Noch ist Januar, doch das hält den einen oder anderen Fan des TSV 1860 München nicht davon ab, am Sonntagnachmittag ein finales Entscheidungsspiel anzukündigen. Ein Spiel um die Frage, ob die Löwen im Falle einer Niederlage beim VfL Osnabrück noch Aufstiegschancen haben angesichts der dann neun Punkte Rückstand auf die direkten Aufstiegsplätze und noch 17 ausstehenden Partien. Diese Finalspiele beginnen in München-Giesing übrigens immer ungefähr am dritten Spieltag und ziehen sich, auch dank der zuverlässig inkonstanten Leistungen, im Prinzip über die ganze Saison hinweg. Finalcharakter hatte das Spiel dann aber nicht, allein deshalb, weil es trotz eines 1:1 (1:1) keine Verlängerung gab. „War heute ein klassisches Drittligaspiel. Wir hatten in der zweiten Halbzeit die deutlich besseren Torchancen, am Ende nehmen wir den Punkt natürlich trotzdem mit“, sagte Sechzigs Torschütze Kevin Volland.
Das Problem ist natürlich, dass Sechzig alles andere als ausgeruht aus der Winterpause kommt, und auch nicht den Kader verstärkt hat, so wie einige Konkurrenten. Als Kauczinski am Freitag vor dem Spiel nach den Verletzten gefragt wurde, las er diese von einer vorbereiteten Liste ab, es hörte sich fast an wie eine Startelf. Immerhin kehrten in Torwart Thomas Dähne und dem gelbgesperrten Thore Jacobsen zwei Spieler zurück, dafür war aber nun Maximilian Wolfram erkrankt, dem zudem Abschiedswünsche nachgesagt werden. Nachdem vor einer Woche beim 1:1 gegen Essen der Elf genau elf Spieler fehlten, waren es jetzt noch zehn, darunter der erfolgreichste Torschütze Sigurd Haugen (Kieferbruch) und Florian Niederlechner, der wegen Muskelproblemen auch gar nicht mit ins Trainingslager in die Türkei gereist war.
Zuerst wurde es glatt. Eisregen hatte in Osnabrück die Zufahrten zum Stadion an der Bremer Brücke gefährlich rutschig werden lassen. Dann wurde es holprig. Wegen des Rasens entwickelte sich ein zerfahrenes Spiel mit vielen Standards.
Nun bildeten die elf Löwen-Spieler, die dann den Platz beackerten, alles andere als eine schlechte Mannschaft, sie begannen mit viel verhaltenem Ballbesitz. Das brachte auf diesem Untergrund aber selten etwas ein, insofern war es kein Zufall, dass die erste gefährliche Szene des Spiels nach einem Eckball für Osnabrück entstand. Und der zweite Eckball unmittelbar danach landete dann im Tor, weil Bjarke Jacobsen völlig frei zum Kopfball kam (17.). Für ein paar Minuten wirkte Sechzig verunsichert, Schifferl musste seinen eigenen Fehler auf der Linie klären (27.).
Fraglich ist, ob Sechzig den kommenden Monat unbeschadet übersteht
Aber der Ausgleich ließ trotzdem nicht lange auf sich warten, und er fiel noch mehr aus dem Nichts als die Osnabrücker Führung. Allerdings auch in einem Moment, in dem ausnahmsweise kein langer Ball nach vorne gespielt wurde, sondern dank einer technisch guten Einzelleistung. David Philipp ließ mit einem klugen Pass auf sich selbst mehrere Gegenspieler ins Leere laufen, dann bediente Philipp Maier den ungedeckten Kevin Volland. Und der hätte sich kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können als dieses „Finale“, um endlich mal wieder zu treffen. Sein durchaus haltbarer Schuss ins ferne Eck war sein erstes Drittliga-Tor nach zwölf Spielen. Der frühere Nationalspieler war darüber hinaus auch oft nahe der eigenen Torlinie zu sehen, beim Rackern und Flankenabwehren. „Ein Tor tut immer gut, ich arbeite auch viel, denke ich“, analysierte Volland selbst. Die Mentalität habe sowieso gestimmt, und dann komme fortan „der Rest von ganz allein“.
Auch ist die Situation nicht so schlimm, dass Kauczinski nicht nachlegen könnte. Der eingewechselte Justin Steinkötter zum Beispiel hatte in der 74. Minute eine der besten Gelegenheiten, das Spiel zu drehen, als er mit einem Heber knapp das Tor verpasste. Zuvor hatten auch schon Hobsch und Philipp gute Chancen, aber Präzision vermissen lassen (61., 69.). Nun wäre der Münchner Dreier verdient gewesen. In der Schlussphase musste Kauczinski aber noch einmal, hart Kaugummi kauend und mit den Händen auf dem Kopf, einen letzten Osnabrücker Freistoß mitansehen, dann war Schluss. Man sei mit dem Kader „konkurrenzfähig“, das hatte Kauczinski vorher schon gesagt, und das hatten die Löwen erneut gezeigt, nicht mehr und nicht weniger. „Mit der zweiten Halbzeit war ich zufrieden, mit der ersten nicht, es war insgesamt leistungsgerecht“, sagte der Coach. Seine Mannschaft stehe „stabil“, er habe aber bisweilen auch „Sand im Getriebe“ gesehen.
Fraglich ist allerdings, wie unbeschadet Sechzig den kommenden Monat übersteht, denn die Personalnot wird erst einmal anhalten. Die Frage, wer denn zumindest am kommenden Wochenende zurückkehre, entlockte dem Trainer schon am Freitag zunächst ein „woooouuuuw“, dann sagte er: eigentlich nur Wolfram. Die Absenz von Angreifer Sigurd Haugen etwa schätzt er auf weitere vier bis sechs Wochen, der gebrochene Kiefer müsse erst komplett „zuwachsen“. Das ist bedeutsam, weil Kauczinski kurz durchscheinen ließ, dass man im Sturm noch am ehesten eine Verpflichtung plant. Wenn es keinen Spieler gebe, der vom Fleck weg verstärke, wird der 55-Jährige aber am bestehenden Kader festhalten: „Denn wenn ich noch jemanden hole, der Zeit braucht, habe ich irgendwann 35 Spieler.“

