Verdacht der Geldwäsche: BKA durchsucht Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

Einen Tag vor der für diesen Donnerstag anberaumten Bilanzpressekonferenz hat die Deutsche Bank Besuch vom Bundeskriminalamt bekommen. Beamte durchsuchten am Mittwoch im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt die Zentrale der Bank. Auch Geschäftsräume in Berlin wurden durchsucht.

Die Ermittlungen richteten sich gegen unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen des Verdachts der Geldwäsche und in Zusammenhang stehender weiterer Vorwürfe nach dem Geldwäschegesetz, teilte ein Sprecher der Anklagebehörde der F.A.Z. mit.

In der Vergangenheit habe das Bankhaus Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften unterhalten, die im Rahmen von weiteren Ermittlungen wiederum im Verdacht stünden, selbst zum Zwecke der Geldwäsche eingesetzt worden zu sein, hieß es weiter. Weitere Angaben zu den Geschäftsbeziehungen, insbesondere zu erfolgten Transaktionen und deren Umfang sowie zu den Gesellschaften selbst, konnte der Sprecher nicht machen.

Diese Vergangenheit liegt schon einige Zeit zurück, acht bis 13 Jahre, und in Finanzkreisen fällt ein klangvoller Name: Roman Abramowitsch, russischer Oligarch, Milliardär und Kunde der Deutschen Bank – zumindest bis er von der EU 2022 sanktioniert wurde. Seine verschachtelten Geschäfte sollen, so wissen es besagte Kreise, den Mitarbeitern zu spät aufgefallen sein. Zuletzt 2018 – damals war der derzeitige Vorstandsvorsitzende, Christian Sewing, bereits Ko-Chef von Deutschlands größter Geschäftsbank. Die Agenda für seinen Auftritt morgen vor der Weltpresse dürfte durch die Razzia heute schon von vornherein vermasselt sein.

Offiziell schwieg die Deutsche Bank zu den Hintergründen der Razzia. In einer schriftlichen Mitteilung hieß es lediglich: „Wir bestätigen, dass in den Geschäftsräumen der Deutschen Bank derzeit eine Maßnahme der Staatsanwaltschaft Frankfurt durchgeführt wird. Die Bank arbeitet vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns darüber hinaus nicht äußern.“

Über die Causa Abramowitsch hatte zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, über die Aktion der Behörden selbst „Der Spiegel“.

Razzien bei der Deutschen Bank sind nichts Ungewöhnliches. 2022 bekam das Institut gleich dreimal – zumeist medienwirksam – Besuch von Ermittlern. Einmal ging es um Greenwashing-Vorwürfe, bei denen nicht nur die Räume der Deutschen Bank selbst, sondern zugleich auch die Fonds-Tochtergesellschaft DWS besucht wurden. In einem weiteren Fall um einen anderen Verdacht auf Geldwäsche. Zudem wurde die Bank auch im Zuge des Cum-Ex-Skandals durchsucht.

Andere Razzien bei Deutschlands größter Geschäftsbank erfolgten im Jahr 2019. Damals geriet die Deutsche Bank in den Verdacht, mit ihrer Korrespondenzbank Danske Bank Geldwäsche in Estland betrieben zu haben. Auch 2018 durchsuchten 170 Beamte die Zentrale wegen des Vorwurfs der Geldwäsche. Grundlage waren die sogenannten „Panama Papers“. Und 2012 waren gleich 500 Beamte im Einsatz. Sie durchsuchen die Zentrale und Privatwohnungen, damals ging es um Betrug beim CO₂-Zertifikatehandel.