
In der Nacht hat Russland die Ukraine mit hunderten Drohnen angegriffen. Die Ukraine fordert Sanktionen. Ein russischer Kommandeur soll einem Radio-Bericht zufolge schwerste Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Mehr im Liveticker.
Der Druck auf die Ukraine wächst. In der Nacht zu Sonntag hat Russland das Land nach ukrainischen Angaben mit zahlreichen Raketen und Drohnen angegriffen. Heftige Explosionen haben sich demnach auch in Kiew ereignet.
Alle Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine im Liveticker:
09:57 Uhr – Angriff mit rund 300 Drohnen auf Ukraine
Russland hat bei dem nächtlichen Angriff nach Angaben des ukrainischen Militärs 50 Raketen und 297 Drohnen eingesetzt. Die Luftverteidigung habe 33 Raketen und 274 Drohnen abschießen oder neutralisieren können, teilt die Luftwaffe auf Telegram mit. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte auf der Plattform X: „Russland untergräbt mit terroristischen Großangriffen weiterhin die Diplomatie“. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, harte Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Eine Stellungnahme aus Moskau liegt zunächst nicht vor.
03:45 Uhr – Heftige Explosionen in Kiew
Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist von heftigen Explosionen erschüttert worden. Das berichteten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP am Sonntagmorgen. Die Militärverwaltung der Stadt löste kurz vor den Explosionen wegen der Gefahr eines feindlichen Einsatzes ballistischer Waffen Luftalarm aus.
Die örtlichen Behörden erklärten, die Luftabwehr sei gegen Drohnen aktiv, die über der Region Kiew entdeckt worden seien. Angaben über Opfer gab es zunächst nicht. Kiew ist seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor fast genau vier Jahren regelmäßig Ziel russischer Raketen- und Drohnenangriffe.
02:59 Uhr – Angriff auf Keksfabrik und „amerikanische Geschäftsinteressen“
Russland hat laut ukrainischen Angaben eine Oreo-Keksfabrik in der Ostukraine mit einer Rakete angegriffen. Es habe keine Toten gegeben, jedoch sei ein Produktionsgebäude beschädigt worden, schreibt Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. „Wenn russische Raketen solche Orte treffen, zielen sie nicht nur auf die Ukraine. Sie richten sich gegen amerikanische Geschäftsinteressen in Europa.“ Die Anlage in Trostjanez gehört dem US-Konzern Mondelez und war bereits 2022 schwer beschädigt worden. Eine Stellungnahme von Mondelez und dem Kreml liegt zunächst nicht vor.
02:35 Uhr – „Terroranschlag“ – 14 Verletzte in Lwiw
In der westukrainischen Großstadt Lwiw (Lemberg) ist es örtlichen Medienberichten zufolge zu einer Serie von Explosionen gekommen, bei denen mindestens eine Polizistin getötet und weitere Sicherheitskräfte verletzt wurden. „Das war ein Terroranschlag. Nach jetzigem Stand wurden 14 Opfer ins Krankenhaus gebracht“, wurde Bürgermeister Andrij Sadowyj vom Nachrichtenportal „Kyiv Independent“ zitiert. Näheres zu den mutmaßlichen Hintergründen des Vorfalls teilte er zunächst nicht mit.
Laut einem Reporter hatten sich die Explosionen kurz nach Mitternacht ereignet. Das Portal zitierte eine Mitteilung der ukrainischen Nationalpolizei, wonach die Sicherheitskräfte zunächst wegen eines Notrufs zum vermeintlichen Einsatzort geeilt seien. Nach ihrer Ankunft dort seien dann mehrere Explosionen ausgelöst worden, nicht alle Polizisten hätten überlebt. Bürgermeister Sadowyj sprach demnach von einer getöteten Polizistin.
Samstag, 21. Februar:
22:54 Uhr – Ukraine wirft Ungarn und Slowakei Erpressung vor
Die Ukraine hat Drohungen Ungarns und der Slowakei im Streit um Energielieferungen scharf verurteilt und beiden Nachbarländern Erpressung vorgeworfen. Das Außenministerium in Kiew wies am Samstag die Androhung der beiden EU-Staaten, die äußerst wichtigen Stromexporte zu stoppen, als „Ultimaten“ zurück. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hatte zuvor erklärt, er werde die Notstromlieferungen an die Ukraine kappen, sollten die russischen Öltransite durch die Ukraine nicht bis Montag wieder aufgenommen werden. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte mit ähnlichen Schritten gedroht.
