„Unsere Berge im Wandel. Die Alpen“ – eine deprimierende Doku

Häufig sagen mir Gesprächspartner, dass sie es vermeiden, Nachrichten zu lesen. Zu dystopisch, zu negativ. In gewisser Weise ist diese Haltung ein Privileg, denn die Dinge geschehen ja trotzdem, egal ob man etwas von ihnen mitbekommt oder nicht. Wir Deutschen können Putins Bombenangriffe über die Feiertage ausblenden, die Ukrainer nicht.

Es gab dann aber in diesen Tagen, irgendwo zwischen Weihnachtskrimis und der nächsten Mahlzeit, einen Moment, in dem ich wusste, was gemeint war. Im BR lief die Doku „natur exclusiv: Unsere Berge im Wandel. Die Alpen“. Ich schaltete verspätet ein, im letzten Drittel, als es um die Veränderungen der Berge durch den Klimawandel ging. In relativ kurzer Abfolge fielen dort, unterlegt von melodramatischen Geigen, Sätze wie: „Noch können sie sich hier halten. Aber die Murmeltiere gehören zu den Arten, denen der Klimawandel sehr zu schaffen macht und die wahrscheinlich in den deutschen Alpen aussterben werden.“ Das Birkhuhn „gehört ebenfalls zu den Verlierern des Klimawandels“. „Gamskitze beim Spielen auf einem Schneefeld – wie lang wird das noch möglich sein?“ „Verschwindet der Gletscher, verschwinden auch die Gletscherflöhe.“ Ich kann Ihnen an dieser Stelle verraten: Auch um das Schneehuhn steht es nicht besser.

Es war alles so dermaßen schrecklich, dass ich fast verbittert lachen musste. Auf jede neue Einblendung tollender Tiere auf grünen oder verschneiten Berghängen folgte unweigerlich die Ankündigung des Sprechers in Grabesstimme, dass es diesen putzigen Wesen demnächst an den Kragen gehe.

Was wäre eine bessere Art der Berichterstattung?

Fairerweise muss man sagen, dass der erste Teil der Dokumentation, den ich mir später anschaute, nicht ganz so niederschmetternd und wirklich interessant war. Er zeigte die Veränderung der Alpen über lange Zeiträume mit spektakulären Aufnahmen. Man konnte viel lernen. Außerdem ist es natürlich wichtig, über die Dramatik unserer Situation aufzuklären. Das Schneehuhn hat nichts davon, wenn wir wegschauen.

Dennoch fragte ich mich beim Zuschauen, ob es nicht konstruktivere Möglichkeiten der Berichterstattung gegeben hätte. Solche, die einen nicht nur traurig und ratlos mit dem Gefühl zurücklassen, dass ohnehin schon alles verloren ist. Der diesjährige UN-Umweltbericht hat diese Perspektive berücksichtigt. Er beschreibt nicht nur die aktuelle, dramatische Lage, sondern auch, was für positive Veränderungen entstehen könnten, wenn wir handeln. Also: Nicht aufgeben! Auf ein frohes neues Jahr!