VAR-Eingriff bei Eckbällen: Warum die Bundesliga verzichten sollte

In seinem Fachbereich ist der Fußballtrainer Nicolas Jover schon seit mehreren Saisons der wahrscheinlich Beste im Business. Und wiewohl der große Klub, für den er arbeitet, Fans auf der ganzen Welt hat, wissen wohl die Wenigsten, wer dieser Fußballtrainer und was dessen Fachbereich eigentlich ist.

Doch spätestens in dieser Saison, in der sein Klub, der FC Arsenal, in der Champions League alle sieben Spiele gewonnen hat, sollte man sich den Namen Nicolas Jover merken. Weil er, der Assistenztrainer, einen Ball wieder scharf gestellt hat, den viele auf Champions-League-Level für einen Blindgänger gehalten ­haben: den Eckball.

Die Art und Weise, wie Jover seine Spieler bei Eckstößen mit unterschiedlichsten Varianten aus Laufen, Blocken, Laufen im Strafraum in Stellung bringt, ist kunstvoll. Doch seit Dienstag droht das Szenario, dass der Künstler seine Kunst wird anpassen müssen.

Warum die Bundesliga die Regel ablehnen sollte

In seiner Geschäftssitzung hat das International Football Association Board (IFAB) – das sind die Regelhüter des Fußballs – beschlossen, dass die Befugnisse des Video Assistant Referees (VAR) mit dem Start der kommenden Saison erweitert werden sollen. Dafür fehlt nur noch die Bestätigung durch die Generalversammlung am 28. Februar.

Assistenztrainer Nicolas Jover (rechts) ist bei Arsenal London für die Standardsituationen zuständig.
Assistenztrainer Nicolas Jover (rechts) ist bei Arsenal London für die Standardsituationen zuständig.Reuters

Sollte das, wovon man ausgehen darf, auch so kommen, würde sich unter anderem Folgendes ändern: Der VAR könnte nicht nur Rote Karten, sondern auch Gelb-Rote Karten prüfen – und dürfte bei allen Karten eingreifen, die einem Spieler des „falschen Teams“ gezeigt wurden. Außerdem könnte er den Schiedsrichter auf „eindeutig falsche“ Eckballentscheidungen hinweisen, sofern das „sofort“ und „ohne die Spielfortsetzung zu verzögern“ geschehen könne.

Eine VAR-Entscheidung, die die Spielfortsetzung nicht verzögert – das ist schon eine Pointe für sich, aber mit Blick auf die Eckbälle nicht der Punkt. Mit dieser Regel würden die Regelmacher einen Anreiz schaffen, dass ein Trainer wie Nicolas Jover seine Spieler anweist, bei jeder möglicherweise falschen Eckballentscheidung schnell zur Eckfahne zu rennen und den Eckstoß kurz ausführen: damit verhindert wird, dass der VAR eingreift und seine Mannschaft den Ball verliert. Das darf nicht sein. Und weil die Überprüfung des Eckballs anders als die Überprüfung der Karten fürs Erste optional ist, sollten die Bundesliga und alle anderen Wettbewerbe sie ablehnen.

Es ist gut, dass es den VAR gibt. Weil es auch nicht sein darf, dass Spieler und Trainer während des Spiels von Videotechnik profitieren (Nicolas Jover analysiert Spielszenen auf seinem Tablet und gibt die Ergebnisse seiner Analyse dann an seine Spieler weiter), aber nicht die Schiedsrichter, die Entscheidungen mit potentiell größtmöglichen Folgen treffen müssen. Doch mit der neuen Änderung geht das IFAB einen Schritt zu weit – weil etwas passieren könnte, das nie passieren darf: Dass das Spielverhalten sich wegen des VAR verändert.