Vegane Schinkennudeln waren lange eines dieser Nostalgie-Gerichte, bei denen ich dachte: Das wird wohl nichts mehr. Die Betonung liegt auf „waren“. Das ultimative Lieblingsgericht aus Kindheitstagen steht jetzt nämlich wieder auf dem Speiseplan.
Dass Essen viel mit Nostalgie zu tun hat, das muss ich eigentlich ja nicht noch mal extra ausführen. Dass Nostalgie meistens auch ziemlich gut schmeckt, wohl ebenso wenig. Das Essen aus Kindheitstagen hat für uns alle (zumindest hoffentlich) einen ganz besonderen Platz im Herzen und im Bauch – und Schinkennudeln gehören für mich da mit an die vordersten Plätze der latent sentimentalen Lieblingsgerichteliste. Für meine alleinerziehende und voll berufstätige Mama waren sie ein schneller, unkomplizierter Abendessen-Retter an stressigen Tagen, für mich einfach nur köstlichstes Reinschaufel- und Wohlfühlgericht. Gewonnen haben wir auf jeden Fall beide, wenn es diesen Klassiker gab.
Wie leider so häufig bei der „guten alten Hausmannskost“ (gibt’s dafür einen guten gegenderten Begriff?) wird’s schwierig mit dem Veganisieren und so war’s auch mit dem Lieblings-Kindheitsessen irgendwann tragischerweise vorbei. Und ja, ein kleines Tränchen habe ich hin und wieder schon über meine Schinkennudeln verdrückt. Wirklich gute vegane Alternativen zum namensgebenden Kochschinken gab es nämlich die längste Zeit nicht. Und selbst als absoluter Seitan-Hardliner muss ich sagen, dass sich selbst der beste selbstgemachte Seitanaufschnitt einfach nicht richtig anfühlt als Ersatz für vegane Schinkennudeln.

Mit dem Aufkommen der neuartigen Fleischersatzprodukte in den vergangenen Jahren wurden aber auch pflanzliche Alternativen zu Wurstwaren immer besser. So gibt es jetzt endlich auch vegane Schinken, die so aussehen, sich so anfühlen und zumindest der Erinnerung nach ziemlich ähnlich schmecken wie der echte – auch ohne einem armen Schwein an den Hintern zu gehen.
Am besten schmecken uns die „Land-“ und „Kochschinken“ von LEKKA. Leider werden wir für die Erwähnung nicht bezahlt, wären aber offen dafür. Aber auch von anderen Herstellern wie Rügenwalder oder Greenforce gibt es gute, kochschinkenartige Produkte. Wir haben noch nicht alle probiert, aber ich würde mich trotzdem mal aus dem Fenster lehnen und behaupten, für vegane Schinkennudeln dürften sich mittlerweile alle eignen. Einspruch und Gegenrede gerne in die Kommentare – ist ja auch immer Geschmackssache. Ein guter Trick: Brate nur die Hälfte des Schinkens an und hebe den Rest für die schönere Optik erst zum Schluss unter. Etwas fragil sind die veganen Schinken nämlich bedauerlicherweise immer noch, das muss man zugeben.

Auch ganz wichtig für gute Schinkennudeln ist für mich die sämige Sauce, die klassisch aus Ei, ein wenig Käse und Sahne „verkläppert“ wird, wie wir in Schwaben sagen. Die ist um einiges weniger umständlich zu veganisieren, macht das richtige Mundgefühl aber wirklich aus.
Sojamilch, Reibekäse und als Geheimzutat etwas Speisestärke für die richtige Konsistenz verrühren – fertig. Ein ganz kleines Bisschen Säure sorgt dafür, dass die Sojamilch etwas stockt. Kala Namak, das schwefelige Salz, das schon seit jeher für Ei-Aroma in veganen Rezepten sorgt, erledigt den Rest.

Stellt sich eigentlich nur noch die Nudelfrage. Für mich müssen es Fusilli oder kurze, breite Bandnudeln sein, die einen Tick über al dente gekocht werden. Alles andere fühlt sich irgendwie falsch an – ich bin einfach nudelkleinlich. Erbsen dagegen finde ich eine tolle optionale Ergänzung, auch wenn bei uns ein paar Fussel Petersilie das einzig Grüne an Schinkennudeln waren. Abgesehen vom obligatorischen „grünen Salat“, der wahlweise aus Kopf-, Eis- oder Feldsalat bestehen darf.
Ganz ehrlich, bei der ersten Gabel der veganen Schinkennudeln wäre mir beinahe das bereits vorhin erwähnte Tränchen aus dem Auge gekullert. Und beim Blick über den Tisch habe ich gesehen, Nadine ging es auch so. Man kann über vegane Fleisch- und Wurstalternativen schimpfen, wie man will – wenn sie tierleidfrei für solche Nostalgiegefühle sorgen können, haben sie ihre Daseinsberechtigung!
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Nudeln 1–2 Minuten länger, als auf der Packung angegeben in Salzwasser kochen. Sie sollen nicht „verkocht“, aber etwas über al dente sein.
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Zwiebel würfeln, Knoblauch hacken, den veganen Kochschinken in nicht zu große Stücke schneiden.
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Öl in eine heiße Pfanne geben, Zwiebel und Knoblauch bei mittlerer Hitze 2–3 Minuten glasig dünsten. Dann die Hälfte des veganen Schinkens dazugeben und weiter braten. Ab und zu vorsichtig umrühren, damit der Schinken nicht zu stark zerfällt.
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Währenddessen Sojamilch, Reibekäse und Speisestärke glatt verrühren.
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Nudeln abgießen, mit in die Pfanne geben und unter Rühren 1–2 Minuten braten. Die Flüssigkeit unterrühren und kurz aufkochen lassen. Dann Hitze reduzieren, den restlichen Schinken unterheben und die Sauce kurz einreduzieren lassen. Zum Schluss mit Kala Namak und Zitronensaft würzen.
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Mit gehackter Petersilie und Pfeffer getoppt servieren.

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