Dem Heimduell gegen die Eintracht verlieh Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß das „Prädikat Topspiel“. Diese Einschätzung traf der Fußballlehrer vor der Partie des 17. Bundesligaspieltags zwischen dem Tabellenfünften (VfB) und dem Siebten. Auch in der praktischen Ausführung trug das Aufeinandertreffen am Dienstagabend zu Recht dieses Gütesiegel, vor allem wegen der rassigen und spannenden Schlussminuten mit großem Unterhaltungswert.
Im Minutentakt ging es munter hin und her. Beim letztendlichen 3:2 (2:1) gegen Frankfurt waren die Stuttgarter die bessere Mannschaft, sie hatten die besseren Torchancen und verpassten ein noch besseres Ergebnis. In der 87. Minute gelang Nikolas Nartey der umjubelte Siegtreffer für den VfB. „Ich glaube, ich kann alleine zehn Tore schießen, wir hätten ganz entspannt 3:1, 4:1 gewinnen können“, sagte der starke Deniz Undav über ein „spektakuläres Spiel“ bei Sky.
Der Champions-League-Teilnehmer aus Frankfurt hatte besonders in der ersten Halbzeit heikle Situationen überstehen müssen, die Mannschaft fiel jedoch nicht auseinander. Einen Traumeinstand erlebte unterdessen Ayoube Amaimouni-Echghouyab. Nach seiner Einwechslung in der 77. Minute erzielte er drei Minuten später in seinem ersten Pflichtspiel das 2:2.
Beinahe hätte das den Hessen einen Punktgewinn beschert: Rasmus Kristensen brachte Frankfurt mit einem Kopfball (5. Minute) in Führung. Einen Fehler von Eintracht-Torwart Kaua Santos nutzte Ermedin Demirovic zum 1:1 (27.). Sein treffsicherer Teamkollege Undav schoss vor 59.500 Zuschauern in der Arena das 2:1 (35.). Am Ende folgte das Siegtor von Nartey. Die Schwaben haben nun sechs Punkte Vorsprung vor den Hessen.

Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche kritisierte nach dem Spiel in Stuttgart die Leistung der Eintracht-Defensive. „Wir müssen als Abwehrverbund eine viel bessere Abstimmung und Kompaktheit haben.“ Und weiter: „Jeder hat seine Aufgabe in der defensiven Struktur.“ Nicht jeder Frankfurter Profi aber hätte diese Aufgaben gut genug erfüllt, sagte Krösche, die Mannschaft sei zudem immer wieder zu sehr ins Risiko gegangen.
„Ich denke, dass wir uns auf Augenhöhe bewegen“, hatte Frankfurts Trainer Dino Toppmöller vor der Begegnung gesagt. Die Eintracht verpasste es jedoch abermals, gegen einen namhaften Vertreter der Branche einen Big Point zu landen. In der ersten Halbserie konnte sie gegen keinen Gegner aus den Top Fünf gewinnen. 1:3 hieß es in Leverkusen, 0:3 gegen die Bayern und 0:6 gegen Leipzig. Nur gegen Borussia Dortmund steht ein Remis in der Bilanz.

Toppmöller musste in Stuttgart gleich auf drei etablierte Spieler verzichten. Nathaniel Brown und Hugo Larsson plagte eine Erkältung. Außerdem fiel Can Uzun, der mit der Eintracht sein 50. Pflichtspiel verpasste, mit Zehenproblemen aus. Aurele Amenda und der vom Afrika-Cup zurückgekehrte Ellyes Skhiri standen für die Ausfälle in der Startformation. Neuzugang Arnaud Kalimenda gab zudem sein Startelfdebüt.
