VW findet sechs Milliarden Euro – Betriebsrat fordert Prämie für Beschäftigte – Wirtschaft

Eigentlich war man von VW zuletzt eher keine guten Nachrichten gewohnt. Wenn der Konzern per Pflichtmitteilung die Aktionäre informierte, hieß das in der Regel: Es läuft schlechter als angenommen. Doch die jüngste Ad-hoc-Meldung hatte überraschenderweise einen positiven Grund: Sechs Milliarden Euro waren, vereinfacht gesagt, plötzlich mehr in der VW-Kasse. Das zeigte der sogenannte Netto-Cashflow, eine Art Kassensturz, der angibt, wie viel Geld am Ende wirklich mehr (oder weniger) vorhanden ist. Gerechnet hatte mit dieser Summe offenbar niemand. Bei der Bilanz des dritten Quartals hatte es vom VW-Finanzchef Arno Antlitz noch geheißen, zum Jahresende rechne man mit Ebbe in der Kasse.

Doch ausgerechnet diese – eigentlich positive – Nachricht löste einiges an Trubel aus. Im Mittelpunkt stand vor allem die Frage, wie denn plötzlich sechs Milliarden Euro auftauchen können, mit denen keiner gerechnet hatte. Der neue Höhepunkt: Der VW-Betriebsrat will, dass auch die Beschäftigten von den Milliarden profitieren.

Dessen Vorsitzende Daniela Cavallo forderte am Dienstagabend eine sogenannte Anerkennungsprämie. Alle hätten gemeinsam „in Sachen Kostendisziplin“ abgeliefert, deswegen sei eine Prämie für alle Haustarifbeschäftigten „nur fair“, so Cavallo. So steht es in einer schriftlichen Stellungnahme, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die Prämie soll demzufolge im Mai gezahlt werden. In dem Monat wurde bei VW bisher traditionell der flexible Tarifbonus ausgezahlt, der in diesem Jahr entfällt. Die nun geforderte Prämie soll diesen Wegfall demnach ausgleichen. Außerdem sollen Cavallo zufolge auch die Beschäftigten in Sachsen berücksichtigt werden. Ob das gelingt – und falls ja, in welcher Höhe –, verhandelt nun der Betriebsrat.

Der Forderung des Betriebsrats vorausgegangen war die Berichterstattung der Bild, wonach VW-Vorstandsmitglieder durch die unerwarteten Milliarden doch noch einen Bonus bekommen könnten. Hätte der Cashflow wie erwartet bei null gelegen, hätten die Manager sicher kein Zusatzgeld erhalten, da andere für den Bonus wichtige Kennzahlen nicht erreicht wurden. Eine weitere mögliche Folge des Milliarden-Fundes: Der Konzern hätte wieder Mittel, um eine Dividende zu zahlen – was in erster Linie die Großaktionäre der Familien Porsche und Piëch freuen dürfte.

Die Frage ist nur: Woher kommen diese sechs Milliarden Euro plötzlich? „Die Dimension der Verbesserung kam in der Tat überraschend“, sagt selbst VW-Finanzchef Arno Antlitz in einem intern veröffentlichten Interview, das der SZ vorliegt. Die Summe sei ein „Resultat intensiver Kostenarbeit in den Bereichen der Vorleistungen – also bei Entwicklung und Investitionen – sowie bei dem Management unserer Lagerbestände“. Man habe sich noch genauer angeschaut, wo man Kosten sparen und Konzern-Synergien nutzen könnte. Oder, anders ausgedrückt: VW hat in den vergangenen Monaten effizienter gearbeitet. Die Anstrengung dafür habe man noch intensiviert, als die neue Zollpolitik in den USA feststand und damit klar war, dass auf den Konzern zusätzliche Kosten von etwa fünf Milliarden Euro zukommen würden.

Das große Sparprogramm, bei dem rund 35 000 Jobs bis 2030 abgebaut werden und in dessen Zuge die VW-Beschäftigten finanzielle Abstriche machen, zeigt also möglicherweise erste Wirkung. Wie nachhaltig das ist und ob sich auch das Konzernergebnis nach einem heftigen Gewinneinbruch von rund 58 Prozent in den ersten drei Quartalen 2025 wieder erholt, bleibt allerdings abzuwarten. Seine Jahresbilanz und den Ausblick für 2026 stellt VW erst im März vor. Im selben Monat sind übrigens auch Betriebsratswahlen. Eine mögliche Prämie für die Beschäftigten dürfte dann ein gutes Argument im Wahlprogramm der IG Metall sein.