Es gibt nur wenige Designentwürfe, die so untrennbar mit ihrem Urheber verbunden sind wie der Panton-Stuhl. Und das nicht nur, weil er nach dem Mann benannt ist, der ihn gestaltet hat: Verner Panton. Der Stuhl ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts – und wäre beinahe nie in Produktion gegangen. Dass es den Stuhl dennoch gibt, ist einem anderen Mann zu verdanken, wie Verner Panton später oft betont hat: „Ohne Rolf kein Panton-Stuhl!“
Rolf Fehlbaum war Anfang 20, als er in das von seinem Vater Willi Fehlbaum gegründete Unternehmen Vitra einstieg. Die beiden reisten viel, auch um neue Entwürfe zu entdecken, die sich produzieren ließen. Auch Verner Panton stand auf ihrer Liste. Panton hatte schon Ende der Fünfzigerjahre die Idee zu einem freischwingenden Kunststoffstuhl entwickelt, nachdem er 1955 einen hinterbeinlosen Stuhl aus Sperrholz für Thonet entworfen hatte.
Rolf Fehlbaum war begeistert
Vater Willi Fehlbaum fand die Idee interessant, tat sie aber als nicht realisierbar ab. Sohn Rolf hingegen war begeistert. Und obwohl sich, wie Panton ihm sagte, schon 15 bis 20 Fabrikanten vergeblich an einer Umsetzung versucht hatten, begannen Rolf Fehlbaum, nachdem er sich die Erlaubnis des Vaters eingeholt hatte, und der Leiter der Produktentwicklung von Vitra, Manfred Diebold, von 1963 an nach einer Lösung zu suchen.

Nach fünf Jahren konnte endlich die Serienfertigung des Panton-Stuhls beginnen. Verwendet wurde zunächst ein Polyurethan-Hartschaum der Firma Bayer, danach ein von BASF entwickelter thermoplastischer Kunststoff, der noch stabiler sein sollte. Doch auch diese Plastikvariante wurde Verner Pantons und Rolf Fehlbaums Ansprüchen nicht gerecht. 1979 wurde die Produktion vorläufig gestoppt. Erst 1990 konnte sie wieder aufgenommen werden, nachdem ein bruchsicherer Polyurethan-Hartschaum entwickelt worden war. Seit 1999 gibt es den Klassiker auch aus durchgefärbtem (und inzwischen wiederverwertetem) Polypropylen.
Panton prägte das Goldene Zeitalter mit
Die Serienreife des in dieser Form bis heute produzierten und durchaus preiswerten Stuhls hat Panton nicht mehr erlebt. Der Däne, der am Freitag 100 Jahre alt geworden wäre, starb 1998 in Kopenhagen. Verner Panton zählt zu dem Kreis der berühmten dänischen Designer, die das sogenannte Goldene Zeitalter zwischen 1940 und 1960 prägten – unter ihnen Arne Jacobsen (für ihn arbeitete Panton als junger Mann), Finn Juhl, Poul Henningsen, Børge Mogensen, Jørn Utzon (der das Opernhaus in Sydney entwarf) und Hans J. Wegner.

Sein eigenes Büro gründete Panton 1955, nachdem er an der Technischen Hochschule in Odense ausgebildet worden war und an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen Architektur studiert hatte. Zu seinen ersten Aufträgen gehörte die Umgestaltung des väterlichen Wirtshauses „Kom Igen“ („Komm wieder“) bei Langesø auf der dänischen Insel Fünen.
Seit 1963 ein eigenes Büro in Basel
Panton, geprägt von der Pop Art, wählte keine Naturmaterialien wie Holz, sondern künstliche Werkstoffe, zudem gestaltete er den Innenraum in verschiedenen Rottönen. Zu seiner Idee eines Gesamtkonzepts gehörte auch das von ihm neu gestaltete Mobiliar, darunter ein spitz zulaufender Stuhl in Form eines Kegels, den Vitra 1958 unter dem Namen Cone herausbrachte. Ihn gibt es auch in einer herzförmigen Variante (Heart Cone Chair).
Von 1963 an lebte Panton in Basel, unweit eines seiner wichtigsten Arbeitgeber, der Firma Vitra. Neben seinen zahllosen Produkten ist bis heute vor allem die sogenannte „Spiegel“-Kantine mit der Snackbar aus dem Jahr 1969 erhalten. Sie befindet sich im neu gebauten Verlagsgebäude der „Spiegel“-Gruppe in der Hafencity, zumindest Teile der legendären Kantine des Hamburger Magazins sind in den Epochenräumen („Period Room“) im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zu sehen.

Zum 100. Geburtstag bringt der dänische Beleuchtungshersteller Louis Poulsen Pantons Panthella-Leuchte aus dem Jahr 1971 in ihren ursprünglichen fünf Opalfarben Braun, Orange, Grau, Grün und Rot mit Chromgestell heraus.
