Verwicklung in Epstein-Fall: Wird Andrew aus Thronfolge ausgeschlossen?

Die britische Regierung erwägt ein Gesetz, das den ehemaligen Prinzen Andrew von der Thronfolge ausschließen würde. Ein solcher Schritt würde nach Abschluss der Ermittlungen gegen Andrew erfolgen, berichtet unter anderen der Fernsehsender BBC. Ein Ausschluss Andrews aus der Thronfolge würde angesichts dessen, dass dieser an achter Stelle der Thronfolge steht, allerdings nur bedingt Wirkung entfalten.

Vor ihm stehen aktuell Prinz William und dessen drei Kinder sowie Prinz Harry und dessen zwei Kinder. Nach seiner Festnahme am Donnerstag wurden die Rufe nach einem Ausschluss des Ex-Prinzen lauter.

Der Vorschlag der britischen Regierung folgt auf die Ankündigung Abgeordneter der Liberaldemokraten und der SNP, ein solches Gesetz unterstützen zu wollen, wie die BBC weiter berichtet.

Die Ermittlungen gegen Andrew dauern nach der Festnahme wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch derweil weiter an. Aufnahmen zeigen Polizeibeamte und schwarze Fahrzeuge am Freitag am Anwesen Royal Lodge auf dem Gelände von Schloss Windsor, wo der 66-Jährige bis vor kurzem gelebt hat. Andrew Mountbatten-Windsor steht im Verdacht, in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter vertrauliche Berichte an den verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben zu haben.

„Metropolitan Police“ prüft Londoner Flughäfen

Jetzt will die „Metropolitan Police“ auch die Funktion Londoner Flughäfen in Zusammenhang mit dem Epstein-Fall überprüfen. In einer am Freitagabend veröffentlichten Erklärung der Londoner Polizei heißt es: „Nach der weiteren Veröffentlichung von Millionen von Gerichtsdokumenten im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein durch das US-Justizministerium ist uns die Vermutung bekannt, dass Londoner Flughäfen möglicherweise zur Erleichterung von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung genutzt wurden.“

Anfang dieser Woche gaben bereits mehrere Polizeibehörden bekannt, dass sie Unterlagen über private Flüge zum und vom Flughafen Birmingham, Flughafen London Luton und Flughafen Stansted prüfen.

Polizei kontaktiert Personenschützer Andrews

Zusätzlich befragen die Ermittler offenbar ehemalige Personenschützer Andrews. Die Londoner Polizei „ermittle und kontaktiere ehemalige und aktive Beamte, die möglicherweise eng mit Andrew Mountbatten-Windsor in einer Schutzfunktion zusammengearbeitet haben“, heißt es in der Erklärung. Die Personenschützer seien gebeten worden, „sorgfältig zu prüfen, ob etwas, das sie während dieser Dienstzeit gesehen oder gehört haben“, für die Ermittlungen relevant sein könnte.

Gegen Andrew wird wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einer offiziellen Funktion ermittelt. Der frühere Prinz, der wegen seiner Beziehungen zu Epstein alle royalen Titel und Ehren verloren hat, war am Donnerstagmorgen an seinem 66. Geburtstag von der Polizei festgenommen und stundenlang festgehalten worden. Erst am Abend kam er wieder auf freien Fuß. Seither ist er in seinem neuen Zuhause auf dem Gelände von Schloss Sandringham in Ostengland abgetaucht, wohin er auf Geheiß von König Charles III. vor rund zwei Wochen umziehen musste.

Ermittlungen gegen Andrew erschüttern die Monarchie

Die dramatische Entwicklung erschüttert die britische Monarchie. Besondere Sorgen müssten dem Königshaus die vielen Unklarheiten und noch offenen Fragen in der Epstein-Affäre bereiten, sagte der Royal-Experte Ed Owens der Nachrichtenagentur AFP. König Charles III. hatte mit einer persönlich unterzeichneten Erklärung auf die Festnahme seines in Ungnade gefallenen Bruders reagiert und betont, das Gesetz müsse „seinen Lauf nehmen“. Den Ermittlern sicherte er erneut die volle Unterstützung des Königshauses zu.

Laut einem BBC-Bericht gab Andrew Epstein auch Hinweise zu möglichen Investitionsobjekten, die er auf seiner Reise gesammelt hatte. Er sei bei der Reise zudem von Epstein-Geschäftspartnern begleitet worden. Handelsgesandte sind laut offiziellen Richtlinien zur Verschwiegenheit über im Zusammenhang mit ihren Reisen erlangte Informationen verpflichtet. Bei einer Verurteilung wegen Fehlverhaltens in offizieller Funktion droht in Großbritannien bis zu lebenslange Haft.