Ukraine-Krieg: ++ 100.000 Soldaten – EU-Verteidigungskommissar schlägt Gründung europäischer Armee vor ++ Liveticker

Russlands Schläge aus der Luft gehen nach mehreren unruhigen Nächten auch am Tag weiter. In Regionen im Osten der Ukraine gibt es schwere Einschläge. In Kiew leiden die Menschen bei Minustemperaturen, weil Strom und Heizung ausgefallen sind.

Alle Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine und die internationale Sicherheitspolitik im Liveticker:

19:35 Uhr – EU-Verteidigungskommissar schlägt Gründung europäischer Armee vor

Die EU-Länder sollten nach Einschätzung von Verteidigungskommissar Andrius Kubilius die Gründung einer gemeinsamen Armee in Betracht ziehen. In einer Rede in Schweden schlägt er die Schaffung einer „stehenden europäischen Streitmacht mit 100.000 Soldaten“ vor, um den Kontinent im Falle eines Rückzugs der USA zu schützen. Es gehe um die Frage, wie „die 100.000 Mann starke US-Truppe“ ersetzt werden könnte, die eine tragende militärische Kraft in Europa sei.

Die USA drängen ihre europäischen Verbündeten dazu, zunehmend Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen. Die US-Regierung hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, Truppen aus Europa abzuziehen, um sich auf China zu konzentrieren. „In solchen Zeiten sollten wir uns nicht vor den drängendsten Fragen zu unserer institutionellen Verteidigungsbereitschaft drücken“, sagt Kubilius.

15:36 Uhr – Kiew berichtet von Angriffen auf russische Bohrplattformen

Ukrainische Militärs haben die Beschädigung von drei russischen Ölbohrplattformen im Kaspischen Meer für sich beansprucht. Die Plattformen des russischen Ölgiganten Lukoil dienten der Versorgung der russischen Streitkräfte in der Ukraine, teilte der ukrainische Generalstab in Kiew auf Telegram mit. Die Generalität machte keine Angaben zur Art des Angriffs, sprach aber von „direkten Treffern“, sodass der Einsatz von Langstreckendrohnen möglich schien. Der Bericht über den Angriff konnte von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

11:38 Uhr – Selenskyj diagnostiziert gezielten Terror

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach den schweren Luftangriffen in dieser Woche Russland gezielten Terror gegen die Menschen seines Landes vorgeworfen. Das russische Militär habe innerhalb der vergangenen Woche rund 1.100 Drohnen, 890 gelenkte Fliegerbomben und 50 Raketen und Marschflugkörper, darunter die Mittelstreckenrakete Oreschnik, gegen die Ukraine eingesetzt, schrieb er in sozialen Netzwerken. „Auf Ziele, die keine militärische Bedeutung haben: Energieanlagen und Wohnhäuser.“

10:20 Uhr – Blackout in der Ukraine behoben

Der von schweren russischen Drohnenangriffen in der Nacht verursachte vollständige Stromausfall in der südostukrainischen Region Saporischschja ist nach Behördenangaben weitgehend behoben. „Stand 07.00 Uhr (06.00 Uhr MEZ) ist die Stromversorgung in der Region Saporischschja – und das betrifft 382.500 Familien und Firmen – vollständig wiederhergestellt“, sagte der Direktor des örtlichen Energieversorgers Saporischschjaoblenergo, Andrij Stasewskyj laut einem Telegrameintrag des Unternehmens.

Demnach ist die Stromversorgung in der Region gegen 2 Uhr nachts völlig zusammengebrochen. „In dieser Nacht um 02:11 Uhr kam es in der Region Saporischschja zu einem Stromausfall; die Region war komplett ohne Strom“, heißt es. Die schnellen Reparaturarbeiten hätten die Wiederaufnahme des Betriebs ermöglicht, lobte Stasewskyj seine Mitarbeiter.

08:05 Uhr – Eine Tote nach nächtlichen Drohnenangriffen in Russland

In der westrussischen Region Woronesch ist eine Frau nach Angaben der Behörden an den Folgen eines nächtlichen ukrainischen Drohnenangriffs gestorben. „Zu unserem großen Bedauern ist in der Nacht eine junge Frau auf der Intensivstation gestorben, die Verletzungen durch auf ein Wohnhaus gefallene Drohnentrümmer erlitten hat“, teilte Gouverneur Alexander Gussew auf Telegram mit. Eine weitere Frau liege noch im Krankenhaus, zwei weitere Verletzte seien nach ambulanter Behandlung entlassen worden.

