Vertrag aufgelöst: Der neue Trainer Svetislav Pesic muss auf NBA-Zugang Spencer Dinwiddie verzichten – Sport

Für einen Basketball-Profi, der hierzulande seinem Beruf nachgeht, ist die sogenannte stade Zeit nicht existent. Denn zwischen den Jahren, wie der Zeitraum von Weihnachten bis Heilig Drei König gern bezeichnet wird, ist es in den professionellen Basketballligen alles andere als ruhig. Der FC Bayern beispielsweise durfte in der staden Zeit in Bundesliga (BBL) und Euroleague fünfmal antreten, am Mittwoch bereits gastiert der spanische Euroleague-Klub Vitoria-Gasteiz (20.30 Uhr) im Münchner SAP Garden, ehe nur zwei Tage später die Partie bei Olympiakos Piräus ansteht.

Dass es beim deutschen Meister zwischen den Jahren besonders turbulent zuging, hatte aber andere Gründe. Zunächst wurde die Schaffenszeit von Weltmeister-Trainer Gordon Herbert kurz vor Weihnachten vorzeitig beendet, nach acht teils hohen Niederlagen in der europäischen Eliteliga trennten sich die Münchner vom 66-Jährigen. Herbert gewann mit dem FCB 2025 den Titel, zog in die Play-ins der Euroleague ein, im Pokal allerdings scheiterte sein Team überraschend im Halbfinale am MBC. Zuletzt fehlte der Kanadier wegen einer Corona-Erkrankung und anhaltender Folgen mehrere Wochen, seine Mannschaft schlitterte unter Co-Trainer T.J. Parker (ist mittlerweile in seine Heimat Frankreich zurückgekehrt) in die Niederlagenserie.

Unter dem neuen Trainer Svetislav Pesic wurde die desaströse Niederlagenserie beendet – ohne Dinwiddie

Um eine schnelle Aufbruchstimmung zu entfachen, wurde in Svetislav Pesic ein Trainer installiert, der Verein und Umfeld wie kein Zweiter kennt. Mit Erfolg: Am 2. Januar wurde die desaströse Serie von neun Niederlagen hintereinander gegen Maccabi Tel Aviv gestoppt, nach einer nahezu „perfekten Leistung“, wie Altmeister Pesic vergnügt anmerkte. Der muss fortan allerdings ohne seinen prominentesten und vermeintlich besten Spieler auskommen, was die jüngste Volte im ohnehin geplagten Kader darstellt. Spencer Dinwiddie war aufgrund eines schweren familiären Krankheitsfalls in Absprache mit der sportlichen Leitung des Klubs kurz vor Weihnachten in die USA geflogen. Nun ist klar, dass er nicht mehr zurückkehren wird. Spieler und Verein haben den Vertrag, der bis Saisonende gültig war, in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst.

Ausgerechnet Dinwiddie, dekoriert mit 631 NBA-Partien für diverse prominente Klubs und einem Durchschnitt von 13 Punkten: Die Verpflichtung des 32-Jährigen war die Attraktion der Liga. Die Münchner konnten den Guard gegen mehrere Mitbewerber in Europa an die Isar locken, weil er kein für ihn ansprechendes Angebot aus der NBA erhielt. Die Preseason hatte er für die Charlotte Hornets absolviert, er kam also in bestem körperlichen Zustand. Doch so richtig wollte das Spektakel nicht zünden: Dinwiddie war zweifellos aus dem Stand einer der auffälligsten Spieler, den immensen Erwartungen konnte er in der Kürze der Zeit aber vor allem in der europäischen Eliteliga, in der viele ehemalige NBA-Akteure zugange sind, nicht gerecht werden. Zumal der US-Guard in der laufenden Saison kam und letztlich nur 16 Partien für die Bayern absolvierte. Dinwiddie punktete in Euroleague (11,7) und BBL (12,6) zwar im Schnitt auf Anhieb zweistellig, wirkte aber nicht so richtig in das Mannschaftsspiel der Münchner integriert.  Wofür sich auch Trainer Herbert verantwortlich fühlte, der zugab, die richtige Rolle für seinen Topzugang nicht gefunden zu haben – eine Aussage, die Sportdirektor Dragan Tarlac nicht gefallen wollte.

Bester Spieler der osteuropäischen VTB-League: Nenad Dimitrijevic, hier im Trikot von Olimpia Mailand, hat auch in der Euroleague reichlich Erfahrung gesammelt.
Bester Spieler der osteuropäischen VTB-League: Nenad Dimitrijevic, hier im Trikot von Olimpia Mailand, hat auch in der Euroleague reichlich Erfahrung gesammelt. (Foto: IPA Sport/Abacapress/Imago)

Nachfolger Pesic wird diese Suche nicht weiterführen können, hat aber von seinem Klub bereits Ersatz zur Verfügung gestellt bekommen: Combo Guard Nenad Dimitrijevic hat einen Vertrag bis Saisonende mit der Option auf ein weiteres Jahr unterschrieben. Der 27-jährige nordmazedonische Nationalspieler kommt von Zenit St. Petersburg, wohin er im Sommer von Olimpia Mailand gewechselt war. In der osteuropäischen VTB-League hatte er 2024 den Titel des wertvollsten Spielers bekommen, nun erhofft sich Sportchef Tarlac „Dynamik, Energie und viel Erfahrung“ von dem 27-Jährigen.

In der BBL bleiben die Bayern auch ohne Dinwiddie das Maß der Dinge; ob es nach den Turbulenzen unter Pesic nun zu der nötigen Aufholjagd in der Euroleague reichen kann, erscheint hingegen sehr fraglich. Eines könnte indes einkehren beim FC Bayern: etwas mehr Ruhe.