19:04 Uhr – Mehrere Attentate in Ukraine verhindert
Kiews Sicherheitsdienste haben nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mehrere Attentate auf prominente Ukrainer verhindert. „Es ist gelungen, russische Söldner unschädlich zu machen, die Anschläge auf unsere Bürger planten“, sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. „Es handelt sich um ziemlich bekannte Namen, und dass solche Verbrechen verhindert werden konnten, ist ein bedeutendes Ergebnis“, sagte er vor dem vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
Die Russen hätten Anschläge gegen ukrainische Militärs, Geheimdienstmitarbeiter und ukrainische Medienvertreter vorbereitet und seien unschädlich gemacht worden, führte Selenskyj aus. Details nannte er nicht. Er dankte den Behörden für den Schutz der Bürger. An diesem Dienstag (24. Februar) geht der russische Angriffskrieg in sein fünftes Jahr.
18:14 Uhr – „Girlande“ aus Ohren: Erschreckender US-Bericht
Ein Bericht des US-Radiosenders Radio Free Europe wirft einem russischen Generalmajor schwerste Menschenrechtsverletzungen in der Ostukraine vor. Demnach analysierten die Journalisten Chat-Nachrichten und Audiodateien von Roman Demurchiyev, dem stellvertretenden Kommandeur einer Einheit der Militärgruppe „West“, die er selbst verschickt haben soll. Darin prahle er vor Familienmitgliedern und Militärangehörigen mit Fotos von getöteten oder gefolterten ukrainischen Kriegsgefangenen. Auf einigen Bildern seien unter anderem menschliche Körperteile zu sehen, auf anderen Gefangene mit blutdurchtränkten Verbänden.
In einem Chat an seine Frau habe er damit geprahlt, eine „Girlande“ aus mehreren menschlichen Ohren gemacht zu haben. Die „Bild“ berichtet, dass ihr Fotos vorliegen würden, sie aus ethischen Gründen jedoch auf eine Veröffentlichung verzichte. Eines der Fotos zeige tatsächlich ein abgetrenntes Ohr, das an einem Faden aufgehängt sei. Als Radio Free Europe Demurchiyev kontaktiert habe, um ihn zu den beschriebenen Kriegsverbrechen zu befragen, soll dieser aufgelegt und weitere Anrufe blockiert haben.
12:31 Uhr – Slowakei und Ungarn drohen Ukraine mit Boykott
Im Streit um ausbleibende Öllieferungen über die Druschba-Pipeline haben die Slowakei und Ungarn der Ukraine mit weiteren Maßnahmen gedroht. Beide Länder kündigten einen möglichen Stopp von Diesel- und Stromlieferungen an, Ungarn will zudem ein EU-Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro für Kiew blockieren. Budapest und Bratislava werfen der Ukraine vor, die Wiederaufnahme russischer Öllieferungen absichtlich zu verzögern, und sprechen von „Erpressung“. Beide Regierungen gelten als enge politische Verbündete Moskaus.
10:32 Uhr – Chodorkowski: Europa wird sich die „nächsten fünf bis zehn Jahre im Kalten Krieg mit Russland befinden“
Der Kremlkritiker, Oppositionsführer und frühere Oligarch und reichster Mann Russlands Michail Chodorkowski wirft Europa im Umgang mit Russland strategische Fehler vor und sieht das Verhältnis für mindestens fünf bis zehn Jahre von einem „Kalten Krieg“ mit dem Putin-Regime geprägt. Sanktionen seien für Moskau allenfalls unangenehm, da Russland eng an China gebunden sei. Peking habe „Putin an der Kehle“, wolle ihn aber nicht stürzen. Nach einem möglichen Tod Putins erwartet Chodorkowski einen Machtkampf unter Eliten, in dessen Verlauf der Westen Einfluss nehmen könne – allerdings nur, wenn er die Wiederaufnahme von Beziehungen an echte demokratische Reformen knüpfe. Von US-Investitionsplänen oder einer dauerhaften Annäherung zwischen Trump und Putin zeigt er sich skeptisch.