Nach Angaben Gussews handelt es sich um einen „der schwersten Drohnenangriffe seit Beginn der militärischen Spezialoperation“ auf die Stadt. Mit dem Begriff bezeichnen russische Funktionäre den von Kremlchef Wladimir Putin vor knapp vier Jahren befohlenen Krieg gegen die Ukraine.

Beide Seiten beschießen in dem Krieg auch intensiv das Hinterland der gegnerischen Kriegspartei, wobei es immer wieder auch zu zivilen Opfern kommt. Die Ukraine setzt dabei vor allem auf Drohnen und zielt auf Objekte der Öl- und Gasindustrie, Russland nutzt zudem auch Raketen und Marschflugkörper und beschießt Anlagen zur Energieversorgung. Das Ausmaß der Zerstörungen und die Anzahl der Toten und Verletzten in der Ukraine ist dabei deutlich höher als in Russland.

Samstag, 10. Januar:

23:19 Uhr – Russland meldet vier Verletzte bei ukrainischem Drohnenangriff

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die südrussische Stadt Woronesch werden nach Angaben des ⁠dortigen Gouverneurs mindestens vier Menschen verletzt. Ein Gebäude des Rettungsdienstes, sieben Mehrfamilienhäuser und sechs Einfamilienhäuser seien beschädigt, schreibt Gouverneur Alexander Gussew auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist derzeit nicht ‍möglich, eine ukrainische Stellungnahme liegt nicht vor.

17:20 Uhr – Rakete auf Charkiw, Verletzte in Slowjansk

Bei einem Bombenangriff auf die ostukrainische Stadt Slowjansk sind nach Behördenangaben sieben Zivilisten verletzt worden. Wie die ukrainische Staatsanwaltschaft der Region Donezk mitteilte, warf das russische Militär eine schwere gelenkte Fliegerbombe vom Typ Fab-250 auf die Stadt ab. Der Ballungsraum Slowjansk – Kramatorsk ist die letzte Bastion im Gebiet Donezk, die die ukrainischen Kräfte noch kontrollieren. Russland beansprucht die Region für sich.

In der nördlich davon gelegenen Region Charkiw haben die Behörden einen Raketeneinschlag in der gleichnamigen Gebietshauptstadt vermeldet. Ein Objekt der Infrastruktur und ein Mehrfamilienhaus seien getroffen worden, teilte Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram mit. Das Ausmaß der Schäden war demnach zunächst unklar.

16:45 Uhr – Selenskyj: Verhandeln mit USA über Rahmen für Kriegsende

Die Ukraine und die ⁠USA verhandeln nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Bedingungen für eine Beendigung des Krieges. Chefunterhändler Rustem Umjerow habe heute mit US-Vertretern gesprochen, ‍schreibt Selenskyj auf Telegram. „Wir tauschen uns fast jeden Tag mit der amerikanischen Seite aus.“

11:58 Uhr – Stromversorgung in Russland unterbrochen

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff sind in der russischen Oblast ‍Belgorod nach Angaben des Gouverneurs 600.000 Menschen ohne Strom. An der Wiederherstellung werde gearbeitet, die Lage sei jedoch äußerst schwierig, schreibt Wjatscheslaw Gladkow auf Telegram. Aufnahmen von Reuters in der Stadt Belgorod zeigen, dass in der Nacht die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet war und die Anwohner sich mit ⁠Taschenlampen und Autoscheinwerfern den Weg ⁠suchten. Die an die Ukraine grenzende Oblast wird regelmäßig von der Ukraine angegriffen.

08:48 Uhr – Russland meldet brennendes Öl-Depot

Ein ukrainischer Drohnenangriff hat nach russischen Angaben ein Feuer in einem Öldepot im Bezirk Oktjabrski verursacht. Opfer habe es keine gegeben, teilt der Gouverneur der Oblast Wolgograd, in deren Süden das Depot liegt, auf Telegram mit. Anwohner müssten sich aber möglicherweise in Sicherheit bringen. In der Nacht seien 67 ukrainische Drohnen zerstört worden, teilt das russische Verteidigungsministerium mit.

