
Mitten in … Münster
Ein Hotel in Nordrhein-Westfalen, sehr ländlich gelegen zwischen einem See und einem Kanal. Die Anzahl der Pferde in der Nachbarschaft übersteigt die der Autos auf dem Hotelparkplatz. Wer hier nächtigt, bevorzugt Wellness im eigenen Bundesland – oder kennt sich nicht aus. Alles ist gemütlich, alle sind westfälisch freundlich, was vor allem heißt, dass nicht viel geredet wird. Am Frühstücksbuffet gilt außerdem die Regel: Nur wer früh aufsteht, kann auf die kulinarischen Highlights hoffen. Wie sich an diesem Morgen zeigt, zählt dazu nicht das hausgemachte Bircher Müsli oder die Hafermilch, sondern: der Mettigel. Während sich der Besucher aus Oberbayern die letzten Reste des rohen Fleisches samt Zwiebeln aus der Schüssel kratzt, bricht bei anderen Hotelgästen Panik aus: „Dat Mett is’ alle!“ Nachschub kommt sofort aus der Küche. Dem Fleischgott sei Dank. Kerstin Lottritz

Mitten in … Rom
Der Trevi-Brunnen kostet jetzt zwei Euro Eintritt. Am ersten Tag nach der Einführung haben das noch nicht alle mitbekommen. „Echt jetzt?“, fragt eine Jugendliche im Gewimmel, das in etwa dem Gewimmel gleicht, das ohne Eintritt auch immer herrschte. Der Zugang zur Piazza ist nicht begrenzt worden, dem erklärten Ziel, Gedränge zu verhindern, scheint die Stadt kaum näherzukommen. Aber immerhin erhofft sich Roms Bürgermeister 6,5 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr. Die zahlenden Gäste dürfen die Stufen runter und ganz nah an den Brunnen ran, alle anderen bleiben oben an Absperrungen stehen. Selfies machen geht von dort genauso. Ein Brunnen in der Größe ist halt dann doch schwer zu verstecken. Eine Österreicherin hat auch gleich das Wesentliche im Blick: „Den ham’s aber geputzt, seit wir das letzte Mal da warn!“ Elisa Britzelmeier

Mitten in … Delhi
Im indischen Straßenverkehr gibt es noch diese Risikobereitschaft, die regelwütige Behörden anderswo längst dem schnöden Vorsichtsdenken geopfert haben. Hier schert sich kaum jemand um ordnende Linien. Die Leute lenken ihre Fahrzeuge mutig hupend in jede Lücke, die sich im Chaos auftut. Die Gurtpflicht scheitert in den Tuktuks schon daran, dass diese gar keine Gurte haben. Und bei der Wohnungsbesichtigung in Delhi bittet der Immobilienmakler auf den Rücksitz seines Motorrads. Helm? Überflüssige Frage. Erst fühlt es sich gut an, mit wehendem Haar über die mehrspurige Straße zu sausen. Dann kommen die Zweifel. Durch den Kopf schießen Gedanken an Auffahrunfälle, Stürze, gespaltene Schädel. Hilfe. Die Fahrt endet mit einem Vorsatz: nie mehr ein abschätziges Wort über das schnöde Vorsichtsdenken regelwütiger Behörden. Thomas Hahn
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