USA und Israel greifen Iran an: Das sind die internationalen Reaktionen


Die Reaktionen auf die Angriffe Israels und Amerikas auf Iran fallen unterschiedlich aus: Einige Länder loben den Schritt, andere hingegen üben scharfe Kritik. Die wichtigsten Äußerungen im Überblick.

Deutschland

Die Bundesregierung ist vorab über den Militärangriff auf Iran informiert worden und beobachtet die Entwicklung der Lage in der Region genau. Das teilten das Auswärtige Amt sowie der Sprecher von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Stefan Kornelius, am Samstag mit.

Eine deutlichere Reaktion gab es zu den iranischen Angriffen auf Staaten in der Region. Diese verurteilte Merz in einer gemeinsamen Erklärung mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Regierungschef Keir Starmer „auf das Schärfste“. „Iran muss seine willkürlichen Militärschläge unterlassen“, hieß es in der Erklärung. Darin riefen sie zugleich zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und forderten, die Führung in Teheran müsse „eine Verhandlungslösung finden“.

Früh am Samstag äußerte sich auch der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter. Er hält den Militärangriff auf Iran für berechtigt: „Der Iran hintergeht seit Jahren das internationale Atomabkommen und vermittelt den Eindruck, militärische Nuklearmacht zu werden“, sagte Kiesewetter dem Portal T-Online. Zugleich erkenne Iran Israels Existenzrecht nicht an, sondern wolle das Land vernichten. „Der sorgfältig über Wochen geplante und begrenzte Militärschlag hat damit eine Berechtigung.“

Hinzu komme das Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung und „insbesondere die breit aufgestellte Opposition“, fuhr Kiesewetter mit Blick auf die blutige Niederschlagung der jüngsten Proteste fort. „Es besteht Aussicht auf Erfolg“, sagte Kiesewetter. „Dieser Erfolg muss sich auch daran messen, dass es zu einem möglichen Systemwechsel im Iran und nicht zu einer Ausweitung des Krieges in der Region kommt.“

Auch die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußerte die Hoffnung auf ein Ende des autoritären Regierungssystems in Iran. „Gelingt es, das Mullah-Regime zu stürzen, wäre das für die Menschen im Iran, auch für die Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus in Europa, eine Chance eines friedlichen, gemeinsamen Neubeginns“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Die Frage sei aber zunächst, „wie erfolgreich der Präventivschlag“ Israels und der USA sein werde.

Die Linkspartei hingegen kritisierte die Angriffe auf Iran scharf. „Das Völkerrecht spielt dabei mal wieder keine Rolle“, sagte Fraktionschef Sören Pellmann der Deutschen Presse-Agentur. „Damit legen die USA und Israel die Lunte an das Pulverfass eines Krieges, der verheerende Folgen für den Mittleren Osten und darüber hinaus haben wird.“ Es gelte jetzt auf internationaler Ebene, diese Eskalation zu verhindern, um die Zivilbevölkerung in der gesamten Region zu schützen. „Hier steht auch die Bundesregierung als enger Partner Israels in der Pflicht.“

Parteichef Jan van Aken sagte: „Es steht zu befürchten, dass Israel und die USA einen Regimewechsel herbeibomben möchten.“ Noch sei das Ziel der Angriffe unklar. Van Aken betonte: „Es ist richtig, dass eine Atombombe des Iran auf jeden Fall verhindert werden muss.“ Dies könnten aber keine militärischen Angriffe erreichen, sondern nur Verhandlungen und engmaschige Überwachungen vor Ort.

Europa

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa riefen angesichts der Angriffe auf Iran alle Beteiligten zur maximalen Zurückhaltung auf. Die Entwicklungen seien äußerst besorgniserregend, teilen die beiden Spitzenvertreter in einer gemeinsamen Erklärung mit. Alle Parteien müssten Zivilisten schützen und das Völkerrecht achten. Die EU werde zudem alle nötigen Schritte unternehmen, um ihre Bürger in der Region zu unterstützen, hieß es.