08:28 Uhr – Verletzte bei Angriffen in der Nacht

In der südostukrainischen Region Dnipropetrowsk wurden nach Angaben von Gouverneur Olexandr Hanscha drei Menschen verletzt – ein Mann in der Gebietshauptstadt Dnipro sowie ein Mann und eine Frau in der Großstadt Krywyj Rih. Dort seien wegen der Attacke Brände ausgebrochen, schrieb er bei Telegram. „Die Infrastruktur wurde beschädigt. Es gab Stromabschaltungen.“

Auch in Dnipro selbst gebe es Schäden an Energieanlagen und dementsprechend Probleme mit der Stromversorgung. Eine Garagenanlage sei in Mitleidenschaft gezogen worden. 27 Drohnen habe die Flugabwehr dabei abfangen können, schrieb Hanscha.

07:15 Uhr – Menschen in Kiew ohne Strom und Heizung

Bei bis zu 17 Grad Frost wird die Lage in Kiew und anderen ukrainischen Städten wegen der Ausfälle von Heizung, Strom und Wasser noch schwieriger. Russland wolle mit schweren Luftangriffen mitten im Winter die großen Städte unbewohnbar machen, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Videobotschaft.

„Die Russen nutzen das Wetter – die Kältewelle – und versuchen, so viele unserer Energieanlagen wie möglich zu treffen.“ Zuletzt sei die Hauptstadt beschossen worden, davor Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih, wiederum davor Odessa. „Die Haupttaktik Russlands besteht darin, zu versuchen, Städte vollständig auszuschalten.“ Der Präsident verlangte von allen Stadtverwaltungen, vorbereitet zu sein und die Bürger zu schützen.

05:04 Uhr – UN-Sicherheitsrat beruft Dringlichkeitssitzung zur Ukraine ein

Der UN-Sicherheitsrat kommt nach massiven russischen Angriffen am Montag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. „Russland hat mit seinen Angriffen auf Zivilisten und zivile Infrastruktur in der Ukraine ein neues erschreckendes Ausmaß an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erreicht“, erklärte der ukrainische UN-Botschafter Andrij Jermak in einem Schreiben, in dem er um die Einberufung der Sitzung bittet.

Der Antrag der Ukraine wurde von sechs Mitgliedern des Sicherheitsrates unterstützt, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr. Dabei handelt es sich demnach um Frankreich, Großbritannien, Lettland, Dänemark, Griechenland und Liberia.

03:17 Uhr – 200 Millionen Pfund – Großbritannien bereitet Truppe für Friedensmission vor

Großbritannien hat 200 Millionen Pfund (rund 230 Millionen Euro) zur Vorbereitung eines Einsatzes britischer Truppen in der Ukraine im Falle einer Waffenruhe bereitgestellt. Damit sollen die britischen Streitkräfte ausgestattet werden, um im Rahmen einer multinationalen Truppe für die Ukraine einsatzbereit seien, so das britische Verteidigungsministerium. Es geht unter anderem um die Aufrüstung von Fahrzeugen und Drohnen-Schutz.

Großbritannien, Frankreich und die Ukraine hatten in dieser Woche eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Entsendung von Truppen auf ukrainischem Territorium nach einer Waffenruhe vorsieht. Die britischen Abgeordneten sollen über die Anzahl der Truppen, die im Falle einer Waffenruhe entsandt würden, noch debattieren und abstimmen.

Freitag, 9. Dezember:

22:24 Uhr – Europa sollte mit Russland sprechen, fordert Meloni

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni fordert eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der EU und Russland sowie die Ernennung eines Sondergesandten. „Es ist an der Zeit, dass Europa mit Russland spricht“, sagt sie bei einer Pressekonferenz. Wenn Europa sich an den Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs beteiligen wolle, aber „nur mit einer der beteiligten Parteien spricht, ist der positive Beitrag, den es leisten kann, begrenzt.“

Sie stimme dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu, der Gespräche mit Kreml-Chef Wladimir Putin schon im Dezember als „sinnvoll“ bezeichnet hatte. Die EU müsse aber klären, wer solche Gespräche führen solle, so die Ministerpräsidentin. „Wir haben dieses Problem seit Beginn der Verhandlungen. Es gibt viele Stimmen, die sich äußern, und viele Formate“, sagt Meloni. Sie sei deshalb für die Ernennung eines europäischen Ukraine-Sondergesandten, damit die EU „mit einer Stimme sprechen“ könne.

