Vier Tore in einer Halbzeit – Stuttgart führt Leverkusen vor

Leistungsträger in Leverkusen: Führich und Doppeltorschütze Leweling

Stand: 10.01.2026 22:24 Uhr

Bayer Leverkusen hat den Start ins Fußballjahr 2026 mächtig verschlafen. Ein eiskalter VfB Stuttgart überrannte die Werkself, die sich am Samstagabend im Topspiel der Fußball-Bundesliga insbesondere im ersten Durchgang völlig überfordert präsentierte.

Der VfB gewann beim 4:1 (4:0)-Auswärtssieg erstmals seit zwölf Partien wieder gegen die Werkself. Jamie Leweling (7. und 45. Spielminute), Maximilian Mittelstädt (29., Foulelfmeter) und Deniz Undav (45.+2) sorgten für den klaren Stuttgarter Erfolg. Alejandro Grimaldo betrieb mit seinem Ehrentreffer vom Elfmeterpunkt im zweiten Durchgang Ergebniskosmetik (66.).

Auch wenn der Sieg insgesamt wohl um ein Tor zu hoch ausfiel, setzten die Stuttgarter ein deutliches Zeichen im Kampf um die Champions-League-Plätze. Die Gäste schlossen nach Punkten zu Bayer auf (beide 29 Zähler) und kletterten zumindest vorübergehend auf den fünften Tabellenrang.

Stuttgarts Leweling: „Wir haben in der Halbzeit viel gelacht“

Es war ein sehr gutes Spiel gegen einen guten Gegner„, freute sich Matchwinner Leweling am Sportschau-Mikrofon.Wir haben in der Halbzeit viel gelacht, wussten selbst nicht so richtig, wieso es 4:0 steht. Wir haben hier oft verloren, viele enge Spiele – heute haben wir unsere Wut rausgelassen.“ Auch VfB-Trainer Sebastian Hoeneß war hochzufrieden: „Die ersten 30 Minuten waren wie aus einem Guss, das macht mich stolz.

Ganz anders die Stimmung bei Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand. Er sagte: „Wir haben es nicht gut gemacht.“

Stuttgart legt mit Volldampf los

Bei Leverkusen hatte kurz vor Spielbeginn Patrik Schick mit muskulären Problemen passen müssen. Weil Ersatz-Mittelstürmer Christian Kofane nach seinen Afrika-Cup-Einsätzen für Kamerun noch nicht wieder einsatzfähig war, blieb Bayer-Trainer Hjulmand wenig anderes übrig, als ohne echten Angreifer zu beginnen: Martin Terrier, eigentlich offensiver Mittelfeldspieler, bekleidete die vorderste Position.

Terrier und Co. waren allerdings von Beginn an mit Defensivaufgaben beschäftigt: Stuttgart erwischte einen überragenden Start ins Spiel. Eine frühe Großchance für Josha Vagnoman konnte Torwart Mark Flekken noch vereiteln (2.), kurz darauf musste der Niederländer aber hinter sich greifen. Nach einem Stuttgarter Ballgewinn bekam Deniz Undav viel Platz und nutzte diesen für einen feinen Steckpass auf Leweling. Der deutsche Nationalspieler ließ sich von Robert Andrich nicht einholen und spitzelte den Ball an Flekken vorbei ins Netz.

Leverkusens Belocian steigt zu ungestüm ein – 2:0 durch Mittelstädt

Leverkusen fand trotz des frühen Schocks nicht ins Spiel. Während die Hausherren Probleme hatten, sich nach vorne zu spielen, waren die Gäste hellwach und legten verdient nach. Vagnoman drang energisch in den Strafraum ein und wurde plump von Jaenuel Belocian gefällt. Schiedsrichter Felix Zwayer zeigte folgerichtig auf den Punkt, selbst der 20-jährige Franzose verzichtete auf jeglichen Protest. Mittelstädt schoss vom Punkt souverän zum 2:0 aus Gäste-Sicht ein.

Jeanuel Belocian bringt Josha Vagnoman zu Fall – es gibt Elfmeter

Leverkusen kam dann endlich besser in die Partie, verzeichnete über Enzo Fernandez eine erste Großchance, doch Stuttgarts Torwart Alexander Nübel reagierte stark (32.). Kurz vor dem Pausenpfiff schlug es allerdings noch mal bei Leverkusen ein – und das doppelt. Zunächst sah erneut Innenverteidiger Belocian nicht gut aus, der Leweling bei dessen wuchtigem Linksschuss ins kurze Eck zu viel Platz ließ.

Zwei Minuten später steckte der nach langer Durstrecke mal wieder extrem spielfreudige Ex-Nationalspieler Chris Führich auf Undav durch. Stuttgarts Stürmer schirmte den Ball vor dem Tor gegen Andrich clever ab und tunnelte Flekken bei seinem flachen Abschluss. 0:4 nach 45 Minuten – nur einmal in der Geschichte hatte Leverkusen noch höher hinten gelegen, beim 0:5 gegen die Bayern in der Saison 2021/22 (Endstand: 0:5). „Einer geht noch, einer geht noch rein“, tönte es aus der Gästekurve.

Leverkusen wechselt doppelt und steigert sich etwas

Zunächst ohne Treffer, aber weiterhin mit guten Torchancen begann auch der zweite Durchgang. Terrier schob den Ball aus kurzer Distanz am Tor vorbei (54.), Undav drosch den Ball auf der Gegenseite aus rund 18 Metern über das Tor (56.). Wiederum Leverkusen kam durch Joker Ernest Poku zu einer guten Konterchance (58.). Neben Poku hatte Hjulmand zur Pause nachvollziehbarerweise Loic Badé für den an diesem Tag neben sich stehenden Belocian gebracht.

Vor allem defensiv steigerte sich Leverkusen im zweiten Durchgang, vorne dauerte es bis zur Mitte des zweiten Durchgangs, ehe Bayer erstmals jubeln durfte. Jeff Chabot kam gegen Malik Tillman zu spät, wieder zeigte Zwayer korrekterweise auf den Punkt. Den Strafstoß verwandelte Grimaldo sicher.

Eine Wende lag aber nicht wirklich in der Luft, zu stabil präsentierten sich die Schwaben an diesem Tag. Immerhin aber korrigierte Leverkusen etwas das Ergebnis. Auch das Auftreten verbesserte sich: Der Werkself war anzumerken, dass man sich nicht kampflos ergeben wollte. Trotz der ordentlichen zweiten Halbzeit stand unter dem Strich aber eine klare Heimniederlage, die in dieser Form wohl die wenigsten erwartet hätten.

Leverkusen beim HSV, Stuttgart gegen Frankfurt

Leverkusen hat in der englischen Woche bereits am Dienstagabend beim Hamburger SV die Chance, den Fehlstart ins Fußballjahr zu korrigieren (20.30 Uhr). Stuttgart empfängt ebenfalls am Dienstagabend Eintracht Frankfurt (18.30 Uhr).