10:03 Uhr – Polen will Ostgrenze mit Landminen sichern
Polen plant nach seinem Austritt aus der Ottawa-Konvention den Einsatz von Antipersonen- und Panzerabwehrminen zur Sicherung seiner Ostgrenze zu Russland und Belarus. Vizeverteidigungsminister Pawel Zalewski sagte der Nachrichtenagentur AP, Minen seien ein zentrales Element der Verteidigungsstruktur an der Nato-Ostflanke. Verlegt werden sollen sie nur bei einer realistischen Bedrohung durch Russland. Die Ottawa-Konvention verbietet Antipersonenminen, wurde jedoch von Russland und den USA nie unterzeichnet.
08:20 Uhr – Angriff auf wichtiges Raketenwerk
Bei einem ukrainischen Luftangriff auf die für ihre Rüstungsbetriebe bekannte russische Republik Udmurtien sind nach Behördenangaben mindestens elf Menschen verletzt worden. Drei Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, teilte in der Hauptstadt Ischwesk der regionale Gesundheitsminister der Republik, Sergej Bagin, bei Telegram mit.
Laut nicht überprüfbaren Berichten in sozialen Netzwerken wurde ein für die Herstellung von Raketen der Typen Iskander und Oreschnik wichtiger Rüstungsbetrieb in der Stadt Wotkinsk rund 50 Kilometer nordöstlich von Ischewsk getroffen. Bewohner in der Region westlich des Uralgebirges veröffentlichten auch Aufnahmen in sozialen Netzwerken von einem Brand und Schäden. Demnach soll eine Fabrik zur Herstellung von Raketentriebwerken Ziel gewesen sein. Eine amtliche Bestätigung dafür gab es nicht.
00:17 Uhr – Orbán droht Ukraine mit massiver Blockade
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat mit seinem Veto gegen ein EU-Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro gedroht, falls die Ukraine nicht die Wiederaufnahme von Öllieferungen über eine Pipeline auf ihrem Territorium ermöglicht. „Solange die Ukraine die Druschba-Pipeline blockiert, wird Ungarn das Kriegsdarlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro blockieren“, erklärte Orban am Freitag im Onlinedienst Facebook. „Wir lassen uns nicht herumschubsen.“
Hintergrund ist, dass die Druschba-Pipeline nach Angaben der ukrainischen Behörden infolge einer Beschädigung während eines russischen Angriffs Ende Januar nahe der ukrainischen Stadt Brody stillgelegt wurde. Über den Südstrang der Pipeline wird üblicherweise russisches Öl über die Ukraine unter anderem in die Slowakei und nach Ungarn transportiert. Das EU-Parlament hatte vergangene Woche grünes Licht für einen neuen Kredit an die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro gegeben. Zwei Drittel der Summe sind für Militärausgaben vorgesehen, der Rest als Haushaltshilfe für Kiew.
Freitag, 20. Februar:
23:39 Uhr – Mutmaßlich Angriff tief in Russland
Ukrainische Drohnen beschädigen nach Angaben des Gouverneurs Alexander Bretschalow eine Anlage in der russischen Region Udmurtien. Es gebe Schäden und Verletzte, sagt Bretschalow in einem Video auf Telegram. Der inoffizielle ukrainische Telegram-Kanal Realna Viyna berichtet dagegen, ukrainische Streitkräfte hätten eine Fabrik für russische Raketen in der Stadt Wotkinsk angegriffen. Er veröffentlicht dazu Bilder, die den Angriff zeigen sollen. Wotkinsk liegt etwa 1400 Kilometer von der Ukraine entfernt.
19:32 Uhr – USA geben Serbien Schonfrist bei Öl
Die USA verlängern die Ausnahmen bei Sanktionen gegen die serbische Firma NIS in russischem Besitz bis zum 20. März. Dies gebe dem Balkanstaat einen weiteren Monat Zeit, Rohöl zu importieren, meldet der staatliche serbische Fernsehsender RTS. Hintergrund ist, dass sich Serbien ebenso wie Ungarn und die Slowakei neue Quellen für Öl-Importe suchen müssen, da Einfuhren aus Russland unter Sanktionen fallen.
18:20 Uhr – USA verlangen von Ukraine Aufgabe des Donbass
Nicht nur Russland, sondern auch die USA verlangen nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Selenskyj von der Ukraine die Aufgabe der gesamten Donbass-Region. „Sowohl die Amerikaner als auch die Russen sagen: Wenn Ihr wollt, dass der Krieg morgen endet, dann geht aus dem Donbass raus“, sagte Selenskyj am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP.