Auch aus europäischen Hauptstädten kamen erste Reaktionen. Die britische Regierung in London warnte vor einer Eskalation des Konflikts. Premierminister Keir Starmer berief am Vormittag eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra ein, wie die britische Nachrichtenagentur PA meldete. London wolle „keine weitere Eskalation zu einem weiteren regionalen Konflikt sehen“, zitierte die PA einen Regierungssprecher. Iran dürfe niemals Atomwaffen entwickeln, deswegen habe man stets Bemühungen um eine Verhandlungslösung unterstützt, so der Sprecher weiter.

Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im britischen Unterhaus, Emily Thornberry, sagte dem Sender BBC, es gebe keine Hinweise auf eine britische Beteiligung an den israelisch-amerikanischen Angriffen auf Iran. Gleichzeitig zweifelte die Abgeordnete der regierenden Labour-Partei die Rechtmäßigkeit des Vorgehens Israels und der USA an. „Ich glaube, es gibt keine rechtliche Grundlage für diese Maßnahme.“ Großbritannien solle sich nicht hineinziehen lassen, mahnte sie.

In Spanien wies Ministerpräsident Pedro Sánchez die Militäraktion der USA und Israels als „einseitig“ zurück. „Wir können uns keinen weiteren langwierigen und verheerenden Krieg im Nahen Osten leisten“, schrieb er auf dem Portal X. Sánchez, der auch das Vorgehen des iranischen Regimes und der Revolutionsgarde kritisierte, rief zu einer sofortigen Deeskalation und zur Wiederaufnahme des Dialogs auf.

Die Regierung von Norwegen verurteilte die Luftangriffe auf Iran als völkerrechtswidrig. Israel habe die Angriffe als Präventivschlag bezeichnet, was „jedoch nicht dem Völkerrecht entspricht“, sagte Norwegens Außenminister Espen Barth Eide der Nachrichtenagentur AFP. „Ein Präventivschlag würde das Vorliegen einer unmittelbaren Bedrohung voraussetzen“, führte Eide in Oslo aus. „Wir rufen alle Parteien dazu auf, Zurückhaltung zu üben und die Möglichkeiten einer diplomatischen Lösung des Konflikts nicht aufzugeben.“

Russland

Die Regierung in Moskau verurteilte die Luftangriffe gegen Iran scharf. Das russische Außenministerium erklärte am Samstag, Washington und Tel Aviv hätten „wieder einmal ein gefährliches Abenteuer gestartet, das die Region schnell an den Rand einer humanitären, wirtschaftlichen und – das kann nicht ausgeschlossen werden – nuklearen Katastrophe bringt“. Die „Absichten der Aggressoren“ seien eindeutig, erklärte das Ministerium: „Die verfassungsmäßige Ordnung und die Regierung eines Landes zu zerstören, das für sie unerwünscht ist und das sich weigert, sich ihrem Diktat der Gewalt und des Hegemonismus zu unterwerfen.“

Russland fordert eine sofortige Rückkehr zu einer politischen und diplomatischen Lösung. Die internationale Gemeinschaft müsse diese „verantwortungslosen Handlungen“ objektiv bewerten, teilte das Außenministerium mit.

Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew kritisierte ebenfalls die Regierung von US-Präsident Donald Trump. „Der Friedensstifter hat einmal mehr sein wahres Gesicht gezeigt“, schrieb der Vertraute von Machthaber Wladimir Putin im Onlinedienst Telegram. „All die Gespräche mit dem Iran waren nur ein Deckmantel. Daran hat nie jemand gezweifelt.“ Niemand sei daran interessiert gewesen, „irgendetwas Konkretes zu verhandeln“, schrieb Medwedew, der derzeit Vizevorsitzender des russischen Sicherheitsrats ist.

