Vannacci verlässt Lega: Eine schwere Niederlage für Matteo Salvini

Der pensionierte Heeresgeneralmajor Roberto Vannacci verlässt die rechtsnationale Partei Lega und gründet seine eigene Bewegung Futuro Nazionale (Nationale Zukunft). Vannacci, der im Herbst 2023 mit dem rechtspopulistischen Bestseller „Il mondo al contrario“ (Verdrehte Welt) schlagartig bekannt und wohlhabend wurde, war von Lega-Chef Matteo Salvini persönlich in die Partei geholt worden.

Als Begründung für seinen Rückzug aus der Partei erklärte Vannacci, dass er sich „von Machenschaften, Zweckkompromissen und Kungeleien“ fernhalten wolle. „Ich werde meinen Weg allein weitergehen, gemeinsam mit all jenen, die den Traum verfolgen, ihren Kindern ein besseres Land zu hinterlassen, als sie selbst von ihren Eltern erhalten haben. Von heute an ist Futuro Nazionale Realität.“

Bei den Europawahlen im Juni 2024 erreichte Vannaccci als unabhängiger Kandidat auf der Liste der Lega ein Rekordergebnis. Im Straßburger Parlament gehört er unter anderem dem Auswärtigen Ausschuss an. Außerdem ist er stellvertretender Fraktionschef der Parteienfamilie Patrioten für Europa, zu der aus Frankreich der Rassemblement National, aus Spanien Vox, aus Portugal Chega, aus Österreich die FPÖ und aus Ungarn der Fidesz gehören.

Salvini ist „verbittert“

Nach Vannaccis Beitritt zur Lega im April 2025 wurde er von Parteichef Salvini zu einem seiner Stellvertreter ernannt. Die Lega ist neben der christdemokratischen Forza Italia einer der beiden Juniorpartner in der von Giorgia Melonis rechtskonservativer Partei Brüder Italiens geführten Mitte-rechts-Koalition in Rom.

In den vergangenen Monaten hatten die Spannungen in der Lega zwischen den gemäßigten Regionalpräsidenten in Norditalien und dem nationalistischen Flügel um Salvini und Vannacci zugenommen. Salvini, der im Kabinett den Posten des Verkehrsministers und Vizeregierungschefs bekleidet, äußerte sich „enttäuscht und verbittert“ über den Abgang Vannaccis. Prominente Vertreter des gemäßigten Parteiflügels dürften erleichtert sein über den Parteiaustritt des 57 Jahre alten Vannacci, dessen homophobe, rassistische und russophile Äußerungen sie als politischen Ballast empfanden.

Vannacci hatte die Veröffentlichung seines zunächst im Selbstverlag erschienenen Pamphlets mit den Worten begründet, er beanspruche für sich „das Recht, meinen Hass und meine Geringschätzung öffentlich ausdrücken zu dürfen“. In seinem Buch beschreibt er Homosexuelle als „nicht normal“ und dunkelhäutige Frauen mit Migrationshintergrund als „keine richtigen Italienerinnen“.

Ein Sammelbecken für rechtsnationalistische Wähler?

Kurzfristig dürfte Vannaccis Austritt aus der Lega das Machtgefüge in Rom nicht berühren. In Umfragen kommt dessen Bewegung auf zwei bis drei Prozent Zustimmung. Melonis Brüder Italiens liegen bei 30 Prozent, die oppositionellen Sozialdemokraten bei 22 und die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung bei zwölf Prozent. Melonis Koalitionspartner Forza Italia und Lega liegen mit jeweils acht Prozent gleichauf, die Allianz von Grünen und Linken kommt auf sieben Prozent.

Die seit den Parlamentswahlen vom Herbst 2022 bestehende Mehrheit der Mitte-rechts-Koalition im Parlament dürfte gesichert bleiben, selbst wenn einige Parlamentarier zu Vannacci überlaufen sollten. Die neue Partei könnte aber bis zu den Parlamentswahlen 2027 zum Sammelbecken rechtsnationalistischer Wähler werden, die von der pragmatischen Regierungsführung Melonis enttäuscht sind und sich von der Lega und den Brüdern Italiens abwenden.

Die Parteien der Linken konnten bei den jüngsten Regionalwahlen in Apulien, Kampanien und der Toskana Erfolge erzielen, weil sie sich jeweils auf gemeinsame Kandidaten geeinigt hatten. Da das Parteienbündnis auf der Rechten nur wenige Prozentpunkte vor jenem der Linken liegt, könnte eine Zersplitterung der rechten und nationalistischen Parteien für die zuletzt vereinten Kräfte der Linken den Ausschlag geben.

Für Salvini ist der Abgang Vannaccis eine schwere persönliche Niederlage. Zunächst war Salvinis Wette auf Vannacci mit dessen Wahlerfolg bei den Europawahlen 2024 aufgegangen. Doch schon bei den Regionalwahlen im vergangenen Jahr, namentlich in der Toskana, erwies sich das prominente Parteimitglied Vannacci für die Lega nicht als Trumpf, sondern als Belastung.