Die Territorialfragen sind der zentrale Streitpunkt in den von den USA vermittelten Waffenruhe-Gesprächen. Moskau beansprucht den gesamten Donbass für sich, obwohl die russische Armee nur einen Teil der Region in der Ostukraine unter ihre Kontrolle gebracht hat. Kiew weist dies zurück und fordert stattdessen, den Frontverlauf in der Ukraine einzufrieren.
18:18 Uhr – Selenskyj plädiert bei Waffenruhe für Einsatz europäischer Truppen
Der ukrainische Präsident hat für den Fall einer Waffenruhe mit Russland für die Stationierung europäischer Truppen nahe der Frontlinie plädiert. „Natürlich möchten die Ukrainer, dass unsere Partner mit uns an der Frontlinie zusammenstehen“, sagte Selenskyj am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP. Er räumte zugleich ein, dass „natürlich niemand an der ersten Linie stehen möchte.“
Für den Einsatz einer multinationalen Truppe zur Absicherung einer Waffenruhe haben sich vor allem Frankreich und Großbritannien stark gemacht. Der französische Präsident und der britische Premierminister unterzeichneten Anfang Januar mit Selenskyj in Paris eine Absichtserklärung über die Entsendung einer solchen Truppe. Macron sagte jedoch, diese Truppe solle auf dem Boden, in der Luft und im Meer, „weit von der Kontaktlinie entfernt“ eingesetzt werden.
15:55 Uhr – Ukraine-Gipfel am Jahrestag des Kriegsbeginns
Frankreichs Präsident Macron und der britische Premierminister Starmer leiten am Dienstag eine Videokonferenz der „Koalition der Verbündeten“ für die Ukraine. Das Treffen findet am 24. Februar und damit am vierten Jahrestag des russischen Einmarsches in die Ukraine statt, wie das französische Präsidialamt mitteilt. Der Allianz gehören mehr als 30 Staaten an.
14:32 Uhr – Kiew: Von Moskau angestiftetes Komplott zur Ermordung ukrainischer Politiker vereitelt
Die Strafverfolgungsbehörden in der Ukraine und in Moldau haben nach Angaben aus Kiew ein angebliches Komplott zur Ermordung hochrangiger ukrainischer Politiker vereitelt. Ein gemeinsames Ermittlungsteam beider Länder habe die von Moskau angestifteten Attentatspläne aufgedeckt, teilte der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko mit. Nach seinen Angaben wurden im Zuge der Ermittlungen sieben Verdächtige in der Ukraine und drei weitere Verdächtige in Moldau festgenommen.
Die Festgenommenen gehörten einer „organisierten Gruppe“ an, die „Auftragsmorde an wohlbekannten ukrainischen Bürgern und Ausländern“ vorbereitet habe, erklärte Krawtschenko. Eine der Zielscheiben des Komplotts sei Andryj Jusow gewesen, der im Kommunikationsbereich für das ukrainische Militär arbeitet und Gefangenenaustausche zwischen der Ukraine und Russland koordiniert hat. Gegen wen sich die angeblichen Attentatspläne sonst noch gerichtet haben sollen, konkretisierte der Generalstaatsanwalt nicht.
12:31 Uhr – EU-Diplomaten: Keine Einigung auf 20. Sanktionspaket gegen Russland
Die EU hat Diplomatenkreisen zufolge auf Botschafter-Ebene zunächst keine Einigung über ein 20. Sanktionspaket gegen Russland erzielt. Im Gespräch ist ein vollständiges Verbot von Dienstleistungen für die Verschiffung von russischem Rohöl. Die EU will das Paket zum vierten Jahrestag des Kriegsbeginns in der Ukraine am Dienstag verabschieden. In den Kreisen heißt es weiter, die Botschafter könnten am Wochenende erneut beraten, bevor die EU-Außenminister am Montag zusammenkommen.
11:47 Uhr – UN: Mehr als 5000 Frauen und Mädchen seit 2022 in der Ukraine getötet
In der Ukraine sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) seit 2022 mehr als 5000 Frauen und Mädchen getötet worden. Weitere 14.000 seien seit der russischen Invasion im Februar vor fast genau vier Jahren verletzt worden, erklärt die Leiterin von UN-Women Sofia Calltorp in Genf vor Journalisten.
dpa/AFP/Reuters/ceb/säd/sebe/nw/säd/saha/jac/jra
