Wachstumsprognose halbiertExperten fürchten Konjunktureinbruch durch Iran-Krieg
31.03.2026, 12:22 Uhr
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Inflation rauf, Wachstum runter: Die Folgen des Iran-Kriegs könnten die deutsche Wirtschaft stark belasten. Das Wirtschaftswachstum sollte sich eigentlich in diesem Jahr erholen, jetzt halbieren die Experten Insidern zufolge ihre Wachstumsprognose.
Deutlich weniger Wachstum, dafür mehr Inflation: Die Folgen des Iran-Kriegs zwingen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute zu einer deutlichen Korrektur ihrer Konjunkturprognosen. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung erwarten sie für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 0,6 Prozent, wie mit den Zahlen vertraute Personen sagten. In der Herbstprognose wurde noch ein mehr als doppelt so starkes Plus von 1,3 Prozent erwartet. Für 2027 kappten die Ökonomen ihre Vorhersage ebenfalls deutlich, und zwar von 1,4 auf 0,9 Prozent.
Grund sind die Folgen des Iran-Kriegs, der die Energiekosten nach oben treibt. Die Institute rechnen dadurch auch mit einer deutlich höheren Inflation. Sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürften die Verbraucherpreise um 2,8 Prozent steigen. Bislang waren die Ökonomen nur von 2,0 und 2,3 Prozent ausgegangen. Bereits im März kletterte die deutsche Inflationsrate auf 2,7 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024.
Der seit knapp einem Jahr amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU hatte einen schnellen Wirtschaftsaufschwung versprochen. Er wollte dies sowohl mit staatlichen Investitionen aus dem schuldenfinanzierten 500-Milliarden-Euro-Sondertopf zur Modernisierung der Infrastruktur als auch mit Strukturreformen schaffen. Experten zufolge werden aber größere Teile aus dem sogenannten Sondervermögen zweckentfremdet, um Haushaltslöcher zu stopfen oder ohnehin geplante Projekte zu finanzieren.
Kaufkraft fließt ins Ausland
Größere Reformen sollen im Laufe des Jahres folgen, Merz hatte zunächst aber viele Expertenkommissionen eingesetzt. Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen verschlechtert – neben dem Nahost-Krieg auch mit höheren Zöllen der USA. Die erhofften Wachstumsraten von deutlich über einem Prozent dürften damit für die Regierung immer schwerer zu erreichen sein.
Durch die Inflation dürfte der private Konsum als Konjunkturmotor ausfallen. Dafür spricht auch, dass der Einzelhandel schon vor Beginn des Nahost-Kriegs am 28. Februar mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen hatte. Inflationsbereinigt fielen die Einnahmen im Februar um 0,6 Prozent zum Vormonat, nachdem es im Januar sogar ein Minus von 1,1 Prozent gegeben hatte. Das kommt überraschend: Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. „Besserung ist nicht in Sicht“, sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. „Da Energiepreise länger erhöht bleiben dürften, fließt Kaufkraft vorerst ins Ausland statt in heimische Läden.“
Nicht nur den Verbrauchern, sondern auch den Unternehmen machen die Kriegsfolgen zu schaffen. Neun von zehn Industriebetrieben in Deutschland sehen ihre Geschäfte durch den Iran-Krieg beeinträchtigt. Nur neun Prozent fühlen sich derzeit nicht betroffen, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts zeigt. „Der Konflikt trifft die Industrie unmittelbar, sorgt aber vor allem für große Unsicherheit“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Viele Firmen stellen sich auf zusätzliche Belastungen in den kommenden Monaten ein.“
Finanzielle Risiken und Energiepreise sind Kostentreiber
Zur Begründung nennen mit 78 Prozent die meisten Industrieunternehmen gestiegene Energiepreise. 36 Prozent betonen jeweils Einschränkungen bei Schifffahrtswegen und Lieferschwierigkeiten bei Vorprodukten und Rohstoffen. Eine Beeinträchtigung des Luftfrachtverkehrs befürchten 16 Prozent. Rund ein Viertel geht von einer abnehmenden Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten aus. Darüber hinaus weisen viele Firmen auf finanzielle Risiken hin, etwa durch unsichere Fracht- und Logistikkosten, steigende Versicherungsprämien oder erhöhte Zahlungsrisiken. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs bereits jetzt abzeichnen und sich über verschiedene Kanäle noch verstärken könnten“, sagte Wohlrabe. „Je länger die Unsicherheit anhält, desto größer werden die wirtschaftlichen Probleme für die Unternehmen.“
Aktuell diskutiert die schwarz-rote Koalition, welche Entlastungen am besten gegen hohe Energiepreise wirken könnten. Entscheidungen werden nach Ostern erwartet. Ein erstes Paket, das unter anderem Preiserhöhungen an Tankstellen auf ein Mal pro Tag begrenzt, gilt auch in der Regierung als nicht ausreichend.
Die Frühjahrsprognose dient der Bundesregierung als Basis für ihre neuen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Erstellt wird sie vom Essener RWI, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel, vom IWH in Halle und vom Berliner DIW. Offiziell vorgestellt werden soll die Prognose am Mittwoch in Berlin.
