Was bitte soll nach einem solchen Spiel als der besondere Moment hängen bleiben? Nach einem intensiven Schlagabtausch der beiden wohl besten Handballmannschaften, die der Erdball derzeit zu bieten hat. Dem Vergleich zweier Profi-Ensembles, die besser kaum zu besetzen sind, zwei Teams, die sich vornehmlich aus den Topspielern der vier EM-Halbfinalisten Dänemark, Deutschland, Island und Kroatien zusammensetzen – natürlich inklusive des aktuellen Welthandballers Mathias Gidsel vom Europameister Dänemark. Nach diesem hochklassigen Ringen um die deutsche Meisterschaft, das den erneuten und sehenswerten Beweis dafür erbrachte, dass es sich bei der Bundesliga um die beste Liga der Welt handelt – was die Fußballer nur allzu gerne von sich behaupten würden.
Der knappe 35:32-Erfolg des SC Magdeburg gegen die Füchse Berlin am Samstag bot Spitzenhandball über die gesamten rasanten 60 Minuten und erfüllte die hohen Erwartungen des Publikums vollumfänglich: aggressive und bissige Abwehrreihen, Torhüterleistungen auf höchsten Niveau, Tempohandball ohne Unterlass, garniert mit 68 sehenswerten Toren. Was also war der Moment der Partie?
Vielleicht der, als Magdeburgs Matthias Musche den Berliner Nationalspieler Nils Lichtlein zärtlich in die Arme nahm, um sich bei ihm zu entschuldigen. Kurz vorher hatte der Linksaußen des Gastgebers dem Berliner so ungeschickt in den Wurfarm gegriffen, dass man um die Unversehrtheit des Füchse-Spielgestalters bangen musste – inklusive kurzen Gerangels. Erst nahm Musche einsichtig nickend die rote Karte des guten Schiedsrichtergespanns entgegen, um sich auf dem Weg in die Kabine erneut zu Lichtlein auf der Berliner Bank zu begeben, um sich bei ihm zu entschuldigen. Großer Sport auch abseits des Spielfelds also und ein Beleg dafür, dass man sich auf dem Parkett zwar unnachgiebig, aber doch mit höchstem Respekt begegnet.
Berlins Chance auf Revanche: Beide Teams können im Pokal wie in der Champions League wieder aufeinandertreffen
Der Sieg des Champions-League-Siegers Magdeburg gegen den deutschen Meister Berlin war beste „Werbung für den Sport“, wie Gidsel und sein Trainer Nicolej Krickau trotz der Niederlage befanden: „Danke für dieses unfassbare Spiel“, sagte Krickau, in welchem „Magdeburg circa fünf Prozent besser“ gewesen sei. Neben großartigem Sport brachte die Partie auch eine Vorentscheidung im Titelrennen. Die Füchse haben nun als Dritter hinter Flensburg acht Punkte Rückstand auf den SCM, die SG einen weniger. Magdeburg wird sich diesen Bonus acht Spieltage vor Saisonschluss kaum mehr nehmen lassen.
Berlin bleibt immerhin die Aussicht auf Revanche. Beide Teams stehen nämlich im Halbfinale des deutschen Pokal-Wettbewerbs, mit besten Chancen auf den Finaleinzug, sowie im Viertelfinale der Champions League. In der europäischen Königsklasse könnte es die Wiederauflage des Vorjahresendspiels geben, das der SC in einem – natürlich – hochklassigen Finale 32:26 gewann, womit er Revanche für die um einen Punkt hinter Berlin verpasste Meisterschaft nahm.
Es wird also trotz der Vorentscheidung im Titelrennen weiterhin Spitzenhandball in der Bundesliga zu sehen sein, zumal in Flensburg, Gummersbach, Kiel und Lemgo weitere Topteams um einen der beiden Champions-League-Startplätze wetteifern. Spiele wie das vom Samstagabend, als auf Magdeburger Seite Kreisläufer und Abwehrchef Magnus Saugstrup mit neun Treffern herausragte. Berlins Bester war einmal mehr Welthandballer Gidsel mit elf Toren, darüber hinaus lieferten sich die Torhüter einen Kampf auf Toplevel. In Halbzeit eins nervte Berlins Dejan Milosavljev, serbischer Auswahlkeeper, die Gastgeber mit fünf gehaltenen Siebenmetern, in der Schlussphase sicherte Magdeburgs kroatischer Nationalkeeper Matej Mandic dem SC mit seinen Paraden den Sieg.
Es würde diesem Spiel indes nicht gerecht, einzelne Akteure herauszuheben, zumal Trainer Bennet Wiegert stellvertretend für die Magdeburger jede Gratulation zur Meisterschaft ablehnte. Kapitän Saugstrup immerhin gab zu, dass man es „jetzt schon in der eigenen Hand“ habe, Gidsel sah den Titelkampf gar als entschieden an. Der dänische Welt- und Europameisterschaft weiß allerdings nur zu gut, dass die Gelegenheit zur Revanche groß ist.