17:18 Uhr – Klitschko rät Bürgern von Kiew zum Verlassen der Stadt

Nach dem schweren russischen Luftangriff auf Kiew rät Bürgermeister Vitali Klitschko den Einwohnern zum zeitweiligen Verlassen der Dreimillionenstadt. 6.000 Wohnblocks, die Hälfte der Mehrfamilienhäuser der ukrainischen Hauptstadt, könnten derzeit nicht geheizt werden, schreibt er auf Telegram. „Die städtischen Dienste arbeiten im Notfallmodus.“

Der Angriff der vergangenen Nacht sei für die Infrastruktur von Kiew der bislang folgenschwerste des Krieges gewesen. Die Lage werde durch den strengen Winter verschärft. Wer anderswo Energie und Wärme finden könne, sollte die Hauptstadt vorübergehend verlassen, schreibt Klitschko.

Dies sei kein offizieller Aufruf zur Evakuierung, sondern als Ratschlag an die Kiewer gemeint, auf ihre ofengeheizten Datschen zu fahren oder sich bei Verwandten und Freunden in weniger betroffenen Orten einzuquartieren.

14:20 Uhr – Ukraine stuft russischen Raketenangriff als Kriegsverbrechen ein

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU stuft den nächtlichen russischen Angriff mit einer Hyperschallrakete auf die westliche Region Lwiw als Kriegsverbrechen ein. ⁠Russland habe inmitten sich stark verschlechternder Wetterbedingungen versucht, kritische Infrastruktur in der Nähe der Grenze zur Europäischen Union zu zerstören, teilt der SBU mit.

12:32 Uhr – Berlin verurteilt Einsatz von Oreschnik-Rakete durch russische Armee

Die Bundesregierung verurteilt den russischen Angriff auf die Ukraine mit der Mittelstreckenrakete Oreschnik. „Während die Ukraine die USA und Europa sich in den vergangenen Tagen und Wochen sehr intensiv für einen Frieden in der Ukraine einsetzen, hat Russland die Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine eingesetzt“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung verurteile dies „aufs Schärfste“.

Mit ihrem Angriff auf zivile ukrainische Energieinfrastruktur habe Russland den Konflikt „nochmals eskaliert“. Es handele sich um „symbolische Drohgebärden“, um weiter Angst zu verbreiten. „Russland eskaliert hier unprovoziert weiter“, sagte Meyer. „An unserer Entschlossenheit wird dies nichts ändern – im Gegenteil: Wir stehen weiter eng an der Seite der Ukraine und setzen unsere umfassende Unterstützung ungemindert fort.“

12:03 Uhr – Klitschko: Rund 6000 Wohnblöcke in Kiew ohne Heizung

In Kiew sind nach dem neuen russischen ⁠Luftangriff Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge in etwa der Hälfte aller Wohnblöcke die Heizungen ausgefallen. Betroffen seien rund 6000 Gebäude, teilt Klitschko unter Verweis auf den Luftangriff ‍in der Nacht mit. Zudem gebe es Probleme bei der Wasserversorgung. Klitschko ruft die Bewohner dazu auf, die ukrainische Hauptstadt vorläufig zu verlassen, wenn sie außerhalb von Kiew über andere Möglichkeiten zum Bezug von Strom und eine warme Unterbringung verfügen sollten.

11:05 Uhr – Medwedjew vergleicht Raketeneinsatz mit Beruhigungsspritze

Russlands Ex-Präsident Dimitri Medwedjew rechtfertigt den Einsatz der neuen Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine als Beruhigungsmittel. „Gefährliche Psychopathen brauchen eine Zwangsjacke oder eine Rettungsspritze mit Haloperidol“, schrieb der als Vizechef des nationalen Sicherheitsrats in Moskau immer noch einflussreiche Politiker. So sei es in der vergangenen Nacht im Westen der Ukraine passiert. Haloperidol ist ein Medikament zur Behandlung von Schizophrenie.

In seinem jüngsten Blogeintrag konstatierte er eine „universale Katastrophe in den internationalen Beziehungen“. Ursache ist seiner Darstellung nach aber nicht der von Kremlchef Putin 2022 befohlene Krieg gegen die Ukraine, sondern das Verhalten der USA mit der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Dieser werde zu einer neuen Symbolfigur wie einst Südafrikas Nelson Mandela, prophezeite Medwedjew.

Der Putin-Vertraute ging in dem Zusammenhang auch US-Präsident Trump an, den die russische Führung normalerweise von ihrer Kritik am Westen ausnimmt. Medwedjew warf dem Chef des Weißen Hauses „militaristischen Wahn“ vor. Scharfe Kritik übte er auch an der Kaperung des Öltankers der russischen Schattenflotte, die er als Verbrechen bezeichnete. „Und die Antwort darauf sollte keineswegs im Rahmen der Konvention des internationalen Seerechts liegen“, drohte er indirekt Vergeltung an.