Ebnoutalib muss angeschlagen raus
Mit dem Franzosen und Younes Ebnoutalib schickte Toppmöller eine Doppelspitze ins Rennen. „Es ist auf jeden Fall erfreulich, dass unsere beiden neuen Stürmer in der halben Stunde, in der sie gegen Dortmund zusammen auf dem Feld waren, schon sehr gut harmoniert haben.“ Auch „von den Profilen her könnte es ganz gut passen“, hatte Toppmöller vor der Begegnung geurteilt. Weil sich Ebnoutalib wohl am Knie verletzte, konnten sie in Stuttgart aber nur 20 Minuten lang zusammenspielen.
Im Angriff rückte anfangs aber ein anderer Spieler in den Mittelpunkt: Rasmus Kristensen. Mit einem Kopfball, der nach einer Ecke von Ritsu Doan in hohem Bogen ins VfB-Tor ging, erzielte er in der fünften Spielminute das erste Tor der Partie. Der frühe Rückstand ging nicht spurlos am VfB vorbei, der zunächst Probleme hatte, Struktur in sein Spiel zu bringen.
Kurz darauf musste Ebnoutalib den Platz verletzungsbedingt verlassen. Julian Chabot hatte den Stürmer in einem Zweikampf am Knie getroffen. Für den Neuzugang aus Elversberg kam Jean-Matteo Bahoya ins Spiel. Der nächste Schreckmoment ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem Torwartfehler von Kaua Santos traf Ermedin Demirovic zum 1:1 (27.). Frankfurts Torhüter, behindert von Mitspieler Amenda, hatte einen Flankenball von Mittelstädt nicht zu greifen bekommen.
Die Eintracht verlor nun den Zugriff auf das Spiel. In der 35. Minute erhöhte Deniz Undav auf 2:1. Gegen dessen abgefälschten Schuss konnte Kaua Santos nichts ausrichten. Immerhin verhinderte er vier Minuten später im Duell mit Josha Vagnoman das 3:1. Der VfB kam dem nächsten Treffer nun öfter nahe, die verunsicherten Frankfurter und deren Verteidigung waren zu oft unsortiert. Unter dem Strich hinterließ auch Kaua Santos keinen allzu souveränen Eindruck. Zu Beginn der Halbzeitpause unterhielt sich Torwarttrainer Jan Zimmermann ein paar Minuten mit dem Brasilianer am Spielfeldrand, bevor beide in die Kabine gingen.
Am Anfang der zweiten Spielhälfte war Doan auf Frankfurter Seite ein Aktivposten. Mit seinem Schuss konnte er VfB-Torhüter Alexander Nübel aber nicht überwinden. Ein paar Minuten später landete der Schuss von Ansgar Knauff an der Latte des Stuttgarter Tores. Es wurde wieder unterhaltsam. So verpassten Chris Führich und Undav mit ihren Schüssen jeweils nur knapp das 3:1 für den VfB.
Seine bis dahin größte Rettungstat vollbrachte Kaua Santos, als er Undav in der 64. Minute den Weg zu dessen zweitem Treffer versperrte. Auch bei der Fußabwehr gegen den Schuss (83.) von Undav war Kaua Santos auf der Höhe, er steigerte sich nun deutlich. Den Stuttgarter Siegtreffer von Nikolas Nartey in der 87. Minute konnte er aber nicht verhindern. So verlor der 2:2-Ausgleichstreffer von Amaimouni-Echghouyab wieder an Bedeutung. Vor dem 3:2 wäre Kristensen beinahe die abermalige Führung für die Eintracht gelungen.
An diesem Freitag gegen Bremen tritt die Eintracht am ersten Rückrundenspieltag zum zweiten Auswärtsspiel in dieser Woche an. Das erste Aufeinandertreffen hatte sie 4:1 für sich entschieden – es war das bisher einzige Mal in dieser Runde, dass Frankfurt ein Spiel mit drei Toren Differenz gewann. Und was auch Hoffnung macht: Uzun, Brown und Larsson könnten wieder einsatzbereit sein. Außerdem soll Fares Chaibi nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup wieder zum Spieltagskader gehören.
