

Es gibt Ukrainer, die sich nicht für die bewundernswerte Widerstandskraft und die Opferbereitschaft loben lassen wollen, mit der ihre Nation seit vier Jahren ihre Freiheit gegen die russische Vollinvasion verteidigt: Man habe angesichts des Vernichtungs- und Unterwerfungswahns Putins doch gar keine andere Wahl.
Am digitalen Wirtshaustisch und sogar im Weißen Haus wurde und wird den Ukrainern aber noch ein anderer Weg empfohlen: sich dem Willen des Aggressors zu fügen, ihm die geraubten Gebiete zu überlassen, wenn nicht gleich noch ein paar mehr.
Oft heißt es bei den kriegsmüden Ratgebern: Ist nicht alles besser als Tod und Zerstörung? Das fragt und sagt leicht, wer nicht selbst das Joch tragen müsste, das er als das kleinere Übel ausgibt. Mit Putins Herrschaft kämen aber nicht Ruhe und Frieden in die Ukraine, sondern Terror und kulturelle Auslöschung. Putin will die Ukraine nicht „entnazifizieren“, er will sie entukrainisieren. Schon in Russland selbst wird gnadenlos verfolgt, vergiftet und vernichtet, wer gegen das Regime aufbegehrt. Die Ukrainer, die Putin so lange trotzen, hätten keine Gnade zu erwarten.
Dem könnten die noch freien und sich ihrer Werte rühmenden Europäer dann tatenlos zuschauen? Das dürften sie selbst dann nicht, wenn sie sicher wären, dass Putin sich mit der Ukraine zufriedengäbe. Doch ein Triumph dort würde ihn so wenig von weiteren Kriegsplänen abbringen, wie die Überlassung des Sudetenlands Hitler vom Überfall auf Polen abhielt.
Trump irrt sich – wie zuvor auch schon Berlin
Leider ignoriert der amerikanische Präsident die Lektionen der Geschichte. Der große Dealmaker im Weißen Haus glaubt offenbar, dass auch Putin lieber das Big Business mit Profiten für die Beteiligten machen würde, als später noch einmal über die Ukraine oder andere Länder herzufallen, um den Ruhm Russlands zu vergrößern.Eine ähnliche Fehleinschätzung hatte man sich auch schon in Berlin geleistet – und hatte für das große Gasgeschäft sogar noch eine zweite Pipeline gebaut. Auch diese Naivität hatte Putin nicht davon abgehalten, den schlimmsten und längsten Krieg in Europa seit Hitlers Feldzügen zu beginnen, sondern ihn wahrscheinlich auf seinem Kriegskurs sogar noch bestärkt.
Inzwischen wissen selbst ehemalige „Russlandversteher“, mit wem und was man es in Moskau zu tun hat. Das lässt die Europäer, abgesehen von Saboteuren wie Orbán und Fico, an der Unterstützung der Ukraine festhalten. Deutschland hat, seit Trump die Ukraine durch unterlassene Hilfeleistung und Kumpanei mit Putin in einen Diktatfrieden zwingen will, seinen ohnehin schon großen Beitrag sogar noch ausgebaut.
Das strategische Kalkül ist immer noch dasselbe wie zu Beginn des Krieges: Man will Putin nicht nur das Erreichen seiner Kriegsziele verwehren, sondern auch vor Augen führen, dass die Fortsetzung des Krieges Russland und damit seinem Regime mehr schadet als die Beendigung.
Was für Putin über Sieg und Niederlage entscheidet
Das glaubt der Kreml ausweislich des russischen Zeitspiels bei den Verhandlungen über einen Waffenstillstand nach wie vor nicht, obwohl schon Abertausende russischer Soldaten für Putins Wahn starben und auch die russische Wirtschaft unter dem Krieg und den Sanktionen leidet. Putin hält an seinem Kriegskurs fest in der für Diktatoren nicht untypischen Annahme, dass Kriege von demjenigen gewonnen werden, der den stärkeren Siegeswillen, die größte Skrupellosigkeit und die höchste Opferbereitschaft hat. In allem sieht er sein Regime dem „dekadenten“ Europa überlegen, auf das er so verächtlich herabschaut wie Trump und die Anhänger der beiden „starken Männer“.
Die Europäer müssten daher Putin viel stärker noch als bisher zeigen, dass sie nicht vor dem großrussischen Imperialismus zurückweichen, sondern ihm so unnachgiebig die Stirn bieten wie die Ukrainer. Truppen können die Europäer wegen Putins Eskalationsbereitschaft, des fehlenden Rückhalts in Washington und des vorhersehbaren Aufschreis in den eigenen Ländern nicht an die Front schicken. Doch könnten selbst jene Staaten, die knapp bei Kasse sind, den Ukrainern mehr und wirkungsvollere Waffen liefern als bisher, wenn sie es wirklich wollten.
Opfer bringen für die Ukraine?
Dann müssten in den Geberländern eben finanzielle Opfer dafür gebracht werden. Was?! Weniger Sozialstaat oder höhere Steuern zugunsten der Ukraine?! Da flüchtet selbst die Regierung Merz lieber in die Verschuldung, aus Angst, sonst die Unterstützung der Deutschen für die Unterstützung der Ukraine zu verlieren. Gänzlich unberechtigt ist diese Befürchtung nicht.
Mehr Freiheitsgeist und Wehrhaftigkeit stünde den Deutschen auch gut zu Gesicht, wenn es um die Verteidigung des eigenen Landes geht, zu der den Umfragen nach nur ein Bruchteil bereit wäre. Mit Defätismus schreckt man einen Aggressor wie Putin nicht ab. Nicht nur die Bundeswehr, die ganze Republik muss ihm zeigen, dass sie im Kriegsfall ihre Freiheit so tapfer verteidigen würde wie die Ukrainer.
