 2026 mit sinkenden Umsätzen, nur jeder Fünfte erwartet eine Verbesserung. Das zeigt eine Umfrage unter 590 Händlern, die der Branchenverband ZDK kommende Woche veröffentlichen will.

„Die Ankündigung der Prämie hat unter den Händlern zunächst Euphorie ausgelöst. Doch jetzt brauchen wir eine schnellere konkrete Umsetzung“, sagt ZDK-Chef Thomas Peckruhn. Das Problem: Zwar gilt die Förderung für Autos, die seit Neujahr zugelassen worden sind. Doch eine Plattform zur Beantragung der Summe soll erst im Mai online gehen. Kunden müssen also darauf vertrauen, dass die Förderung wie von der Politik versprochen abläuft.

Doch dieses Vertrauen ist nach Beobachtung der Autohändler gestört. So lief 2023 der Umweltbonus recht plötzlich aus, sodass einige Käufer, die das Geld einkalkuliert hatten, leer ausgingen. „Die Kunden möchten jetzt sicher sein, dass sie das Geld auch bekommen“, sagt Peckruhn. Dennoch erwarten zwei Drittel der Händler zumindest leicht positive Wirkungen der Prämie – wenn sie komplett umgesetzt ist.

Drei Milliarden Euro stellt der Staat bereit. Die Summe soll für 800.000 Fahrzeuge ausreichen. Haushalte mit bis zu 90.000 Euro Jahreseinkommen erhalten je nach Fahrzeugtyp, Einkommen und Kinderzahl 1500 bis 6000 Euro Zuschuss zum Kauf oder Leasing eines Neufahrzeugs.

Einen Einfluss auf die Verkaufspreise hat der Markteingriff bislang nicht. Das zeigt eine Rabattstudie des Bochumer CAR-Instituts. Demnach lag der durchschnittlich gewährte Rabatt auf den Listenpreis bei Elektroautos in Deutschland im Februar wie in den beiden Vormonaten bei rund 19,5 Prozent. 

Werbung, die mit zusätzlichem Rabatt zum Start der Prämie lockt, schlage auf die realen Preise nicht durch: „Vereinzelt nutzen Autohersteller wie BYD, Dacia oder Tesla die Prämie in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, aber ein genereller Marktimpuls ist nach den Preisdaten weniger zu erwarten“, sagt CAR-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Das Risiko von Vertrauensverlusten und Enttäuschungen sei nicht auszuschließen, etwa wenn Käufer wegen der Prämie ein Elektroauto kaufen, aber im Nachgang einen Teil der Prämie selbst bezahlen müssen, weil Prüfungen zu anderen Ergebnissen kommen als schöne Werbesprüche.

Auch ZDK-Chef Peckruhn sieht eine deutliche Kaufzurückhaltung. Die Unsicherheit über die Beantragung der Prämie sei nur ein Grund. Viele Kunden warteten auf die angekündigten neuen Modelle in preisgünstigeren Segmenten wie den ID.Polo von VW, den Opel Corsa oder den Renault Twingo.

Weitere Verwerfungen bringen die Ankündigungen von Herstellern, Verbrenner länger anzubieten als ursprünglich geplant. „So bringt man die Leute zum Grübeln – und wer grübelt, kauft nicht“, sagt Peckruhn, der eine ostdeutsche Kette von Skoda-Händlern führt.

Eine generelle Skepsis von Kunden gegenüber Elektroautos sei jedoch nicht zu spüren. Laut der Umfrage sehen Händler vor allem den Verfall von Restwerten für Elektroautos, die hohen Verkaufspreise für E-Neuwagen und fehlende Ladesäulen in den Städten als Hindernis für die von der Politik betriebene Antriebswende. Zudem brauche es mehr Transparenz bei den Ladetarifen.

Noch hält der ZDK an seiner Prognose fest, dass die Zahl der Pkw-Neuzulassungen 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3,5 bis vier Prozent auf rund 2,95 Millionen steigt. Allerdings befürchten die Händler laut der Umfrage inzwischen einen Dämpfer durch die Konjunktur.

So gehen die Verkäufe von Firmenwagen spürbar zurück. Laut dem Kraftfahrtbundesamt ist die Zahl der Neuzulassungen im Januar um 6,6 Prozent gesunken.  Auch an den Reparaturen sparen die Kunden – sichtbar am schwächeren Werkstatt-Geschäft.

Peckruhn fordert, die Plattform zur Beantragung der Prämien möglichst schnell freizuschalten. „Es stehen drei Milliarden Euro bereit und werden nicht abgerufen“, sagt er. Dabei zeige sich in Verkaufsgesprächen, dass die Autohändler dank der Prämie Gebrauchtwagen-Interessenten davon überzeugen könnten, doch einen Neuwagen zu kaufen.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Christoph Kapalschinski berichtet als Redakteur über die Autoindustrie.