Ukraine

Kiew betonte in einer ersten Reaktion seine Unterstützung für das iranische Volk. Die iranische Führung habe Möglichkeiten für Diplomatie ignoriert, teilte das ukrainische Außenministerium auf der Plattform X mit. Der Grund für die derzeitigen Ereignisse sei die Gewalt und Willkür der iranischen Führung, insbesondere die Tötungen von und die Repressionen gegen friedliche Demonstranten, die in den vergangenen Monaten besonders groß geworden seien. Das Ministerium warf Teheran Menschenrechtsverletzungen im Land vor sowie Unterstützung militanter Gruppen, die Chaos in andere Länder der Region gebracht hätten, und Unterstützung Russlands in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Indien und China

China, Indien und weitere asiatische Staaten riefen zu einer Beendigung der Gewalt auf. Peking fordere eine „sofortige Einstellung der Kampfhandlungen“ und rufe zur „Wiederaufnahme von Dialog und Verhandlungen“ auf, erklärte das chinesische Außenministerium am Samstag.

Das Außenministerium in Neu Delhi rief derweil alle beteiligten Parteien zur Zurückhaltung auf, um „die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu gewährleisten“. Weiter erklärte das Ministerium: „Die Souveränität und territoriale Integrität aller Staaten muss respektiert werden.“

Auch Indonesien und Pakistan forderten eine Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche. „Indonesien ruft alle Parteien dazu auf, Zurückhaltung zu üben und dem Dialog und der Diplomatie Vorrang einzuräumen“, erklärte das Außenministerium in Jakarta im Onlinedienst X. Die indonesische Regierung unter Präsident Prabowo Subianto sei bereit, zwischen Washington und Teheran zu vermitteln. Pakistan verurteilte die „ungerechtfertigten Angriffe gegen Iran“ derweil „auf das Schärfste“, wie Außenminister Mohammad Ishaq Dar erklärte.

Internationale Organisationen

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die militärische Eskalation im Nahen Osten. Die Anwendung von Gewalt durch die USA und Israel gegen Iran und die darauf folgenden Vergeltungsmaßnahmen Irans in der Region unterminierten den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit, erklärte er am Samstag in New York. Alle UN-Mitgliedstaaten müssten ihre Verpflichtungen nach dem Völkerrecht einhalten, einschließlich der Charta der Vereinten Nationen. Die Charta verbiete eindeutig die Androhung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates, betonte Guterres.

Die NATO reagierte zunächst zurückhaltend und erklärte lediglich, die Lage im Nahen Osten im Blick zu haben. „Die NATO verfolgt die Entwicklungen im Iran und in der Region aufmerksam“, sagte Sprecherin Allison Hart.

Das Internationale Rote Kreuz hingegen warnte vor einer „gefährlichen Kettenreaktion“ nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran und dessen Gegenschlägen. Die militärische Eskalation könne für die Zivilbevölkerung in der Region verheerende Folgen haben, erklärte die Präsidentin der Hilfsorganisation, Mirjana Spoljaric, am Samstag in Genf. Nachdrücklich mahnte Spoljaric die Einhaltung der Kriegsregeln und des humanitären Völkerrechts an. Dies sei „eine Verpflichtung und keine Option“. Zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser, Wohnhäuser und Schulen müssten von Angriffen verschont bleiben. Medizinisches Personal und Ersthelfer müssten ihre Arbeit sicher ausführen können.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sei mit Teams vor Ort in Iran, in Israel und in der gesamten Region. Man stehe bereit, gemeinsam mit Partnern der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung auf Bedarfslagen zu reagieren. „Humanitäre Hilfe kann jedoch nicht mit dem Tempo und dem Ausmaß des Leidens mithalten, das durch den anhaltenden Konflikt verursacht wird“, sagte Spoljaric. Sie appellierte an den „politischen Willen, um Frieden zu erreichen und weitere Todesfälle und Zerstörungen zu verhindern“.