10:13 Uhr – Selenskyj fordert nach neuen russischen Angriffen „klare internationale Reaktion“

Selenskyj verlangt nach den neuen massiven russischen Angriffen auf sein Land eine „klare“ internationale Reaktion. „Es bedarf einer klaren Reaktion der Weltgemeinschaft“, erklärte Selenskyj am Freitag im Onlinedienst X. Dies gelte vor allem für eine Reaktion seitens der USA, „deren Signalen Russland wirklich Beachtung schenkt“, fügte er hinzu.

Russland müsse signalisiert werden, „dass es seine Pflicht ist, sich auf die Diplomatie zu konzentrieren“, fügte der ukrainische Staatschef hinzu. Moskau müsse „jedes Mal Konsequenzen spüren, wenn es sich erneut auf Tötungen und die Zerstörung von Infrastruktur konzentriert“.

Selenskyj zufolge wurden bei der nächtlichen Attacke auf Kiew mindestens 20 Wohnhäuser beschädigt. Demnach wurde auch ein Gebäude der Botschaft des Golfemirats Katar getroffen.

Nach Angaben der ukrainischen Armee feuerte die russische Armee in der Nacht 36 Raketen und 242 Drohnen verschiedener Bauarten auf die Ukraine ab. Der Luftabwehr sei es gelungen, 18 Raketen und 226 Drohnen abzufangen. In der Hauptstadt Kiew und ihren Vororten wurden bei den Angriffen mindestens vier Menschen getötet, wie Bürgermeister Vitali Klitschko mitteilte.

09:53 Uhr – Ischinger: Deutschland sollte „Frontstaat“ Polen Waffen schenken

Die Bundesregierung soll nach Ansicht des Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, dem östlichen EU-Nachbarn Polen Waffensysteme schenken. Der EU- und Nato-Partner ⁠sei heute „so etwas wie ein Frontstaat“, sagte Ischinger in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Polen habe damit etwa ‍die Rolle, die Deutschland vor dem Ende des Kalten Krieges innehatte. „Wenn wir derzeit so viel Geld für Verteidigung ausgeben können und die Frage der Reparationszahlungen seitens der polnischen politischen Elite nach wie vor offen ist: Warum geben wir ihnen dann nicht beispielsweise ein U-Boot, eine Fregatte oder vielleicht etwas militärische Ausrüstung?“, sagte Ischinger. „Wir könnten unseren polnischen Freunden diese Dinge kostenlos zur Verfügung stellen, um ihre Fähigkeit ⁠zur Verteidigung zu stärken.“ Diese Geste würde ⁠zwar Geld kosten, wäre aber „eine unglaublich gute Investition in Bezug auf politische Klugheit“.

Zugleich zeigte sich der Vorsitzende der Sicherheitskonferenz enttäuscht davon, dass sich Deutschland und Frankreich bisher nicht auf den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs (FCAS) einigen konnten. „Ich denke, das ist leider eine sehr unglückliche Entwicklung“, sagte Ischinger. Er habe aber noch Hoffnung, dass man einen Ausweg finde. „Die Wahrheit ist natürlich, dass sie zwar einen technologischen Vorsprung haben, Frankreich aber kein Geld mehr hat“, sagte er mit Blick auf ‍den französischen Rüstungskonzern Dassault, der den Fortgang des milliardenschweren Projekts derzeit ‍mit dem Pochen auf einen größeren Arbeitsanteil blockiert. „Ich denke also, dass es … noch Hoffnung gibt, dass ein Kompromiss gefunden werden könnte, bei dem wir etwas mehr ⁠Geld bereitstellen und die Franzosen akzeptieren, dass der Technologieanteil gerecht und für alle Seiten akzeptabel ist.“ Die deutsche und die französische Regierung hatten eigentlich bis Jahresende die Zukunft des Projekts klären wollen, die Entscheidung ‍aber erneut vertagt.

Falls das ⁠Projekt scheitere, ‌müsse man sich nach Alternativen umschauen, sagte ‌Ischinger. Er habe gehofft, „dass FCAS ‌in zehn Jahren so etwas wie die nächste Generation von Airbus sein würde“, fügte er ​mit Verweis auf den deutsch-französischen Flugzeugkonzern hinzu. Er sei überzeugt, dass Bundeskanzler Friedrich ‍Merz ⁠und sein Team alles tun würden, um das Projekt vor dem Scheitern zu bewahren.