TSV 1860 noch ohne Wintertransfers: Die AZ nennt die Gründe

Winter-Neulöwen oder nicht? Das ist hier die Frage. Während die Drittliga-Konkurrenz im Aufstiegsrennen ausnahmslos aufgerüstet hat (AZ berichtete), verzichtet der TSV auf Verstärkungen. Bis jetzt – und mit großer Wahrscheinlichkeit bis zu Transferschluss Anfang Februar.

Ist der Giesinger Weg ein Risiko –oder eine Chance?

Durch das 1:1 gegen Aufstiegsaspirant Rot-Weiss Essen hat der TSV 1860 zwar ein spätes Erfolgserlebnis gefeiert, der Rückstand auf die Aufstiegsränge hat sich für die Löwen (31 Punkte, Neunter) durch die klaren Siege von SC Verl (5:2 gegen Waldhof Mannheim) und dem MSV Duisburg (4:0 beim VfB Stuttgart II) vergrößert: Neu-Spitzenreiter Verl hat sieben Zähler Vorsprung vor 1860, die punktgleichen Verfolger Duisburg und Energie Cottbus sechs. Dazu kommt, dass alle drei Spitzenteams ein deutlich besseres Torverhältnis herausgeschossen haben.

Kauczinsk: „Augen und Ohren offenhalten“

Ob es da nicht geschadet hätte, die weiß-blaue Aufholjagd mit dem ein oder anderen kreativen oder torgefährlichen Neulöwen zu garnieren?

Cheftrainer Markus Kauczinski hat sich dazu auf AZ-Nachfrage mit klaren Worten geäußert – aber auch unmissverständlich klargemacht, Verstärkungen nicht auszuschließen. „Wir haben immer gesagt, dass wir Augen und Ohren offenhalten und uns auf dem Markt informieren“, sagte Kauczinski zunächst, um mit Blick aufs zentrale Mittelfeld zu erklären: „Die Grundsituation ist, dass wir zwei erfahrene Leute im Zentrum und zwei Junge dahinter haben.“

Verlässt Wolfram den TSV 1860?

Die da heißen: Thore Jacobsen – der gegen Essen allerdings gesperrt fehlte – und Philipp Maier, dazu Samuel Althaus und Damjan Dordan. Der 55-Jährige habe gerade Althaus „irgendwann als vollwertigen Ersatz gesehen, weil er einen guten Job gemacht hat.“ Das Problem: Auch der 20-jährige Junglöwe blieb nicht von der fiesen Verletzungsseuche verschont. Der Hüftbeuger schmerzt, Ausfalldauer laut Kauczinski noch unklar. „Am Ende hat sich mit Samus Verletzung ein bisschen was verändert“, gesteht Kauczinski, der stattdessen Dordan (23) zu keinem überragenden, aber ordentlichen Drittliga-Debüt verholfen hat.

Heißt das nun, dass der TSV doch noch einmal zuschlägt – erst recht, falls sich das Abgangs-Gerücht um Offensiv-Reservist Maximilian Wolfram (fehlte im Dienstags-Training) bestätigen sollte?

Ex-Boss Werner hat mit Polster für die Winter-Neulöwen geplant

Eher nicht, wie Kauczinski über die unter dem neuen Präsidenten Gernot Mang und Geschäftsführer wie NLZ-Leiter Manfred Paula verstärkte Vereinsstrategie meinte: „Man wünscht sich hier, dass man junge Talente heranführt und wenn sich einer verletzt, schreien alle nach Neuen – irgendwann habe ich sieben Leute auf einer Position.“ Mit der Zentrale könnte Kauczinski Recht behalten, doch einen Offensiv-Ersatz für Sigurd Haugen (Kieferbruch) thematisierte er nicht. Insgesamt sei es „ein schmaler Spagat“, den 1860 auf der Turnmatte des Turn- und Sportvereins hinlegen müsse, denn im Aufstiegsrennen darf Sechzig nicht zu viele Punkte liegen lassen: „Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass man jetzt funktionieren muss, punkten will und muss, um dran zu bleiben.“

Paula-Vorgänger Christian Werner hatte nach AZ-Informationen ursprünglich mit einem Polster für Winter-Neulöwen geplant. Was davon bei den klammen Sechzgern nach den Rauswürfen von Ex-Coach Patrick Glöckner und Werner selbst sowie dem spontanen Trainingslager in der Türkei noch übrig bleibt, ist nicht bekannt.

Holzhauser gilt als Negativ-Beispiel eines Winter-Transfers beim TSV 1860

Der Ex-Boss hatte mit Anderson Lucoqui, Philipp Maier und Dickson Abiama vor einem Jahr drei günstige Winter-Transfers getätigt, die mithalfen, 1860 vor dem Abstieg zu bewahren.

Wirbelwind: Löwen-Leihgabe Dickson Abiama.
Wirbelwind: Löwen-Leihgabe Dickson Abiama.
© IMAGO/Revierfoto
Wirbelwind: Löwen-Leihgabe Dickson Abiama.

von IMAGO/Revierfoto

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Als Negativ-Beispiel eines Winter-Reinfalls noch zu Zeiten von Günther Gorenzel darf dagegen etwa der Österreicher Raphael Holzhauser gelten.

Fehleinkauf: Ex-Bundesligakicker Raphael Holzhauser.
Fehleinkauf: Ex-Bundesligakicker Raphael Holzhauser.
© IMAGO/Ulrich Wagner
Fehleinkauf: Ex-Bundesligakicker Raphael Holzhauser.

von IMAGO/Ulrich Wagner

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Das Fazit des aktuellen Cheftrainers lautet so: „Es braucht das Gefühl, dass uns ein Neuer direkt weiterhilft und auch machbar ist.“ Zwei Sachen, die im Winter „nicht leicht zu finden“ seien: „Wer im Rhythmus ist und spielt, den muss man aus dem Vertrag rauskaufen und der ist dementsprechend möglicherweise teuer.“

Das vorletzte Wort des Satzes lässt sich getrost streichen.