Umfangreiche FlugstreichungenLufthansa nennt Streiks „unnötige Eskalation“
11.02.2026, 16:21 Uhr
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Gleich zwei Gewerkschaften rufen am Donnerstag bei der Lufthansa zum Ausstand auf. Nur die wenigsten Flüge werden wohl angeboten. Die deutsche Airline beharrt darauf, den Piloten und dem Kabinenpersonal nicht weiter entgegenkommen zu können.
Die Lufthansa kritisiert die für Donnerstag geplanten ganztägigen Streiks von Piloten und Kabinenpersonal heftig. „Die Eskalation ist völlig unnötig“, sagte Personalvorstand Michael Niggemann in Berlin. Eine Lösung der Konflikte könne es nur am Verhandlungstisch geben, nicht durch Streiks. Zudem seien die finanziellen Forderungen rund um die Kernmarke der Kranich-Airline übertrieben. „Die Lufthansa Classic hat einfach keinen finanziellen Spielraum“, betonte der Manager. Die Piloten-Gewerkschaft VC geht davon aus, dass der Arbeitskampf „erhebliche Auswirkungen auf den Flugplan haben wird und auch auf alle von Lufthansa betriebenen Flüge“, wie VC-Präsident Andreas Pinheiro in Frankfurt erklärte.
Lufthansa kündigte umfangreiche Streichungen an, ohne eine konkrete Anzahl an ausfallenden Flügen zu nennen. Auf den digitalen Abflugtafeln großer Flughäfen wie Berlin oder Frankfurt ist eine Vielzahl der Lufthansa-Flüge gestrichen, vereinzelte Verbindungen sollen aber offenbar angeboten werden. Fluggäste werden aufgefordert, ihre Kontaktdaten zu hinterlegen. Betroffene Passagiere würden in jedem Fall automatisch benachrichtigt.
Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Gewerkschaft UFO für das Kabinenpersonal haben für Donnerstag zu einem Streik aufgerufen – von 0.01 Uhr bis 23.59 Uhr. Die VC will durch den Arbeitskampf bessere Bedingungen bei Betriebsrenten der Lufthansa erreichen. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) rief das Kabinenpersonal bei Lufthansa und Lufthansa Cityline zum Arbeitskampf auf.
Die Piloten werden laut VC Flüge der Kernmarke Lufthansa und der Frachttochter Lufthansa Cargo bestreiken. Auch Anreisen von Cockpit-Beschäftigten zum Einsatzort, Bereitschafts- und Reservedienste sowie Simulatortrainings werden bestreikt. Die VC fordert für die rund 4800 Cockpit-Beschäftigten höhere Beiträge zur Betriebsrente. Das Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Premium-Fluglinie ab. „Wir können eine Top-Versorgung nicht einfach nochmal verdoppeln“, sagte Vorstand Niggemann. Die Altersvorsorge – gesetzlich und betrieblich zusammen – betrage derzeit rund 8400 Euro pro Monat.
Die Pilotinnen und Piloten sind nach einer Urabstimmung bereits seit Oktober streikfähig, läuten aber erst jetzt den Arbeitskampf ein. „Die Lufthansa muss ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen, dann wird unsere Tarifkommission mit der Lufthansa darüber beraten“, betonte VC-Chef Pinheiro.
Die Kabinenbeschäftigten sollen nach Angaben der UFO streiken, weil sich in den laufenden Manteltarifverhandlungen weiter keine Bewegung bei zentralen Fragen der Arbeitsbedingungen zeige. Bei der Tochter Lufthansa Cityline geht es nach UFO-Angaben um eine Weigerung des Arbeitgebers, über einen tariflichen Sozialplan zur geplanten Schließung des Flugbetriebs zu verhandeln.
Niggemann: Ein Streik ist keine Hilfe
Lufthansas Personalchef Niggemann sagte, der Konzern habe hier großzügige Angebote für eine Weiterbeschäftigung gemacht. Zum Arbeitskampf der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter fügte er hinzu, die Beschäftigten seien sicher an Perspektiven für Wachstum interessiert. Hier seien aber höhere Kosten und ein Streik keine Hilfe. Beide Gewerkschaften müssten Verantwortung für die Zukunft der Airlines übernehmen.
Die Arbeitskämpfe treffen den Konzern zu einem Zeitpunkt, wo er eigentlich Aufwind in der Luftfahrt verspürt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat allerdings wiederholt die Standortkosten für Luftfahrt in Deutschland als zu hoch kritisiert. Vom aktuellen Erfolg der Lufthansa habe Deutschland immer weniger, sagte Spohr am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Berlin. Die Airline macht nur noch rund ein Viertel ihres Umsatzes am Heimatstandort.
