Im Hinspiel war die Leistung nicht erklärbar gewesen: 1:5 hatten die Münchner Löwen gegen die TSG Hoffenheim II verloren, zum Oktoberfest-Auftakt und als Aufstiegskandidat – peinlich! „Revanche-Gedanken“, sagte der Trainer des TSV 1860, Markus Kauczinski, deshalb vor dem Rückspiel am Freitagabend, „die können sie gerne ausleben.“ Das setzten die Münchner zwar über weite Strecken nicht um, im Gegenteil, sie offenbarten am Freitag wieder spielerische Unterlegenheit gegen Hoffenheims flinke Zweitvertretung in der dritten Liga. Sogar in 40 Minuten Überzahl traten sie nicht dominant auf. Doch es reichte dank einiger Geistesblitze zu einem glücklichen 2:1 (1:1)-Erfolg.
Damit starten die Löwen mit drei Punkten in eine englische Woche, die sie schnell wieder an die Aufstiegsränge heranbringen kann, was vor Kurzem nur wenige für möglich gehalten hatten. „Wir können mit dem Ergebnis zufrieden sein, mit der Spielweise bin ich’s nicht“, resümierte Trainer Kauczinski.
Für den Sieg waren zwei Dinge vonnöten, auf beide hatten sie beim TSV 1860 lange gewartet: Kevin Volland als Unterschiedsspieler, der als Vorlagengeber glänzte, sowie knifflige Schiedsrichterentscheidungen zu ihren Gunsten. Davon gab es in Hoffenheim sogar zwei: Hoffenheims Luca Erlein sah die rote Karte nach einem Schubser gegen Philipp Maiers Brust, der sich anschließend fallen ließ und sich das Gesicht hielt (49.). „Wahrscheinlich zu hart“, sagte Kauczinski am Mikrofon des Senders Magenta über die Entscheidung. Außerdem hätte sich diesmal Sechzigs Max Reinthaler nicht über einen Handelfmeter gegen sich beschweren können (73.). Vor einer Woche, beim knappen 1:0-Sieg gegen Rostock, hatte eine ähnliche Situation den Löwen den Elfmeter zum Siegtor beschert – dank eines starken Kevin Volland und fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen. Zuvor hatten sich die Sechziger über Monate benachteiligt gefühlt.
Haugen vergibt eine Dreifachchance und trifft dann doch
Die Tore der ersten Halbzeit hatten denselben Ausgangspunkt: nämlich Volland. Schon nach anderthalb Minuten setzte der Spielmacher mit einem Steilpass Tim Danhof in Aktion, der fand den freistehenden David Philipp in der Mitte. In der 25. Minute aber verlor der 33-Jährige den Ball im Mittelfeld, nach schnörkelloser Kombination glich Florian Micheler aus. Der Ausgleich war verdient, weil vom TSV 1860 nach der Führung so gut wie nichts zu sehen war.
Dann aber startete Sechzig furios in die zweite Halbzeit. Volland spielte einen No-Look-Volleyball auf Sigurd Haugen, der eine Dreifachchance vergab (46.) – in der 63. Minute traf Haugen nach erneutem Volland-Steilpass aber dann doch zum Siegtor. Ein weiterer Höhepunkt für Sechzig: Nach über einem Jahr Verletzungspause wurde Morris Schröter in der zweiten Halbzeit erstmals wieder eingewechselt, ein Kreativspieler, den die Löwen in den kommenden Wochen gut gebrauchen können. Kapitän Jesper Verlaat blieb nach fünf Monaten Pause schon zum zweiten Mal der Einsatz verwehrt. Am Dienstagabend im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue werden Torschütze David Philipp und Philipp Maier gelbgesperrt fehlen.
